Kundenrezension

11 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Boss einmal etwas anders, aber wie immer grandios!, 26. Januar 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Working on a Dream (Audio CD)
Leichte Überarbeitung meiner Rezension vom 26. Januar 2009:
Wir schreiben das Jahr 2009 - die 70er Jahre sind also vorbei. Das sollte allen bewusst sein, die vom Boss immer wieder Alben wie Born to Run oder Darkness erwarten und zwangsläufig enttäuscht werden müssen. Auch die frühen 80er, die den kommerziellen Durchbruch brachten, sind lange vorbei. Und jetzt: Es gibt nur ganz wenige Musiker, die mit der Zeit gegangen sind, sowohl textlich als auch musikalisch. Bruce Springsteen gehört eindeutig dazu und wer würde es ihm als fast 60 Jährigem abnehmen, wenn er heute noch einen Song wie Born to Run aufnehmen würde? Und aus diesem Grund ist Working genau das richtige Album zur richtigen Zeit. Ja, es ist poppiger als Vergangenes, aber muss es dann gleich auch schlechter sein?

Ich bin von Working absolut begeistert. Selten hat man vom Boss so romantische Songs wie Queen of the Supermarket oder Kingdom of Days gehört. Dass er das Rocken nicht verlernt hat, beweist eindrucksvoll Lucky Day.

Selbst das auf den ersten Blick etwas verwirrende Cover passt wie die Faust aufs Auge, wenn man sich die Platte mal angehört hat. Und die vor allem - auch von mir - bei Magic so heftig kritisierte Produktion von Brendan OŽBrien? Diesmal passt auch die! Wir haben es hier mit Songs zu tun, die auch aus den 60er Jahren stammen könnten und daher passt der Phil-Spector-Sound diesmal hundertprozentig. Und außerdem wollte der Boss höchstpersönlich, dass die Songs genau so klingen, dass das Feeling der 60er rüberkommt. OŽBrien hat letztlich nur den Feinschliff gemacht. Für die Produktion gibt es volle Punktzahl. Und noch etwas: Selten ist mir der Bass von Garry so aufgefallen wie bei diesem Album, es befinden sich etliche hervorragende Bass-Linien auf dem Album, dafür könnte es etwas mehr von Clarence Saxophon geben.

Zu den einzelnen Songs.

Outlaw Pete: Ein fantastischer Song, bei dem allerdings die Streicher sehr nach Kiss I was made for loving you" klingen. Aber sonst: Tempowechsel, Gitarrensolo, Harmonica wie bei Ennio Morricone, alles drin, was es für eine große Hymne braucht. Etwas deplatziert finde ich den Song nur als ersten auf der Scheibe. Da hätte meines Erachtens Lucky Day hin gehört. Und Pete mit Jungleland zu vergleichen ist auch unangebracht. Das einzige, was die beiden Songs gemeinsam haben, ist, dass sie beide so lange sind (exakt 8 Minuten). 9 von 10 Punkten.

Lucky Day: Grandioser Rocker mit immer wieder der gleichen simplen Melodielinie, aber genial dargeboten (das hat ja auch schon den Erfolg von Born in the USA ausgemacht). 9/10

Working on a Dream: Toller Titeltrack mit eingängiger Melodie. Irgendwie typischer Springsteen-Song dieser Zeit, lediglich das Fade-Out kommt etwas zu früh und das Gepfeife wäre besser eine Mundharmonika oder ein Saxophon. 8/10

Queen of the Supermarket: Bei den Fans der wohl umstrittenste Song. Für mich einer der besten Songs des Albums. Kitschig-poppig mit wunderschöner Melodie und bei der Bridge Harmoniegesänge von Patti, die geradezu aus den 60ern stammen könnten. Der Text ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber ich bewerte mal nur die Musik. 9/10

What Love can do: Kurzer brucetypischer Rocker mit coolem Bass. Solide! 7/10

This Life: Auch sehr romantisch und wegen mir auch schmalzig, aber dennoch wunderschön und das Sax-Solo zum Schluss erinnert ein wenig an Bobby Jean. 9/10

Good Eye: Ein Blues-Rocker durchs Bullett-Microphon. Müsste live gut rüberkommen. Bass erinnert an Spare Parts. Der Song wirkt etwas deplatziert auf dem Album, unterstreicht aber die Vielseitigkeit des Boss auch auf diesem Album. 8/10

