Kundenrezension

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wirklich so gut?, 12. Dezember 2013
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Rezension bezieht sich auf: Die Begründung der Welt: Wie wir finden, wonach wir suchen (Broschiert)
mas - Der Verfasser gliedert das Buch in zwei Teile: Im Ersten begründet er die Plausibilität der Existenz Gottes. Ein Gott, der seinem Wesen nach gleichzeitig liebend und gerecht sein muss. Der zweite Teil widmet sich der Glaubwürdigkeit und Plausibilität des christlichen Glaubens, da sich dieser unter allen Weltanschauungen/-religionen am besten mit den Voraussetzungen aus Teil 1 deckt. Kotulla behandelt dabei die Fragen der Trennung von Gott, der Schuldfrage, dem Leben und Werk Jesu Christi und des Christwerdens und –seins.
Zwei Gedanken scheinen dem Buch die Leitplanken zu geben: 1. Die Erklärung von Leid und Schuld in der Welt und 2. die Vereinbarkeit von Gottes Liebe und Gerechtigkeit für die Lösung des Leid- und Schuldproblems. Im Hintergrund steckt offensichtlich das persönliche Schicksal des Verfassers, das ihn primär selber vor diese Fragen gestellt hat (9-12).

Zur kritischen Beurteilung sei die Unterscheidung zwischen einem Urteil auf dem Hintergrund der anvisierten Leserschaft (an Existenzfragen interessierte Personen) und einer theologisch-inhaltlichen Bewertung des Buches eingeführt. Für die intendierten Leser hat die Publikation im zweiten Teil einen zeitsensiblen Zugang zum christlichen Glauben. Theologische Begrifflichkeiten werden einfach und verständlich „übersetzt“ und erklärt. Das Buch hat hier seinen Schwerpunkt und seine Schlagkraft (v.a. Kap. 7 & 9). Der erste Teil mag dagegen wohl eher nur diejenigen überzeugen, die bereits von der Existenz Gottes ausgehen bzw. für diese offen sind. Der „Gottesbeweis“, den Kotulla ausführt, beruht weniger auf Plausibilität oder Logik (wie er es postuliert), sondern vielmehr auf Emotionalität (vgl. besonders 26.75.90-94). Der scheinbar wissenschaftliche Zugang ist für eine gebildete Leserschaft eher befremdend. Hieran schliesst sich die theologisch-inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Buch. Der Verf. gibt zwar vor konfessionsunabhängig argumentierten zu wollen, was ihm in einem und vor allem wesentlichen Punkt nicht gelingt: Die Voraussetzung des freien Willens (begründet in einer spezifischen Definition von Liebe; vgl. 87-89.209f.) ist bei weitem kein Konsens des christlichen Glaubens (gegen 88). Kotulla rückt hier nah an Pelagius (ca. 350-420 n. Chr.) an. Mit ihm verneint er die völlige Verderbtheit der menschlichen Natur (145-149). Entsprechend spricht Kotulla nur von „Rest-Schuld“ des Menschen (163) und einer spezifischen Art und Weise, wie der Mensch sich für das Heil bemühen kann – wenn auch nicht hinlänglich (161-163.203-205). Insgesamt verstrickt sich der Verf. in einige Punkte, denen er jedoch ausweicht: Das Grundkonzept von Gottes Liebe und Gerechtigkeit besagt nach ihm, dass Gott aus Liebe vergeben möchte und die Möglichkeit dazu ein Leben lang offen hält (97), gleichzeitig jedoch aber irgendwann (früher oder später) gerecht richten muss (82.145.162). Nicht geklärt wird, ob es gerecht ist, dass Gottes Liebe demnach irgendwann der strafenden Gerechtigkeit Platz geben wird? Der freie Wille führt Kotulla zudem zu Aussagen, dass diese Welt für eine Entscheidung für oder gegen Gott notwendig ist (92.210). Dies stellt vor das grosse theologiegeschichtliche Problem, ob dann auch der Sündenfall notwendig gewesen sein muss? Schliesslich wird auch die Frage nach Teufel und Hölle vollkommen ausgeblendet! Vermutlich liessen sich diese Punkte „vernünftig“ in das Konzept des Verfassers eingliedern. Dies zeigt jedoch den grundlegenden und fraglichen Charakter des Autors und des Buches an: Dem ganzen theologischen Setting haftet ein gewisser Grad von „Machbarkeit“ und „Alles-im-Griff-Haben-Wollen“ an: Nicht zuletzt sieht man dies a) in den Endzeitansichten (die zukünftige Zerstörung der Klagemauer ist der Beginn der Trübsal! Vgl. 222), b) dem menschlichen Heiligungsdrang, den Kotulla betont (208), und schliesslich c) den unzähligen und bald störenden Verweisen wie „im Laufe des Buches“ oder „im folgenden/späteren Kapitel“ (erstmals auf 15!).

