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Walsers autobiographische Kindheit, 28. August 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Ein springender Brunnen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Walser, der schon immer autobiographisch geschrieben hat, arbeitet in drei großen Kapiteln in den Jahren 1932/33, 1938 und 1944/45 seine eigene Herkunft in Wasserburg am Bodensee auf. Johann, (also Walser kleiner Junge) muß schon früh mithelfen, Kohlen zu schippen und auszutragen - ein kleiner zusätzlicher Verdienst für die Familie neben der kriselnden Gastwirtschaft. Die Mutter tritt in die in die Partei ein, weil sie hofft, daß dann die publikumsträchtigen Parteiveranstaltungen in ihrer Restauration abgehalten werden. Der Vater stirbt früh, läßt sich in die Gesellschaft nicht einordnen und überlebt nur in schwierigen Wörtern, die der fünfjährige Johann buchstabieren lernt. Walser begründet seiner Biographie zwischen kleinbürgerlichen Untergangsängsten und einem Aufstieg und Ausstieg durchs Künstlertum. Seine fortgesetzte Chronik der Bundesrepublik aus kleinbürgerlicher, provinzieller Perspektive scheint nicht vollständig ohne diesen Roman, den man in Zukunft zuerst lesen muß, wenn man ihn und sein Werk begreifen will - so wie man die Bundesrepublik nicht ohne ihre Herkunft aus dem Dritten Reich verstehen kann. Trotzdem ist "Ein springender Brunnen" kein Roman über die Nazizeit (die titelgebende Zeile " stammt übrigens aus Zarathustras "Nachtlied "Meine Seele ist ein springender Brunnen") Nazis kommen zwar vor, aber so selbstverständlich und selbstbewußt, wie sie damals in Wasserburg agiert haben müssen. Der Nationalsozialismus rückt gewissermaßen in den Hintergrund und erhält dadurch Tiefenschärfe. Es geht nicht um Geschichtsschreibung, sondern um die Rekonstruktion der Gegenwart. Die arbeitet Walser nicht ab sondern erzählt, wie es war. Der Roman ist sentimental, konservativ und sehnsuchtsvoll aber lesenswert, auch wenn Geschichte durch Erinnern immer ein wenig gefärbt wird. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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Ein springender Brunnen: Roman 3518410105
Martin Walser
Suhrkamp Verlag
Ein springender Brunnen: Roman
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Walsers autobiographische Kindheit
Walser, der schon immer autobiographisch geschrieben hat, arbeitet in drei großen Kapiteln in den Jahren 1932/33, 1938 und 1944/45 seine eigene Herkunft in Wasserburg am Bodensee auf. Johann, (also Walser kleiner Junge) muß schon früh mithelfen, Kohlen zu schippen und auszutragen - ein kleiner zusätzlicher Verdienst für die Familie neben der kriselnden Gastwirtschaft. Die Mutter tritt in die in die Partei ein, weil sie hofft, daß dann die publikumsträchtigen Parteiveranstaltungen in ihrer Restauration abgehalten werden. Der Vater stirbt früh, läßt sich in die Gesellschaft nicht einordnen und überlebt nur in schwierigen Wörtern, die der fünfjährige Johann buchstabieren lernt. Walser begründet seiner Biographie zwischen kleinbürgerlichen Untergangsängsten und einem Aufstieg und Ausstieg durchs Künstlertum. Seine fortgesetzte Chronik der Bundesrepublik aus kleinbürgerlicher, provinzieller Perspektive scheint nicht vollständig ohne diesen Roman, den man in Zukunft zuerst lesen muß, wenn man ihn und sein Werk begreifen will - so wie man die Bundesrepublik nicht ohne ihre Herkunft aus dem Dritten Reich verstehen kann. Trotzdem ist "Ein springender Brunnen" kein Roman über die Nazizeit (die titelgebende Zeile " stammt übrigens aus Zarathustras "Nachtlied "Meine Seele ist ein springender Brunnen") Nazis kommen zwar vor, aber so selbstverständlich und selbstbewußt, wie sie damals in Wasserburg agiert haben müssen. Der Nationalsozialismus rückt gewissermaßen in den Hintergrund und erhält dadurch Tiefenschärfe. Es geht nicht um Geschichtsschreibung, sondern um die Rekonstruktion der Gegenwart. Die arbeitet Walser nicht ab sondern erzählt, wie es war. Der Roman ist sentimental, konservativ und sehnsuchtsvoll aber lesenswert, auch wenn Geschichte durch Erinnern immer ein wenig gefärbt wird. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
anonymous
28. August 1999
- Insgesamt:
5

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