Kundenrezension

13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Handwerklich brilliantes Spiel mit der Realität, 23. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Welt am Draht [Blu-ray] (Blu-ray)
Rainer Werner Fassbinders zweiteiliger Film aus dem Jahre 1973 beruht, wie hier von einigen Vorrezensenten erwähnt, auf dem lesenswerten Roman des US Autors Daniel F. Galouye. Dieser thematisierte, in Abgenzung zur zuvor gängigen, mit ihren kernbösen und minderwertigen Aliens, Intergalaktischen Imperien und infantilen Allmachtsfantasien oftmals eher vulgären Outer-Space Opera der frühen US-SF das Thema des Inner-Space und repräsentiert damit jene humanistische Wende der Gattung, die längst wieder Geschichte scheint. Bild einer Zeit, in der maßgebliche Intellektuelle der USA tatsächlich Vorreiter der Freiheit schienen. Zwar weniger exponiert wie der frühe Roger Zelazny, Thomas M. Dish oder der genialische Philip K. Dick, aber unbestreitbar lesenswert nutzte Galouye die Mittel der literarischen Phantastik zur Fokussierung menschlicher Daseinsfragen. Ein Unterfangen, das Fassbinders mehr als kongeniale Verfilmung noch einmal schärft. Das futuristiche Sujet ist hier nicht Zweck an sich, sondern Mittel zur Verdeutlichung solcher essentieller Fragen wie: was it real - wer bin ich - gibt es mich überhaupt, und: was und wer steuert die Welt?
Fassbindes Bildersprache ist durchrangig hochartifiziell, in den einzelnen Szenen, in denen nichts dem Zufall überlassen scheint, gerinnen Symbole, Stereotypen und Versatzstücke der siebziger Jahre zu einem surrealen Kabinett, das die Frage nach der Realität beantwortet, ehe die Handlung dies tut. Ein dramaturgischer Lapsus? Mitnichten, denn so lenkt dieser grosse deutsche Filmemacher den Blick zurück auf uns, auf die Welt, der er seine Requisiten entnimmt. Wer lenkt denn bitteschön mich, wer sind wir wirklich, wie fragwürdig ist ohnehin diese neurobiologisch anzuzweifelnde Konstruktion, dieses Ich, die wir dennoch unser Leben lang verzweifelt verteidigen? Fassbinders Film mutet heute fast quälend langsam an, die Dialoge schwanken zwischen inhaltsleer (Spiegel einer Welt, deren Inhalte virtuell sind), philosophisch und abschtsvoll banal. Hierzu verfügte Fassbinder nicht nur über einen grandiosen Kammeramann, sondern auch über einen großen Strauss an Könnern vor der Kamera. Welch eine Wohltat, endlich wieder so viele deutsche Schauspieler zu sehen, die durch Theatererfahrung und Ausbildung SPRECHEN konnten und uns nicht mangels elementarer Ausbildug klingen, als seien Sie die bedauernswerten Opfer einer neurologischen Systemerkrankung im finalen Stadium. Schauspieler, bei denen aber nicht nur in der Rede Kunst vom Können und nicht aus den Castingcouch-Niederungen des sog. Unterschicht TV kommt.
Jetzt also dieses wichtige Dokument auf Blue Ray, restauriert von keinem Geringeren als dem virtuosen Kammeramann Michael Ballhaus, einem Fassbinder Intimus par excellence. Inwieweit es tatsächlich zu zusätzlicher, von Fassbinder nicht intendierter Farbsättigung in manchen Szenen kam, mag diskutiert werden. Selbstverständlich kann man ferner keine bildtechnische Referenzqualität erwarten, gemessen an dem alles andere als herusragendem Bild des Ursprungsmaterial scheint mir, zumindest auf einem 47 Zoll LED Bildschirm betrachtet, die Restauration alle Ehren wert. Die `Metergroße Leinwand plus sündhaft teurer Projektor Fraktion` mag mich hier für ihre Bedürfnisse verbessern. Und natürlich ist der Film wieder einmal intelligenter als die Extras. Dies ändert nichts dass hier ein Dokument aus jeden Zeit zugäglich gemacht wird, in der der deutsche Film blühte, statt zunehmend als bestenfalls bizarres Testobjekt für Fremdschämversuche zu dienen. Wer glaubt, er sei hierfür nicht intellektuell genug, sollte dann zumindest so erwachsen sein, dies sich selbst zuzuschreiben und nicht diesem Film.
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-7 von 7 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 30.07.2013 13:39:48 GMT+02:00
Ramin meint:
Kleine Besserwisser Korrektur :-) : Der Mann heißt Rainer „Werner“ Fassbinder und nicht Rainer „Maria“ Fassbinder

