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Wie man den kleinen Blender aus dem Dornröschenschlaf weckt...,
23. Juli 2009
Rezension bezieht sich auf: Philips SA 2940 GoGear Spark Tragbarer MP3-Player 4 GB (USB 2.0) (Elektronik)
Der Philips SA 2940/02 GoGear Spark gehört zu jener Sorte von Geräten, die mich traurig bis wütend machen. Traurig, weil nicht viel dazu fehlt, ein richtig gutes Produkt zu sein. Wütend, weil man den Eindruck hat, dass es bei Philips nicht am technischen Können sondern an der Einstellung zu ihren Produkten und Kunden mangelt. So bleibt das Produkt meist kurz vor Ziellinie stehen, weil die Funktionen zwar vorhanden, aber mangelhaft umgesetzt, nicht ausreichend beschrieben sind oder sich einfach einer intuitiven Benutzung entziehen. Gerade deshalb ist der Philips eher das Gegenteil statt einer Alternative zum iPod. Wenn man mir erzählt hätte, dass in Eindhoven auf neun pfiffige Ingenieure ein verbitterter, kundenhassender Saboteur kommt - nach der ausführlichen Analyse dieses MP3-Spieler würde ich es glauben. Da ich aber mit Amazon und Audible gute Erfahrungen gemacht habe, möchte ich hier die Erkenntnisse weitergeben, die ich in vierwöchiger Beschäftigung erarbeitet habe.
Habe den Philips SA 2940/02 GoGear Spark gratis zu meinem Audible-Abonnement, einem Hörbuch-Download-Angebot erhalten. Eigentlich hatte ich schon MP3-Spieler und MP3-fähige Geräte für jeden Anlass, aber geschenkt und wegen des kopiergeschützten Audible-Formats habe ich das Gerät gerne genommen. Tatsächlich erscheint mir der Philips für Audible-Hörbücher auch sehr geeignet, noch geeignet für sonstige Hörbücher. Aber leider UNGEEIGNET IN DER AUSGELIEFERTEN VERSION.
Schon beim ersten Blick offenbart sich der Philips als Blender in vielerlei Hinsicht. Denn auf das Optische hat man großen Wert gelegt: eine edle (und nicht billige) Verpackung und ein hippes Äußeres des Gerätes selbst. Leider aber ging Eleganz vor Nutzen: Das silbern verspiegelte Farbdisplay sieht toll aus, lässt sich aber nur bei gedämpftem Licht ausreichend ablesen. Man muss schon ein Schattenplätzchen suchen, um auf dem sonst guten Display etwas zu erkennen. Wie das langfristig aussieht, weiß ich noch nicht, denn das verspiegelte Display ist gleichzeitig die zentrale Tastenwippe. Und wegen der Wölbung und der abgerundeten Seiten ist auch mit Schutzfolie nichts zu wollen.
Kein Problem habe ich damit, dass man Billigkopfhörer beipackt. Schließlich steht es dem Kunden frei, einen besseren Hörer aus dem Zubehörangebot zu wählen. Da ist es mir persönlich lieber, wenn der Hersteller nur ein Alibi-Ohrhörer für wenige Cents beipackt als einen für wenige Euros, der dann doch durch "was Richtiges" ersetzt wird.
Die Fortsetzungsfunktion-Funktion ("RESUME") fehlt...
... ist der erste (nicht ganz) falsche Eindruck, den man bei der Nutzung gewinnt. Tatsächlich aber ist die Funktion vorhanden, auch wenn der Kunde dazu erst selbst suchen und tüffeln muss. Leider spart Philips nämlich an der Servicequalität, was ich auch bei anderen Philips-Produkten schon beobachtet habe: Ein ausführlicheres Handbuch und eine besser gepflegte Webseite würden dem Kunden eine Menge Probleme ersparen. So ist die von Audible beworbene Lesezeichen-Funktionalität erst nach einem Firmware-Update verfügbar. Blöd nur, dass die Webseite nur eine wesentlich ältere Firmware offeriert, obwohl der installierbare Gerätemanager die neue Version aufspielt (zum Glück bei mir ohne angedrohte Löschung der ganzen Hörbücher). Für Audible-Dateien ist der MP3-Spieler nach dem Firmware-Update sehr empfehlenswert: Lesezeichen werden hörbuchbezogen und automatisch abgespeichert. Man kann also in mehreren Hörbüchern "gleichzeitig" hören. Daneben noch den Kapitelsprung in beide Richtungen und eine sehr gute Spulfunktion für Audible-Dateien, die ohne Beschränkung kontinuierlich schneller wird.
Schade, dass die Komfortfunktionen für Audible nicht in ähnlicher Weise für MP3 vorhanden sind. Erst recht, weil ein Mangel, den anderen umso schwerzlicher macht. Denn immer dann, wenn man beim Philips eine Fallgrube umgehen möchte, stürzt man in die nächste. Das macht den Philips für Hörspiele und Hörbücher im MP3-Format für den normalen Kunden ungeeignet.
