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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Klaus Kordons Lebensgeschichte Band 2: Etwas zu viel Guido Knopp und zu wenig Günter Grass!, 27. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Auf der Sonnenseite: Roman (Gebundene Ausgabe)
Manfred Lenz, der alter ego von Klaus Kordon, ist zurück! Dem Leser bereits bekannt aus "Krokodil im Nacken", findet Lenz' Lebensgeschichte nun seine Fortsetzung in "Auf der Sonnenseite". Leider ist es wie mit vielen Fortsetzungen erfolgreicher Erstlinge: Die Erwartungen sind hoch und werden auch dieses Mal leider nicht voll erfüllt.

Im ersten Kapitel stellt Kordon kurz und knapp die Anknüpfpunkte zu "Krokodil im Nacken" her: Nach gescheiterter Republikflucht sitzen Manfred Lenz und seine Frau Hannah in Isolationshaft im Stasiknast Berlin-Hohenschönhausen. Ihre Kinder befinden sich in der Obhut der Staatsmacht. Monatelanger Ungewissheit folgt die Verurteilung zu einer mehrjährigen Zuchtshausstrafe, schließlich die Abschiebung in die BRD. Nach weiteren 12 Monaten dürfen auch die Kinder zu den Eltern in den Westen ausreisen. Wie im Zeitraffer werden diese Ereignisse auf kaum 30 Seiten abgespult und führen bereits vor, worin die Schwäche dieses Romans liegt: Eigentlich ist "Auf der Sonnenseite" gar kein Roman, sondern vielmehr erzählte Zeitgeschichte.

So erlebt, beobachtet und kommentiert Lenz die Zeit der sozialliberalen Koalition, den deutschen Herbst um den RAF-Terrorismus, schließlich den Niedergang der DDR und die friedliche Revolution. Das ist alles spannend und durchaus kurzweilig erzählt. Ein wirklicher Roman ist es allerdings nicht. Dazu wird das vor dem Hintergrund dieser Geschehnisse stattfindende Leben von Lenz und seiner Familie zu beiläufig erzählt, spielt eine zu untergeordnete Rolle. Nur in Nebensätzen erfährt der Leser von beruflichen Veränderungen, vom Abitur der Kinder und deren Auszug, davon wie Lenz und Hannah zurück in ihr Berlin ziehen und dort dann den Mauerfall erleben. Manfred Lenz dient dabei dem Autor nur als Paar Augen und zugleich Sprachrohr um das eigene Erleben der Zeitgeschichte zu artikulieren.

Klaus Kordon läßt die Zeiten Revue passieren und arbeitet dabei spannende Themen auf: Er sieht die BRD der 70er Jahre durch die Brille des aus der DDR ausgewiesenen Neubürgers. Er erlebt entgeistert die heimliche Unterstützung des RAF Terrorismus durch das Frankfurter Intellektuellenmilieu. Er schildert sein Unbehagen, wenn er als "Deutscher" durch die Welt reist und mal von französischen Kindern mit der Geste eines Maschinengewehrschützen begrüßt, mal von einem Rumänen mit dem Satz "Hitler gut" verabschiedet wird. Er schildert sein Dienstreisen zu Kongressen, bei denen er auf DDR Bürger trifft. Schließlich die Erlebnisse des Jahres 1989.

Lenz teilt dabei mit seinem Erschaffer Klaus Kordon nicht nur Geburtsjahr und Geburtsort. Waren die Geschehnisse in "Krokodil im Nacken" schon weitesgehend autobiographisch geprägt, ist davon auszugehen, dass auch "Auf der Sonnenseite" fest im Lebensweg des Autors verwurzelt sein dürfte.

Kordon ist ein sehr erfolgreicher Jugendbuchautor. Mit "Krokodil im Nacken" gelang Kordon ein sehr gelungener Aufbruch über die Grenzen der Jugendliteratur hinaus. "Auf der Sonnenseite" landet allerdings eher zwischen allen Stühlen: Für ein Jugendbuch zu detail- und faktenreich ist es für einen "Erwachsenen-Roman" zu sehr auf zeithistorische Erläuterungen ausgelegt. Kurzgesagt: Zuviel Guido Knopp, zu wenig Günter Grass.

"Auf der Sonnenseite" endet im Jahr 1989 und umfasst somit die Jahre von Manfred Lenz in der alten Bundesrepublik. Es bleibt zu vermuten, dass den Leser ein dritter Teil zu Lenz Lebensweg im vereinten Deutschland erwarten wird. Bleibt zu hoffen, dass Kordon bis dahin die Stärken von "Krokodil im Nacken" wiederentdeckt und die Romanfiguren stärker in den Fokus seiner Erzählkunst rückt.

Zusammenfassend zwar ein kurzweiliges Buch aber nicht heranreichend an "Krokodil im Nacken".
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Kommentare


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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 01.02.2012 07:28:18 GMT+01:00
Bienchen meint:
Sie geben treffend meine Eindrücke wieder. Auch ich finde, dass die Geschichte um Manfred Lenz und seine Familie, etwas was mich gerade so bei "Krokodil im Nacken" begeisterte, zu sehr an den Rand gestellt wurde. Eigentlich schade, wollte einen Roman lesen und nicht eine politische Abfassung.
Gruß
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