newseasonhw2015 Hier klicken mrp_family lagercrantz Cloud Drive Photos WHDsFly Learn More praktisch Siemens Shop Kindle Shop Kindle Sparpaket Autorip
Kundenrezension

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Alte-Musik-Vergnügen in zwei Abschnitten, 25. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Messias (Audio CD)
Georg Philipp Telemann (1681 - 1767): Der Messias. TWV 6:4a/b auf einen Text von Fr. Gottl. Klopstock. Partie TWV 44:42 in a-moll für 2 Blockflöten, 2 Oboen, 2 Violinen und Basso continuo (Fagott, Violoncello, Violone, Cembalo); Sonate TWV 44:11 in F-Dur für 2 Violinen, 2 Bratschen und Basso continuo (Violoncello, Violone, Orgel); Concerto TWV 43: Es in Es-Dur für Streicher (2 Violinen und Bratsche) und Basso continuo (Fagott, Violoncello, Violone, Cembalo). Ausführende: Veronika Winter, Sopran; Marion Eckstein, Alt; Jan Kobow, Tenor; Klaus Mertens, Bass; Telemannisches Collegium Michaelstein, Ltg. Ludger Rémy. Aufgenommen im September 2001 und Januar 2002 in der Bartholomäuskirche, Blankenburg/Harz. Veröffentlicht 2003 bei cpo als cpo 999 847-2. Gesamtspielzeit: 57'36".

Wenn Prof. Dr. Alberts Recht hat, bin ich ein Experte. Schön für mich. Bin ich aber nicht, kann nicht einmal Noten lesen. Genießer bin ich aber schon, vor allem dann, wenn es, wie hier, um herrlichste Barockmusik oder um die Frühklassik geht, ebenfalls um technisch hochklassige CD-Aufnahmen. Vielleicht sollte das hier an erster Stelle stehen: Dies ist eine absolut untadelige Tonaufnahme in äußerst natürlicher, angenehmer Kirchenakustik; die Stimmen sind äußerst deutlich eingefangen, die Instrumente sehr realistisch im Raum platziert - rein technisch ein Hörvergnügen der besonderen Art, das meines Erachtens der audiophilen Qualität beispielsweise der Aufnahmen von Dabringhaus und Grimm in nichts nachsteht.

Das Programm will vermutlich im Gesamtzusammenhang der Telemann-Reihe bei cpo verstanden werden. Es geht hier darum, Repertoirelücken zu schließen. Der 1759 vom 78jährigen Telemann uraufgeführte "Messias" nach Texten von Klopstock hat wahrhaftig wenig mit Händels gleichnamigem Werk gemeinsam (obwohl es auch hier einen "Halleluja-Chorus" gibt - siehe Tr. 11 ab etwa 3:15). Telemann war im 18. Jahrhundert in Deutschland musikalisch tonangebend und beteiligte sich wie selbstverständlich am allgemeinen kulturellen Leben, auch an literarischen Diskussionen. Klopstock war zu dieser Zeit, als Goethe noch ein Kind war und man die Ergüsse eines Gottsched über sich ergehen lassen musste, die neue Hoffnung am Poetenhimmel, zugleich ein ausgesprochener Befürworter der neuen "Empfindsamkeit". Da lag es für den bis ins hohe Alter unbändig kreative Telemann nahe, zumindest einige Abschnitte aus dessen "magnum opus", dem "Messias", zu vertonen. Ob die Texte heute, im 21. Jahrhundert, gefallen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Jedenfalls hat Telemann mit seiner Kombination aus französischem und italienischem Musikgeschmack dafür gesorgt, dass man sich diesen Texten in einem sehr wohlklingenden Rahmen aussetzen kann - ohne dass das etwas holprige Metrum das Vergnügen trübt. Eine großartige Leistung.

Da aber der "Messias" nur etwa eine halbe Stunde dauert, fügt Ludger Rémy drei Orchesterstücke hinzu, die der junge Telemann in seiner ersten Schaffensphase zu Papier gebracht hat. Rémy hat sie aus Manuskript-Quellen zusammengestellt und erweitert somit das erhältliche Telemann-Repertoire um drei wertvolle, aber eindeutig dem Barock zuzuordnenden Werke des Meisters. Telemann hat bekanntlich eine enorme Anzahl solcher Werke produziert, und niemand wird behaupten, diese gehörten zu den "besten", doch sehr angenehm anzuhören sind sie allemal, zumal in dieser superben Klangqualität. Allerdings muss man festhalten, dass der stilistische Unterschied zwischen den beiden Hälften der CD sehr groß ist: der reife Telemann war eben weit mehr als ein barocker Vielschreiber.

Beim "Messias" sind es die Solistenstimmen, die hauptsächlich beeindrucken können. Von den vier Sängern bzw. Sängerinnen war mir bisher nur Marion Eckstein nicht bekannt. Als Altstimme hat sie es in unserer vom Countertenor dominierten Alte-Musik-Welt nicht leicht, doch hat sie offenbar Qualitäten, die sie aus der Masse hervorheben. Hier harmoniert sie hervorragend mit der wie üblich tadellosen Veronika Winter, und da, wo beide im Duett singen, sollte man entspannt, aber ganz genau hinhören, das ist ein Musizieren, das einem zeigen kann, warum solche Musik in ihrer Entstehungszeit so hoch eingeschätzt wurde - das hat wirklich etwas von Sphärenklängen an sich. Die beiden Männerstimmen, Jan Kobow und Klaus Mertens, haben beide einen so guten Ruf, das es sich von selbst versteht, dass ihre Beiträge von Atem beraubender Klarheit und Schönheit sind. - Die orchestralen Stücke sind, wie man es vom Dirigenten Ludger Rémy gewohnt ist, sehr gut geraten, freilich ohne das letzte "Aha-Erlebnis" auszulösen - mein persönliches, subjektives Empfinden besagt, dass es Ensembles gibt, die dieser Musik etwas mehr Spannung abgewinnen, sie "rhetorisch" etwas mehr auf die Spitze treiben könnten. Das ist jedoch eine Sache der persönlichen Vorlieben, und ich empfehle allen Barock- und Telemannfans, sich diese Aufnahme unbedingt selbst anzuhören.

Vielleicht werden Sie dann für die Sponsoren, die solche Aufnahmen ermöglichen, sogar dankbar sein!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

Schreiben Sie als erste Person zu dieser Rezension einen Kommentar.

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 


Details

Artikel

Rezensentin / Rezensent


Ort: Selsingen, Lower Saxony

Top-Rezensenten Rang: 20.333