Kundenrezension

44 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ich und Ballett und so......, 11. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Pina (DVD)
Nun ist es so. Meine Mutter ist seit immer großer Ballettfan, schwärmte schon vor Jahren von John Neumeier und seinen Inszenierungen, hat seit jeher ein Abo und hätte es gern gesehen, wäre ich als Kind selbst zu Ballettstunden gegangen. Das war natürlich vollkommen ausgeschlossen, nicht nur aufgrund einiger Kilogramm zu viel an Körpergewicht, sondern auch aufgrund der Vorstellung, dieses meinen Kumpels zu verklickern, mit denen ich definitiv viel lieber Fußball spielte. Meine Schwester jedoch besuchte die Schule an der Hamburger Staatsoper, gab das Projekt Ballett jedoch auf, nachdem ihre Füsse, geschunden von stundenlangem Training und einem schon fast militärisch zu nennenden Drill, tagelang geschwollen und unbenutzbar waren.

Meine Frau sah vor einigen Wochen "Pina" im Kino und war, obwohl das Ballett auch eher nicht so ihre Sache ist, begeistert. Also entschloss ich mich dazu, mir den Film ebenfalls anzuschauen, schließlich eint uns die Liebe an der Fotographie, den aussergewöhnlichen Inszenierungen und filmischen Raffinessen und auch hiervon sollte es angeblich ne Menge geben. Zusammenfassend kann ich sagen, dass mich der Film schwer beeindruckte. Nun werde ich ganz sicherlich kein Ballettfan, jedoch ermöglichte es mir "Pina" einen Einblick in eine mir relativ unbekannte Welt zu erhalten, die mich zugegebener Weise stellenweise mehr als fesselte.

Ursprünglich wollte Wim Wenders einen Film über Pina Bausch machen, seine langjährige Freundin. Jedoch verstarb diese 2009 vor den Dreharbeiten und so wurde "Pina" ein Film für die Choreographin, Tänzerin und Ballettdirektorin, von der ich zuvor niemals etwas gehört hatte. Neben den Choreographien "Le Sacre Du Printemps", "Kontakthof", "Vollmond" und "Cafe Müller", die von Wim Wenders und Pina Bausch noch vor deren Ableben ausgewählt wurden und die von dem Tanztehater Wuppertal dargeboten werden, sind es die kleinen, sparsamen Filmausschnitte und Tondokumente einer ungewöhnlichen und oftmals mißverstandenen Frau, die diesen Film zu etwas besonderem machen. "Pina" ist ein kreatives Meisterwerk auch wenn einzelne Mitglieder des Ensembles, wie auch Pina Bausch, von Zeit zu Zeit ein wenig verrückt wirken, was an dieser Stelle als Kompliment zu betrachten ist. Insbesondere die Ausbrüche aus vor- und festgeschriebenen Strukturen machen für mich oftmals erst den besonderen Reiz aus, das Überbrücken konventioneller Wege, der Versuch etwas anderes und neues zu erzeugen, bekommt von mir prinzipiell erst einmal mindestens einen Extrapunkt in der Beurteilung. Die Darsteller und Tänzer wirken teilweise recht "unballettmäßig", es gibt keine Tütüs und keine (oder kaum) "Zehenspitzenakrobatik" und auch hinsichtlich der Ästhetik bewegt sich "Pina" auf mir unbekannten Ebenen, weit weg von "Schwanensee", "Nussknacker" oder "Giselle" die mir noch im Gedächtnis waren, da übriggebliebene Eintrittskarten dafür sorgten, dass ich in meiner Jugendzeit mehr oder weniger dazu gezwungen wurde, mir "dieses Erlebnis aus Tanz und Musik" doch einmal live und vor Ort anzusehen. "Pina" ist anders, das Ensemble tanzt "Angst" und "Vergewaltigung", was beizeiten recht verstörend wirkt. Auch dient nicht eine x-beliebige Bühne als Ort der Darstellung, es wird auf Wasser getanzt, es wird auf Sand getanzt. Auch die Musik verlässt die mir bekannten Ebenen und ist hin und wieder äußerst gewöhnungsbedürftig. Gewöhnungsbedürftig fand ich ebenfalls "Cafe Müller", stellenweise nervte mich diese "Darbietung" sogar, jedoch fesselten und faszinierten mich die anderen Choreographien um so mehr.

Wie ich schon andeutete, Ballett wird niemals meine Leidenschaft werden, auch nicht nach dem Sehen dieses aus Fragmenten und Teilen zu einem Ganzen zusammengebauten Werks, jedoch wurde ich bestens unterhalten, in einen Sog aus Kreativität, Raffiness und Bild- und Farbexplosionen gezogen, in einen Rausch, der dafür sorgte, dass ich mich anschließend mit einer aussergewöhnlichen Frau beschäftigte, deren Inszinierungen und Choreographien mich tief berührten. Wim Wenders schaffte dieses 2003 mit seinem Film "A Soul Of A Man" schon einmal und auch wie hier war der Gegenstand des damaligen Films eine Thematik die mich prinzipiell nicht interessierte und auch anschließend nicht wirklich lange von Interesse blieb. Genauso wenig, wie ich nun regelmäßig Ballettaufführungen sehen werde, höre ich Blues, allerdings war das Abtauchen in etwas mir Unbekanntem von großer Wichtigkeit um den eigenen Horizont zu erweitern, bzw. um mir ein Teilbild zu machen, anstatt etwas abzulehnen, was ich nicht kenne. Das Ballett kenne ich nach wie vor nicht, dafür wird dieser eine Film wohl nicht genügen, jedoch konnte ich stellenweise nachvollziehen, was für einige den Reiz daran ausmacht und das führt schlußendlich zu einer gesteigerten Toleranz "dem anderen" gegenüber. Und diese Feststellung genügt mir und jetzt kann ich wenigstens einmal mit meiner Mutter über einen Film reden, den sie mag und das ist mehr als ich vorher erwartet habe.

