Kundenrezension

32 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bedrückend genial & auch nach 100 Jahren aktuell, 8. April 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: Psychologie der Massen (Gebundene Ausgabe)
Wie oft liest man Bücher, deren Texte 100 Jahre alt sind, und verliert dennoch jedes Zeitgefühl, da die Aussagen des Autors nach wie vor brandaktuell sind!?

Gustave Le Bon gehört zu den ganz großen Denkern, der seiner Zeit voraus war. Was die Historiker erst nach Jahrzehnten klar sahen, war für den herausragenden Intellekt Le Bons Gegenstand seiner Überlegungen, Erkenntnisse aber auch Sorgen:

1. Der Wandel alter Werte und Gesellschaftsstrukturen vor dem Hintergrund der Aufklärung sowie stärker werdenden demokratischer und sozialistischer Strömungen
2. Die Macht der (Menschen-) Massen und deren Eigenschaften
3. Die Einflussfaktoren der Handlungsweisen von Massen aus psychologischer Sicht

So hat Le Bon beispielsweise keine Zweifel, dass der Sozialismus und dessen hehren Versprechungen an der Realität zerchellen werden. Demutsvoll kann der Leser hier nur sein Haupt vor soviel Weitsicht neigen.

Le Bon ist jedoch aus vielerlei Sicht sehr interessant:

1. Weil sein Werk den großen Diktatoren des 20. Jahrhunderst angeblich als Vorbild diente
2. Weil Le Bon nicht wusste, wie sich das 20. Jahrhundert entwickeln würde, aber treffende Aussagen macht (siehe Sozialismus oben)
3. Weil wir leicht verständlich in die Grundzüge der Massenpsychologie eingeführt werden
4. Und weil sich die hochmodernen und aktuellen Aussagen in Le Bons zeitlichen Bezugsrahmen bewegen. Was er als Rasse bezeichnet, wurden wir heute als ethnische Gruppe titulieren. Seine zeitgemäße Abwertung der Frau (z.B. weibisch=unlogisch=hysterisch=emotional, irrational, etc.) lässt die Augenbrau heben. Doch ist hier der Leser gefordert, sich zu vergegenwärtigen, zu welcher Zeit dieses Werk entstand.

Tief beeindruckt war ich jedoch vom Kapitel V des zweiten Buches mit der Überschrift "Unterricht und Erziehung". Ich darf hier zitieren: "...psycholigischer Grundirrtum, sich einzubilden, die Intelligenz entwickle sich durch Auswendiglernen von Lehrbüchern. ...mit dem Inhalt von Büchern voll zu stopfen, ohne jemals sein Urteil und seine Entschlusskraft zu üben."
Wer fühlt sich da nicht an die eigene Schulzeit erinnert. Abseits des Bezuges zum Dritten Reich, den wir allein durch den Buchumschlag schon herstellen, empfand ich Le Bons sehr moderne Sichtweisen zu den Misständen im Unterricht und der Erziehung sehr bedrückend, da sich unser Schulsystem in 100 Jahren scheinbar nicht substantiell weiterentwickelt hat....

Nun gut, jedenfalls kann man/ich dieses Werk von Gustave Le Bon nur wärmstens weiterempfehlen. Es ist einfach zu lesen, gut verständlich, genial und bedrückend aktuell - und das nach 100 Jahren! Fünf Sterne!
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 01.06.2013 13:00:30 GMT+02:00
Nun ja, was bringt uns Le Bon Neues ? Wer Sigmund Freud gelesen hat, der viel tiefgründiger über organisierte Masssenneurose geschrieben hat, der liest hier nichts neu Gedachtes.

Veröffentlicht am 28.06.2013 01:26:00 GMT+02:00
Stephanie Ott meint:
"Wie oft liest man Bücher, deren Texte 100 Jahre alt sind, und verliert dennoch jedes Zeitgefühl, da die Aussagen des Autors nach wie vor brandaktuell sind!?"
Ständig.
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