Das Buch gibt für interessierte philosophische und theologische Denker und Leser zwar einige gute Anstösse und Vergleiche (v.a. Kap. 6-7.9), doch die Vergleiche mit B. Pascal, C.S. Lewis und allenfalls N.T. Wright scheinen mir auf dem Hintergrund der obigen Beurteilung etwas fraglich. Die existenziellen Fragen (die Leitgedanken) scheinen erstmals geklärt. Ich frage mich, ob der Verf. das Buch nicht zu früh publiziert hat?
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 15.12.2013 20:33:01 GMT+01:00
Rep22 meint:
Die Kritik kann ich nur sehr bedingt teilen.

Zitat: „Der erste Teil [des Buches] mag dagegen wohl eher nur diejenigen überzeugen, die […] für [die Existenz Gottes] offen sind.“

Was ist daran zu kritisieren? Ist es nicht sogar eine notwendige Voraussetzung, die Möglichkeit der Existenz Gottes zumindest in Betracht zu ziehen, wenn man nach Antworten auf die großen Lebensfragen sucht?

Zitat: „Der ‚Gottesbeweis‘, den Kotulla ausführt, beruht weniger auf Plausibilität oder Logik (wie er es postuliert), sondern vielmehr auf Emotionalität (vgl. 26.75.90.94).“

Diese Beurteilung wundert mich. Erstens ist nirgends von einem „Gottesbeweis“ die Rede, sondern nur von Indizien oder Hinweisen. Zweitens empfinde ich Kapitel 1, das die Frage nach der Existenz oder Nicht-Existenz Gottes schwerpunktmäßig behandelt, als sehr rational und nicht emotional formuliert. Und drittens hat der Autor nirgends postuliert, dass seine Herangehensweise an die Gottes-Frage ausschließlich rational sei. Im Gegenteil: Auf Seite 11, vorletzter Absatz, schreibt der Autor explizit, dass sein Buch rationale und emotionale Elemente enthalte.

Zitat: „[Der Autor] verneint die völlige Verderbtheit der menschlichen Natur.“

Der Autor schreibt richtigerweise, dass Menschen, die auf ihr Gewissen hören, auch Gutes vollbringen können. Gleichzeitig schreibt der Autor, dass kein Mensch aus eigener Kraft vollkommen gut sein kann, sondern dass sich alle Menschen immer wieder lieblos oder ungerecht verhalten (und dadurch schuldig machen). Er bezeichnet dies zwar nicht als (völlige) Verderbtheit, sondern als Zerbrochenheit, Hartherzigkeit oder Schuldigkeit. Da mir das Menschenbild des Autors realistisch erscheint (siehe v.a. Seite 145-149), sehe ich darin aber kein Problem.

Zitat: „Kotulla spricht nur von einer ‚Rest-Schuld‘ des Menschen.“

Wenn ich den Autor und die Argumentation in Kapitel 8 richtig verstehe, dann bezieht sich diese Aussage lediglich auf die Betrachtung der Schuldfrage aus weltlicher Perspektiver. Aus göttlicher Perspektive kann die menschliche Schuld gegenüber Gott natürlich nicht durch weltliche Gerichte abgegolten werden. Meiner Meinung nach wird dies in den späteren Kapiteln deutlich.

Zitat: „Nicht geklärt wird, ob es gerecht ist, dass Gottes Liebe demnach irgendwann der strafenden Gerechtigkeit [Gottes] Platz geben wird?“

Was gibt es daran zu klären? Natürlich ist es gerecht, wenn Gerechtigkeit Platz gegeben wird.

Zitat: „Dies stellt vor das große theologiegeschichtliche Problem, ob dann auch der Sündenfall notwendig gewesen sein muss.“

Meines Erachtens wird diese Frage in Kapitel 4 (v.a. Seite 89-92) und Kapitel 7 (v.a. Seite 129-131) indirekt zu beantworten versucht.

Zitat: „Schließlich wird auch die Frage nach [dem] Teufel […] vollkommen ausgeblendet!“

Das ist nicht richtig. Das Thema wird behandelt in Kapitel 4 (Seite 90 unten) und Kapitel 7 (v.a. Seite 130-132, dabei insbesondere Fußnote 35, sowie Seite 142, v.a. Fußnote 38).

Ich finde das Buch auf jeden Fall lesenswert. Ich bin mir nicht sicher, ob die genannten Kritikpunkte eine Bewertung mit nur 2 Sternen rechtfertigen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.12.2013 17:07:09 GMT+01:00
mas meint:
Allgemein als Entgegnung:
Mir geht es in erster Linie um keine "wörtlichen", sondern um inhaltlich-theologische Lücken. Daher "Gottesbeweis" in Anführungs- und Schlusszeichen. De facto handelt es sich um einen Gottesbeweis! Kotulla spricht von Hinweis, Indiz oder Tatsache (vgl. 46)! Ebenso die Frage nach Satan/Teufel.

