Kundenrezension

7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Where's Paul?, 6. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Wrong [Blu-ray] (Blu-ray)
(Kinoversion)

Quentin Dupieux, durchgeknallt-kreatives Regiewunder aus Frankreich, hat das Publikum bereits 2010 mit seinem Film "Rubber" zum Verzweifeln gebracht. Denn was er diesem mit seinem Film über einen mordenden Autoreifen mit telekinetischen Fähigkeiten sagen wollte, hat sich nur Wenigen erschlossen. Dupieux' geniale Kreativität ist eine Ausnahmeerscheinung in der Filmlandschaft und wird vom Mainstreampublikum nur wenig goutiert. Ein Fehler, wie eingefleischte Cineasten wissend nickend konstatieren. Sicher, "Rubber" war inszenatorisch nicht ganz ausgereift und teilweise wirklich sehr verrückt und nicht leicht zugänglich, dennoch ließ sich hier bereits erahnen, welch ungeheure kreative Energie Dupieux innewohnt. Mit "Wrong", seinem aktuellen Film, stellt Dupieux dies erneut eindrucksvoll und etwas besser zugänglich unter Beweis. Dupieux, Vielen auch bekannt als Musikmacher Mr. Oizo ("Flat Beat"), hat mit "Wrong" einen wunderbar verschrobenen, verrückten, bizarren und brüllkomischen Film geschaffen, der vor witzigen Ideen nur so strotzt und Fans des Regie-Genies dankbar auf die Knie sinken lässt. Was für ein gleißend heller Stern am ansonsten oft einfallslos-dunklen Kinofirmament!

Dolph (Jack Plotnick, "Drawn together") wacht eines Morgens auf (um 7:60 Uhr, um genau zu sein) und muss feststellen, dass sein Hund Paul verschwunden ist. Zunächst nur leicht beunruhigt, hält Dolph noch ein Pläuschchen mit Nachbar Mike (Regan Burns, "God bless America"), der regelmäßig joggen geht, aber behauptet, Joggen zu hassen und so etwas niemals zu tun. Derweil hat Dolphs Gärtner Victor (Eric Judor) Probleme mit einer Palme, die keine mehr ist. Dolph geht einstweilen erstmal ins Büro, in dem es in Strömen regnet. Als er einen Flyer für Pizzalieferungen in seinem Briefkasten findet, muss er mit der Dame von der Bestellannahme, Emma (Alexis Dziena, "When in Rome"), erst einmal ausdiskutieren, dass das Firmenlogo, ein Hase auf einem Motorrad, ja irgendwie keinen richtigen Sinn ergibt. Ein freundlicher Mann hat sich inzwischen daran gemacht, Dolphs Auto blau anzumalen, weil ihm gerade danach war. Und der mysteriöse Master Chang (William Fichtner, "Prison Break") ist Hunde-Detektiv und weiß vielleicht, wo Paul ist… Alles klar?

Nicht? Macht nichts, denn genau so soll es sein. "Wrong" ist eine nahezu unglaubliche Ansammlung verrückter Dialoge, wahnwitziger Szenen, unerwarteter Wendungen und bizarrer Figuren. Dupieux gelingt es, den Zuschauer fast im Sekundentakt mit immer neuen Wahnsinnigkeiten zu überraschen und "Wrong" damit zum absolut unvorhersehbaren Kinoerlebnis zu machen. Vieles, das auf den ersten Blick überhaupt keinen Sinn zu ergeben scheint, erschließt sich einem dann doch noch im Verlauf der insgesamt 94 Minuten. Und selbst, wenn es das nicht tut (und das ist oft genug der Fall), kann man sich köstlich über Dupieux' Einfallsreichtum und anarchischen Humor amüsieren. "Wrong" ist ganz großes kreatives Kino, herrlich verrückt, unglaublich komisch und einfach ganz anders als das Meiste, was man in der heutigen Filmlandschaft zu sehen bekommt.

Im Vergleich zu "Rubber" weist "Wrong" einen konstanten roten Faden auf, nämlich Dolphs Suche nach seinem Hund. Dass ihm dabei die seltsamsten Dinge passieren, überrascht Dolph ebenso wie den Zuschauer, auch wenn er es normal zu finden scheint, in einem Büro zu arbeiten, in dem es konstant regnet. Faszinierend ist, dass Dolph alle Wendungen und neuen Situationen mit lakonischem Pragmatismus hinzunehmen scheint und ihnen so eine Normalität verleiht, die eigentlich gar nicht vorhanden ist. Denn das Meiste, was in "Wrong" passiert, ist fernab jeglicher Normalität. Dennoch ist "Wrong" zugänglicher als "Rubber", was allein schon daran liegen dürfte, dass hier kein mörderischer Autoreifen die Handlung bestimmt. "Wrong" passt sich scheinbar besser an die Sehgewohnheiten der Zuschauer an, konterkariert diese dann aber auch genauso regelmäßig wieder. Es macht einfach einen Heidenspaß, Dolph auf seiner Hunde-Odyssee zu begleiten, weil man aus dem Lachen und Kopfschütteln einfach gar nicht mehr herauskommt.

Sicher, man muss "sowas" mögen. Menschen, deren humoristischer Horizont bei flachgeistigen Komödien à la "Verrückt nach Mary" oder "Kindsköpfe" bereits erreicht ist, für die ist "Wrong" definitiv wrong. Man muss schon ein Faible für verrückt-verschrobene, intelligente Komödien haben, die jegliche Seh- und Erwartungshaltung ad absurdum führen. Man muss sich einlassen können auf völlig abstruse Handlungsabläufe und andere Unmöglichkeiten, um über Dupieux' sehr speziellen Humor lachen zu können. Für diejenigen, die sich gerne abseits ausgetretener Mainstreampfade bewegen und offen für Neues und Absonderliches sind, für die ist "Wrong" unbedingt right und darüber hinaus eine wahres Füllhorn geistreicher Ideen und absurder Dialoge. Und Dupieux beherrscht die Klaviatur des Paradoxen wie kein Zweiter.

Der Darstellerriege gelingt es meisterhaft, sich in Dupieux' Handlungs- und Gedankenwelten einzufühlen und ihren oft auch nur kleinen Rollen Profil zu verleihen und sie mit einer Überzeugung zu spielen, die ihre Charaktere fast normal wirken lässt. Nur fast allerdings, zum Glück. Jack Plotnick als Dolph und William Fichtner als Master Chang (!) stechen hier besonders hervor und beeindrucken durch die absolute Selbstverständlichkeit, mit der sie auch noch den größten Blödsinn souverän und kompetent von sich geben.

Abgerundet wird "Wrong" durch stimmige Settings und einen grandiosen Soundtrack, der stets die passende musikalische Untermalung parat hat. Kleiner Tipp am Rande: den Abspann bis ganz zum Ende und noch ein paar Sekunden länger abwarten, denn…da kommt noch was, wenn auch nur was Kleines.
Quentin Dupieux hat mit "Wrong" erneut unter Beweis gestellt, dass er einer der ganz Großen ist, wenn es um innovative und kreative Geschichten geht, die so im Kino kaum noch erzählt werden. Herrlich verdreht, verrückt und vor allem sehr witzig präsentiert er seine skurrilen Gedankenwelten und macht daraus Filme, die man so schnell nicht vergisst. "Wrong" ist einfach ein grandioses Gesamtkunstwerk, das man sich als Fan abseitiger Komödien keinesfalls entgehen lassen sollte. Deshalb gerne volle fünf von fünf Weckern, bei denen es nie 8:00 Uhr, sondern immer 7:60 Uhr ist.
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