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 31.07.2013 00:22:20 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.09.2013 01:20:53 GMT+02:00
Henning meint:
Ist nicht Besserwisserei. Sie haben mich bei einer Freudschen Fehlleistung erwischt. Ich werde das korrigieren. Werner und Maria sind meine eigenen katholischen Taufnahmen. Da ist wohl die Identifikation mit dem Werk mit mir durchgegangen. So kann es gehen, deshalb: danke.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.08.2013 12:32:46 GMT+02:00
Martin Major meint:
Naja, kam vielleicht von der Assoziation Rainer Maria Rilke ;-)

Und natürlich heißt es "korrigieren", das müssen Sie noch korrigieren ;-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.09.2013 01:23:03 GMT+02:00
Henning meint:
Thx. Ein jeder Engel ist schröcklich?

Veröffentlicht am 06.06.2014 21:18:10 GMT+02:00
Steffen Frahm meint:
Top Text!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.06.2014 08:32:50 GMT+02:00
[Von Amazon gelöscht am 15.06.2014 20:54:56 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 18.06.2014 12:10:04 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.06.2014 10:25:12 GMT+02:00
cinemania2008 meint:
Schlagen wir doch mal einen Bogen von Fassbinders Film zur heutigen Situation, damit die beiden "Aufpasser" von dieser Kommentarspalte wieder etwas an amazon weitermelden können:

Bei der Rezension von diesem Henning bin ich in einem sehr kritischen, aber dennoch sachlichen Kommentar auf die Tatsache eingegangen, wie das Internet als ebenfalls schon gefährliche "Parallelwelt" mehr und mehr zweite "digitale Identitäten" von realen Personen schafft, und hier immer gefährlichere Abhängigkeiten entstehen bzw. die Verwicklung in dieser "digitalen Parallelwelt" immer unbeherrschbarer wird. In weiten Teilen heute eine Bestätigung von Fassbinders kongenialer Kritik, wenn auch in übertragenem Sinne.

Wie diese heutige "Welt am Draht" funktioniert bzw. manipuliert und wie im "freien Internet" eine solche "gnadenlose Kritik am derzeitige Digital-Fetisch" schnellstens entsorgt wird, bewies amazon binnen nur weniger Stunden durch eine Löschung.

Wie schon zum Thema "Verblödung" bei einer anderen Rezension gesagt: Wo das Argument schlichtweg fehlt und die Diskussion des Themas gescheut wird, wählt man den Löschknopf. Die heutige digitale Welt hat sich der Massenmeinung seiner "Programmierer" anzupassen. Notfalls hilft man nach. Lässt sich der "Abweichler" durch die allenorten anzutreffenden "Daumen runter" oder "Nicht hilfreich"-Buttons nicht "umprogrammieren", wird er "gelöscht" bzw. dessen Beiträge.

Ein Redaktionskollege arbeitet derzeit an einem Buch, das aufzeigt, in welch haarsträubender Weise im Internet Meinung gemacht und manipuliert wird. Und wie Menschen dazu verleitet werden, sich dieser Meinung jener digitalen Welt unterzuordnen, quasi als Teil dieser Parallelwelt wunschgemäß funktionieren bzw. manchmal völlig eigenständige fragwürdige "digitale Personen" werden. Selbst das einstige Vorzeigeprojekt "wikipedia" steht vor dem Kollaps, nachdem auch dort eine elitäre, selbstverliebte "Internetpolizei" mehr und mehr den Inhalt bestimmt und beherrscht und durch massive Eingriffe seit Jahren jegliches Engagement der vielen freiwilligen Autoren zerstört. Wie?!? Natürlich durch .... Löschen!

(PS: Es empfiehlt sich, diesen Kommentar zügig zu lesen. Die "Web-Reiniger" dürften den Finger schon wieder auf der Löschtaste liegen haben. Ich habe diesen Text vorsorglich gespeichert und werde ihn solange hier wieder einsetzen, bis man mich sperrt. Ab und an sollten wir alle diesen "Draht"ziehern endlich die Stirn zeigen! Zumindest solange, bis man uns - um Fassbinders Film aufzugreifen - als "digitale Einheit" .... löscht! ;-))
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