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Kundenrezension

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Abrechnung, 20. September 2013
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Rezension bezieht sich auf: Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden (Kindle Edition)
Klaus Berger bezeichnet sein Buch als einen "Aufschrei" und "planctus Germaniae" (Klage Germaniens) gegen die Verirrungen der deutschen Exegeten. Er rechnet mit seiner Zunft ab. Von dieser streitbaren und emotionalen Grundintention ist die Darstellungsform zu verstehen. Sie ist weniger systematisch als kompilatorisch angelegt, eignet sich daher zum Nachschlagen einzelner Punkte. Zum reich gegliederten Inhaltsverzeichnis kommen im Text noch weitere Unterüberschriften hinzu.
Bergers Kritik an der Exegese ist detailliert, an den Exegeten jedoch pauschal, insofern man nur wenige Namen erfährt. Sie beschränkt sich auf den deutschen Sprachraum.

Bergers Stil ist eigenwillig, kommt dem Verstehenswunsch des Lesers nicht unbedingt entgegen. Er gibt teilweise seinen eigenen theologischen Gedankenimpulsen nach, ohne sich darum zu kümmern, ob sich der Leser auf seiner jeweiligen Gedankenebene bewegen kann. Daher bekommt das Werk notwendigerweise eine subjektive Note mit Überlegungen, mit denen man sich nicht immer anfreunden kann.
Aus den Ausführungen des Autors wird deutlich, daß die geheimen Steuerungskräfte einer sich verirrenden Exegese aus dem Überlegenheitsdünkel, dem Neid und dem Rechtfertigungsbedürfnis des Protestantismus gegenüber der katholischen Kirche entspringen (S.213, 220). Aus Luthers "Freiheit eines Christenmenschen" und der "sola scriptura" machte man zwei zusammenpassende Zündungskabel. Letzteres Prinzip verstand man als Ermächtigung, den Ursprungsworten der neutestamentlichen Autoren kriminalistisch (S.15, 92) auf die Spur zu kommen, ihnen von einer überlegenen Warte des Bewußtseins ihre wahre Bedeutung zu geben, die den einfältigen Menschen vieler Jahrhunderte zuvor offenbar verborgen blieben.
Natürlich ist Klaus Berger auch Exeget von eigenen Gnaden. Er leugnet nicht die Existenz von Teufel und Dämonen, denen eine personale Natur zukomme (S.182), aber die Dämonen, die Jesus aus besessenen Menschen austrieb, seien "Totengeister" (S.22f, 25), was immer auch darunter zu verstehen sein mag.

Das erste Kapitel von I. Hinführung ist betitelt "Alles Lug und Trug". Gemeint ist die Auffassung radikaler Bibelkritik. Wenn nun tatsächlich nichts mehr vom Glauben früherer Generationen übrig bleibt, kann man die Bedeutung auch umkehren. Statt daß ich mir die vielen Uminterpretationen mit ihren Begründungen als neue Wahrheiten mühsam merke, glaube ich das als Wahrheit, was die Autoren der NT aussagen wollten, und bezeichne meinerseits die Prämissen der gemeinten Exegeten als "Lug und Trug". Ich besitze "Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament", stattliche 10 Bände. Von den Autoren Joachim Gnilka (Matthäus), Rudolf Pesch (Markus), Heinz Schürmann (Lukas, unvollständig) und Rudolf Schnackenburg (Johannes) flößt nur Schürmann Vertrauen ein. Diese Autoren verfügen über enorme Fachkenntnisse, aber sie haben so gut wie keine Ahnung von Textanalyse und Erzählerhaltung. Die Persönlichkeiten der Evangelisten sind lediglich abstrakte Größen. Die Prämissen der exegetischen Urteile sind entweder von vorne herein unreflektiert oder, wenn reflektiert, nicht weiter hinterfragte Axiome. Einzelerklärungen ergehen sich teilweise ins Uferlose, ohne am Ende an ein Prinzip rückgebunden zu werden.

Teil III seines Buches nennt Berger "Exegese der Zukunft". Ich konnte für mich leider nicht viel Substantielles finden. Mit zwei übergeordneten Gesichtspunkten, die mir wichtig erscheinen, hat er sich überhaupt nicht auseinandergesetzt, a) mit der Bedeutung des Alten Testaments und b) mit der Gemeinschaft der Kirche und ihrem gelebten Glauben durch die Jahrhunderte.
a) Mir ist nicht bekannt, daß die Exegeten, die vom christlichen Glauben nichts mehr übriggelassen haben, mit dem Alten Testament ähnlich verfahren wären. Nun ist aber das Alte Testament die Grundlage für das Leben und die Lehre Jesu sowie des Glaubensbewußtseins seiner Jünger und aller zeitgenössischen Juden. Man sollte demnach keinem Exegeten etwas glauben, der sich nicht über die religiöse Wirklichkeit des Alten Testaments eine klare Vorstellung gebildet hat.

b) Die katholischen Exegeten nach dem zweiten Weltkrieg witterten Morgenluft. Endlich konnten sie nach Herzenslust Exegese betreiben und meinten, diese als echte Wissenschaft erweisen zu können, wenn sie bei Null anfingen, also die Glaubenslehre außer Acht ließen. Die Diskrepanz zwischen ihren Ergebnissen und dem gelebten Glauben der Jahrhunderte mit dem Glaubensbekenntnis als Grundlage schien sie keineswegs zu beunruhigen. Sie kamen in ihrem wissenschaftlichen Stolz gar nicht auf den Gedanken, daß, wenn ihre Ergebnisse von der Glaubenslehre abwichen, es daran liegen konnte, daß sie methodische Fehler begingen. Daß es ein definierbares Verhältnis zwischen Exegese und Glaubenslehre geben müsse, schoben sie einfach beiseite. Sie ignorierten, daß unzählige Menschen in die Nachfolge Jesu getreten waren und durch ein aufopferungsvolles Leben ein Vorbild der Heiligkeit gegeben hatten. Sie blieben beim "Wanderprediger" stehen und fanden nicht den Anschluß an die Gegenwart der Kirche, dessen Haupt der auferstandene Christus ist. Die Exegese der Zukunft kann also nur darin bestehen, sowohl die Wirklichkeit des alttestamentlichen Glaubens als auch die christliche Glaubenslehre als wissenschaftliche Grundlage zu erschließen und exegetische Fragestellungen an sie rückzubinden.

Von protestantischer Exegese ist kein Gesamtkonzept zu erwarten. Sie hängt kirchenhistorisch gesehen in der Luft. Sie muß mit drei Bällen jonglieren, der Zeit vor Luther und der Zeit nach Luther in der eigenen Kirchengeschichte und der lateinischen Kirche. Klaus Berger hält ihre Vorherrschaft für beendet.
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A. Rieble
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