Zwei Punkte scheinen ferner missverstanden bzw. nicht verstanden: 1. Setzt man Gottes "vollkommene" Liebe voraus, muss man klären, warum Gott seine Gerechtigkeit am Ende triumphieren lässt. D.h.: Sobald Gott das "Endgericht" durchführt, muss seine Liebe schweigen. Am Ende ist Gott nur noch vollkommen gerecht (zumindest für die einen, die sich nicht "freiwillig" für ihn entschieden habne).
2. Die Hauptkritik gilt Kotullas Drang nach einem abgeschlossenen Systems, das sehr "menschelt". Es scheint keine Spannungen ertragen zu können. Er verfolgt einen spiritualistisch-enthusiastischen Ansatz. Gott wird bei ihm zu klein bzw. in den Griff genommen (irgendwie frag ich mich, ob das zweite Gebot (kein Bildnis) missachtet worden ist). (hierzu gehört v.a. die Einseitigkeit in Sache "freier Wille". Scheinbar ist ja dieser unbestritten im Christentum. Übrigens: Sollte es keinen "freien Willen" geben, stürzt Kotullas ganzes System).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.12.2013 21:16:04 GMT+01:00
Rep22 meint:
Zitat: „De facto handelt es sich um einen Gottesbeweis! Kotulla spricht von Hinweis, Indiz oder Tatsache (vgl. 46)! Ebenso die Frage nach Satan/Teufel.“

Auf Seite 46 schreibt Kotulla, dass es seines Erachtens „letztlich zweitrangig“ sei, ob man seine Ausführungen als „Hinweis, Indiz oder Tatsache“ bezeichnet. Er selbst spricht im weiteren Verlauf des Buches ausschließlich von „Hinweisen“ und „Indizien“ und verwendet zudem den Konjunktiv („es könnte als Indiz gewertet werden“). Doch wir sollten hier jetzt nicht in Haarspalterei abgleiten. Anders als von Ihnen dargestellt, wird das Thema Teufel in Kotullas Buch jedenfalls nicht „de facto“ „vollkommen ausgeblendet“ (siehe meinen vorherigen Kommentar).

Zitat: „Setzt man Gottes ‚vollkommene‘ Liebe voraus, muss man klären, warum Gott seine Gerechtigkeit am Ende triumphieren lässt. D.h.: Sobald Gott das ‚Endgericht‘ durchführt, muss seine Liebe schweigen. Am Ende ist Gott nur noch vollkommen gerecht (zumindest für die einen, die sich nicht ‚freiwillig‘ für ihn entschieden haben).“

Das sehe ich nicht so. Gottes vollkommene Liebe ist prinzipiell ewiglich. Doch da Liebe nicht erzwingbar ist, kann sie nur für jene Menschen Realität werden, die sie annehmen. Das heißt: Ein mögliches „Endgericht“ steht meines Erachtens nicht im Widerspruch zu Gottes vollkommener Liebe, solange jeder Mensch die faire Chance bekommt, sich für oder gegen diese Liebe zu entscheiden (siehe Seite 212-214). Ein Ausbleiben des Endgerichts stünde hingegen im Widerspruch zur vollkommenen Gerechtigkeit Gottes. Ob Kotulla diese Überlegungen bedacht hat, kann ich nicht sagen. Meiner Meinung nach lässt Kapitel 10 dies aber vermuten.

Zitat: „Die Hauptkritik gilt Kotullas Drang nach einem abgeschlossenen Systems […]. Sollte es keinen ‚freien Willen‘ geben, stürzt Kotullas ganzes System.“

Ehrlich gesagt finde ich es nicht ungewöhnlich, dass Autoren versuchen, innerhalb eines bestimmten Systems zu argumentieren. Ob Kotulla Anspruch auf ein „abgeschlossenes System“ erhebt, kann ich nicht beurteilen. Seine oft eher vorsichtigen Formulierungen („Hinweis“, „Indiz“, Konjunktive) sprechen für mich eher dagegen. Ja, ohne einen „freien Willen“ stürzt Kotullas Argumentation in sich zusammen. Aber erstens empfinde ich seine Argumente für die Willensfreiheit als recht plausibel. Zweitens scheint der Glaube an eine gewisse Willensfreiheit biblisch fundiert zu sein (siehe z.B. Philemon 14, Römer 15,27). Und drittens würde ohne einen freien Willen nicht nur Kotullas Argumentation, sondern jedes menschliche Argumentieren und Handeln sowie der Glaube an einen liebevollen Gott in sich zusammenstürzen. Zugegebenermaßen herrscht unter Theologen trotzdem alles andere als Konsens in Bezug auf dieses Thema. In diesem Punkt stimme ich Ihnen zu: Kotulla hätte auf den theologischen Diskurs zu diesem Thema stärker hinweisen sollen.
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