Kundenrezension

18 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen David G. geht tanzen, 4. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Psychic (Audio CD)
Das muss natürlich nicht jeden erwischen. Mancher schrammt vielleicht aus reiner Ignoranz an „Psychic“ vorbei – nicht wissen, nicht hören, geht auch. Aber wer sich schon früh am Morgen mit der Platte verkabelt und noch am Abend von ihr in die Träume helfen lässt, der dürfte den beiden Jungs von Darkside zweifelsfrei auf den Leim gegangen sein. Und warum das Ganze? Nun, Nicolas Jaar und Dave Harrington ist es mit diesem Album gelungen, der dunklen Seite das Tanzen beizubringen und sie machen das verdammt clever. Dabei war der Schritt gar kein so großer mehr, schon vor Monaten hatten sich die beiden auf sehr besondere Weise des Erfolgsalbums „Random Access Memories“ von Daft Punk angenommen und es gleichsam komplett in schwarze Farbe getaucht – nun also das erste eigene Opus.

Und sie lassen sich Zeit. Knappe fünf Minuten braucht der Beat bei „Golden Arrow“, um sich durch die knackenden, knirschenden Geräusche und Störfrequenzen zu arbeiten; was anfangs noch orientierungslos umherirrt, wird später einem schleppenden Rhythmus und dem wundervollen Gitarrenpicking Harringtons an die Seite gezwungen – Jaar begleitet den Kampf mit dem sirenenhaften Gesang eines Todesengels, von nun an kann‘s abwärts gehen. Natürlich sind, bei allem Getöse um das Projekt, die Ingredienzien nicht eben neu, man muss nicht sonderlich beschlagen sein, um David Gilmour und das charakteristische Klangbild seiner Band als Paten herauszuhören, wer’s weniger psychedelisch mag, ersetze Gilmour durch Knopfler und ist auch noch auf der sicheren Seite. Clever, wie gesagt.

Auch für das famose „Paper Trails“ gibt es einen so offenkundigen Zwilling, dass man sich Sorgen um die Streitkasse der Jungen machen muss: Wer den „Bakerman“ von Laid Back gern etwas schattiger intoniert wünscht, ist bei Darkside genau richtig, und da die beiden Dänen wirklich nur noch sporadisch in Erscheinung treten, kann einem dieses Stück als Ersatz nur Recht sein. Ansonsten bleibt es verhangen, düster, im FadeOut von „Freak, Go Home“ ein kurzer Anflug von Industrial, „Greek Light“ – metaphorisch, meine Herren? – röchelt an der Beatmungsmaschine. Jaar und Harrington haben ja kürzlich zu verstehen gegeben, dass sie als Band für die nächsten zwanzig Jahre planen, man wird sehen, wie sie diese zu füllen gedenken. Für den Augenblick ist ihnen jedenfalls eine kleine Meisterleistung gelungen. mapambulo:blog
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