Da die Lesezeichenfunktion vom Audible-Format bei MP3s fehlt, wäre das schnelle Spulen in langen Hörbüchern eine Hilfe. Doch bei MP3 wird die Vorspulfunktion nicht in gleicher Weise schneller und es dauert eine halbe Ewigkeit, um zur fünfzigsten Minute zu spulen. Zum Glück hilft ein Fortschrittsbalken.
Aber für MP3s existiert doch eine Funktion zur Fortsetzung der Wiedergabe an der alten Stelle, auch wenn diese nicht beschrieben und nicht benutzerfreundlich realisert ist. Dummerweise nämlich nur dann, wenn man den Spieler während der laufenden Wiedergabe ausschaltet und nicht, wenn man vorher auf Pause drückt. Bloß das ist der häufigere Fall, wenn die kleine Hörpause doch länger geworden ist und sich der MP3-Spieler selbst ausschaltet. Und da der Philips beim Herunterfahren und Neustarten seine Zeit braucht, wird man das Ausschalten nicht für die vermeintlich kurze Pause nutzen und öfter in diese Falle tappen. Und wehe, man bleibt beim Starten nicht dabei, weil der Einschaltvorgang länger dauert als bei anderen MP3-Spielern. Denn der Philips startet in der Pausen-Stellung, Vergisst man gleich zu starten, schlägt die automatische Abschaltung zu und weg ist die gemerkte Position.
Hörbücher in Einzelstücken ...
... könnten eine Alternative sein, um das lästige Problem mit der Fortsetzungsfunktion-Funktion zu vermeiden. Schließlich merkt sich der MP3-Spieler das zuletzt gehörte Stück. Und er bringt auch die nützliche Funktion mit, über Stückegrenzen hinweg spulen zu können. Vom Anfang eines Kapitels kann man so an das Ende des vorherigen Stückes gelangen, was nicht viele MP3-Spieler können. Doch um den Philips in dieser Weise nutzen zu können, muss man wiederum erst die Bedienmängel des Gerätes ergründen.
Abspielreihenfolge und Playlisten
Denn bei MP3-Dateien gibt es viele Möglichkeiten, eine Abspielreihenfolge festzulegen: die physische Dateireihenfolge im Verzeichnis, den Dateinamen, das ID3-Tag am Anfang (Version 2.x), das ID3-Tag am Ende (Version 1.x). Und innerhalb der ID3-Tags wiederum die Felder für Titel oder Tracknummer. Das ist zugegebenermaßen eine Herausforderung, aber so verzwickt wie bei Philips habe ich es noch nie gesehen. So kommt es, dass die Abspielreihenfolge bei Philips GoGear für die meisten nicht nachvollziehbar ist. Und weil niemand bei Philips die Kunden zu mögen scheint, variiert man die Abspielreihenfolge je nach Navigation und bleibt in der Bedienungsanleitung so allgemein, dass man die Aussage nur versteht, wenn man es vorher schon verstanden hat. Und da Philips keine Playlisten in üblichen Formaten importieren will und nur ein Pseudo namens "on-the-go" liefert, welches man auf dem Player manuell zusammenbasteln darf, steht der Kunde dumm da.
Navigiert man über die Dateistruktur, ist es noch verhältnismäßig einfach, weil die alphabetische Reihenfolge des Dateinamens greift. Navigiert man hingegen über die Album, Interpret oder Genre nennt Philips die Sortierung "Albumabfolge" und meint damit offenkundig die im ID3 enthaltene Tracknummer. Böse Falle, denn diese Tracknummer ist bei vielen vorproduzierten MP3s ungesetzt und wird beim Rippen von Hörbüchern (über EAC oder Audiograbber), die über mehrere CDs gehen, nur CD-weise gesetzt.
Abhilfe schafft hier der Einsatz eines ID3-Editors wie ID3TagIT oder MP3Tag, um die MP3 sinnvoll zu nummerieren und auch andere leere Einträge zu setzen. Auch ist es notwendig, die Album-Titel eindeutig zu setzen, da hierüber ja navigiert wird. Sinnvoll auch ein Cover-Bild (jpg-Format, nicht unnötig groß) zu integrieren, welches der Philips dann als Hintergrund anzeigt, während das entsprechende Stück spielt.
Zusammenfassung
++ Sehr gute Eignung für audible-Hörbücher (nach Firmware-Update)
++ Sehr lange Laufzeit
++ Sehr gutes Display (im Schatten)
++ Bislang keine Abstürze oder unverträgliche MP3s gehabt
+ Gute Eignung für MP3-Hörbücher (nach Setzen der ID3-Tags)
+ Ausreichende Lautstärke
+ Guter Klang (mit besseren Kopfhörern)
- Nur als MTP-Gerät ansprechbar und nicht als USB-Massenspeicher
- deshalb nur mit Windowssoftware bespielbar (z.B. nicht am USB-Port des Autoradios)
- Langsam beim Upload (max. 2,5 MB/sec)
-- Philips-Kundenservice mit erheblichen Schwächen
-- Erst mit viel Kundenaufwand vernünftig nutzbar
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