Kundenrezension

3.0 von 5 Sternen Skandalöse Amouren im Hause Habsburg, 27. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Skandalöse Amouren im Hause Habsburg (Gebundene Ausgabe)
INHALT:
Es werden sechs Liebesgeschichten von Mitgliedern des Hauses Habsburg behandelt, die in ihrer Zeit für Aufsehen sorgten, da sie nicht standesgemäss waren.

MEINE MEINUNG:
Die erste Geschichte von Isabella und Marie Christine hat mich enttäuscht. Da war sehr wenig Fleisch am Knochen (ist auch recht schwierig, da die arme Isabella nur 22 Jahre alt geworden ist, aber es hat mich trotzdem gestört, diese Geschichte auf 40 Seiten seziert zu sehen.) Dieselben Sätze wurden zum Strecken fast wortwörtlich mehrmals in unterschiedlichen Kapiteln wiederholt (z.B. dass sich die beiden Frauen bereits vor dem ersten Treffen zu einander hingezogen fühlten. Dazu fielen mir Nachlässigkeiten des Korrektorats, die ich in einem so schön aufgemachten Buch doppelt stören. (z.B. Seite 29, Zeile 6). Abgesehen von diesen "technischen" Details hat mich die Geschichte doch berührt, v.a. die Todessehnsucht Isabellas.
Der Gehalt der zweiten Liebesgeschichte von Marie-Louise und ihrem leicht entzündbaren Herz hat mir da schon besser gefallen. Die Entwicklung von einem jungen Mädchen, das sich allem fügt, zu einer selbstbewussten Frau, die für ihre Interessen kämpft wird sehr schön veranschaulicht.
Leider bin ich aber auch wieder über unschöne Details gestolpert. z.B. steht auf Seite 70 in einem Absatz 2x praktisch derselbe Satz: (dass sich Hofdame Montebello verabschiedet hatte).
Wie schwierig es war, um die riesige Kluft des Standesunterschiedes zu überwinden, wird in der dritten Liebesgeschichte zwischen Erzherzog Johann und Anna Plochl sehr eindrücklich gezeigt. Dies ist endlich einmal eine Geschichte mit Happy End und Erzherzog Johann ein aufgeklärter, moderner Habsburger.
In der vierten Geschichte von Erzherzog Heinrich und Leopoldine Hofmann haben mich die Folgen der Heirat ohne kaiserliche Bewilligung beeindruckt. Sie bringen das Selbstverständnis des Herrschers sehr gut zum Ausdruck. Und zum ersten Mal bin ich auf so etwas wie Humor im Text gestossen: "Lichtjahre von der Thronfolge entfernt". Das hat mir gefallen. Tragisch ist allerdings das Ende dieser Liebe.
Der vielseitig begabte, "aufmüpfige" Erzherzog Johann der fünften Geschichte wurde mir je länger desto unsympathischer. Wie er seine Freundin behandelte, wirft meines Erachtens kein sehr vorteilhaftes Licht auf seinen Charakter.
Ich störte mich auch am Erzählton. Beispiel: Seite 170: "In dieser Situation handelte er jedoch wie ein Mann." Die Geisteshaltung, die hinter diesem Satz steckt, scheint mir reichlich antiquiert (allerdings passt sie gut zur verknöcherten, reaktionären Kaiserfamilie). Wessen Stimme ist das? Diejenige der Autorin? Diejenige einer nicht näher bezeichneten Sekundärquelle? Hier (und auch an weiteren Stellen) fehlt mir eindeutig die kritische Distanz.
Interessant und sehr spannend finde ich den Schluss der fünften Geschichte. Man spürt, wie die Vergangenheit ihre Arme in die Gegenwart ausstreckt. :-)
Die Porträts, Bilder und die Fotografien gefallen mir sehr gut. Sie machen die einzelnen Persönlichkeiten lebendiger. Es wird einem richtig bewusst, dass es hier um reale Schicksale geht.

FAZIT:
"Kaiser Franz Joseph hat zu lange gelebt, zu lange regiert" Diesen Satz habe ich - sinngemäss - in einem Buch über Staatsmänner des Weltkrieges gelesen, das 1929 erschienen ist. Er scheint mir nach der Lektüre von "Skandalöse Amouren im Hause Habsburg" sehr zutreffend zu sein. Dieser Mann scheint den Bezug zur Realität mit den Jahren völlig verloren zu haben. Anders kann ich mir seine Reaktionen in den den diversen Geschichten nicht erklären.
Erzherzog Leopolds Leben zum Beispiel wäre sicherlich vollkommen anders verlaufen, wenn er damals die Zustimmung zur Heirat mit seiner (hochadeligen!) Jugendliebe bekommen hätte. Auch die spätere Einweisung in eine geschlossene Anstalt zeigt nur, wie hinfällig das ganze System gewesen ist. Nach dem ersten Weltkrieg hat die Moderne endgültig Einzug gehalten und die Mitglieder des Hauses Habsburg wurden zu dem, was sie auch heute noch sind: Mitglieder einer Familie, die dank ihrer Vergangenheit noch immer wie exotische Insekten unter dem Vergrösserungsglas der Presse betrachtet, bestaunt und belächelt werden.
Wie hat mir denn nun das Buch gefallen? Es war leichte, seichte Unterhaltung. Den Erzählton fand ich teilweise nicht angebracht, das hab ich bereits erwähnt. Die sieben Geschichten stützen sich zum grossen Teil auf Sekundärliteratur, die primären Quellen verleihen dem Ganzen Originalität und Charme. Die Abbildungen haben mir gut gefallen. Gewünscht hätte ich mir einen Stammbaum, der etwas Übersichtlichkeit in die vielen Leopolds, Heinrichs, Johanns, Marias, Louises etc. gebracht hätte.
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