Über den deutschen Release kann ich nichts sagen, da der VÖ ja noch aussteht. Diese Rezension bezieht sich also alleine auf die Kinofassung. Wie in der Produktbeschreibung bereits zu lesen, wird "Pina" auch auf DVD als 3D Version erscheinen, was ich für unbedingt notwendig halte, da grade diese Technik dem Film die richtige Note verleiht. Die enstandene Räumlichkeit ist insbesondere in Filmen dieser Art von unschätzbarem Wert. Es wurde auch Zeit, dass die 3D Technik nicht nur für 0815 Hollywood Großprojekte genutzt wird.
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1-7 von 7 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 23.07.2011 16:58:47 GMT+02:00
gnudung meint:
leider ist diese rezension sehr subjektiv und zudem noch von mangelndem sachverstand durchdrungen.
daß es sich bei zeitgenössischem tanztheater gerade nicht um klassisches ballett handelt, scheint der rezensent bis zum schluß nicht verstanden zu haben.
"...Darsteller und Tänzer wirken teilweise recht "unballettmäßig", es gibt keine Tütüs..." *rofl*
wenn der rezensent als kind "traumatische" erfahrungen mit ballett gemacht hat, ist das schade, und wenn sich aufgrund des filmes die kommunikation mit seiner mutter gebessert hat, ist das schön, aber beides sagt absolut nichts über die qualität dieses filmes aus und hat deswegen *imho* in einer rezension nichts zu suchen...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.07.2011 13:46:08 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 26.07.2011 14:12:40 GMT+02:00
Vielen Dank für die überaus sachdienlichen Hinweise:-). Mal davon abgesehen, dass ich leider vergessen habe, dass ich einen Film nur dann gut finden darf, wenn dass notwendige Backgroundwissen über die Thematik bereits vorhanden ist, würde ich gern wissen, was genau eine "objektive Rezension" sein soll? Kann es das geben? Kaufen Sie sich mal ne Tüte Kekse, Zucker soll bekanntlich kurzfristig glücklich machen. Bis dahin sende ich Ihnen viele undogmatische Grüsse
P.S. Vielleicht haben Sie ja Lust, sich mal mit einem anderen Film im Kontext "Tanz und Musik" zu beschäftigen, wie zum Beispiel mit American Hardcore und darüber eine "objektive Rezension" zu verfassen, denn Sie werden sicherlich eine "objektive (positive oder negative) Meinung" dazu haben, die ich spannend finden würde. Dann könnte man sich vielleicht über den Zusammenhang von "Punk" und "Hardcore" unterhalten, oder über den von "Ballett (Folkwang etc.)" und "Tanztheater".

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.08.2011 23:41:19 GMT+02:00
Uwe Krueger meint:
Nichts für Ungut, Pina Bausch ist in der Tanz Szene eine Größe, dass der Film, Wim Wenders sei Dank, auch 'Uninteressierte' (Bitte nicht persönlich nehmen) erreicht und beeindruckt ist letztendlich auch nur möglich dank der unglaublich beeindruckenenden Arbeit, die Pina Bausch mit Ihrem Ensemble vollbracht hat. Mich hat der Fim sehr beeindruckt, aus vielerlei Aspekten, aber das schreibe ich, wenn ich mir die DVD / Blueray gekauft habe.

Veröffentlicht am 26.09.2011 13:33:19 GMT+02:00
Sven Gromoll meint:
eine Frechheit von Warner uns wieder einmal bei einer Aktuellen Veröffentlichung mit DD 5.1 ab zu speisen ! wenn ich etwas bei Amazon zu sagen hätte, würde ich diese Firma aus dem Verkauf ausschließen ! keine 10 ¤ wert, schade um den Tollen Film

Veröffentlicht am 26.09.2011 13:35:11 GMT+02:00
Sven Gromoll meint:
oder sind die Angaben von Amazon falsch ? oder nicht vollständig ??

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.09.2011 15:13:22 GMT+02:00
Stefan Rother meint:
kann Entwarnung geben: Die 3D-version hat DTS-HD Master Audio

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.10.2011 10:30:43 GMT+02:00
Florian Huber meint:
wie sieht es bei der Deluxe-Ausgabe aus in Sachen FSK-Logo? Gibt es auch hier wie bei der normalen 3D-BD ein Wendecover oder ähnliches? Danke vorab.
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