Tomorrow never knows: Leider etwas kurzer aber dafür um so schönerer Country-Song mit nettem Text. 9/10

Life Itself: Musste ich ein paar mal hören, wurde aber dann besser mit gutem Text und vielen Gitarren, ohne dadurch sehr rockig zu werden. Für mich aber nach wie vor der schwächste Song auf dem Album. 5/10

Kingdom of Days: Erinnert zum Teil sehr an Queen, also auch wieder sehr viele Streicher, sehr romantisch, sehr 60er Jahre, aber auch sehr schön mit tollem Gitarrensolo und schönem Harmoniegesang. 9/10

Surprise: Ein echter 60er Jahre Pop-Song mit zugegeben belanglosem Text, Song könnte auch von den Beatles sein. Dürfte live für tolle Stimmung sorgen. 8/10

Last Carnival: Für Danny, sehr einfühlsam, leider sehr kurz. 9/10

The Wrestler: Der Bonus-Track nur Bruce mit Gitarre und eindrucksvoller Stimme, hätte auch auf Devils and Dust gut gepasst. Toller Song, toller Text, typischer Boss des neuen Jahrtausends. 9/10

Es könnte allerdings Probleme geben, gerade die mit Streichern untersetzten Songs live rüber zu bringen und gerade live entfalten sich die Songs vom Boss ja regelmäßig erst so richtig. Bin gespannt, ob er Songs wie Outlaw Pete, Queen oder Kingdom auch wirklich live spielt. Bei der letzten Tour hat er zum Ende auch Girls in their Summer Clothes weggelassen, weil der Funke live eben nicht so überspringen wollte.

Noch ein Satz zur DVD: In etwas mehr als 30 Minuten werden Szenen aus den Sessions gezeigt. Sehr interessant zu sehen, dass Bruce bei allem und jedem der Boss ist. Auf jeden Fall sehenswert. Nur: Bruce sollte unbedingt auf die Wollmütze und das Haarband verzichten.:-)

Zum Packaging der DVD/CD: Sehr schön gemacht, sehr schönes, informatives Booklet, aber was soll der riesige FSK-Aufdruck auf dem Cover? 10% der Größe hätte völlig ausgereicht.

Fazit: Working on a Dream ist ein reifes, romantisches Meisterwerk vom Boss, das man guten Gewissens empfehlen kann. Wer aber bei jeder Veröffentlichung seit Born in the USA eine Scheibe wie eben jene und der alten Sachen" erwartet, sollte sich hinterfragen, ob er wirklich echter Bruce-Fan ist oder eben nur" Born-In-The-USA-Fan. Gesamtbewertung 4 Sterne.
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Kommentare


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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 27.01.2009 11:05:51 GMT+01:00
Thomas Neger meint:
ok, der Vergleich mit den Flippers ist hart und geht mir als Fan auch nur schwer über die Lippen, aber wenn man sich den Text deutsch gesungen vorstellt, dann ist der Weg nicht mehr so weit...
Die unterschiedlichen Geschmäcker bzgl. Bruce's Outputs zeigen sich aber auch bei anderen Alben: ich bin zum Beispiel ein klassischer "E-Street-Fan", d.h. die frühen Alben der 70er und 80er find ich klasse, auch noch die Tunnel of love und den Lucky Town Doppelschlag, aber bei den ziemlich akustischen Solo-Sachen in den 90ern und 2000ern (Tom Joad, Devils, wie auch die frühere Nebraska...) war ich doch sehr skeptisch bzw. die haben mich nicht wirklich überzeugt: war mir etwas zu eintönig und langweilig und zu viel unmelodiöses "Genuschle" wenn auch die Texte top waren! Für diese Äußerungen habe ich harte Kritik einstecken müssen ;-) aber so gefällt jedem das seine und spätestens bei der E-Street kommen doch alle wieder auf Nenner.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.01.2009 18:07:58 GMT+01:00
Tramp69 meint:
Klar, die Sachen aus den 70ern und 80ern sind unerreicht. Auch für mich, nur habe ich aufgehört, jede Bruce-Veröffentlichung mit diesen frühen Sachen zu vergleichen. So sehe ich jedes Album wieder von Neuem, jedes für sich, alles andere wäre unfair. Und selbst die Akustik-Alben finde ich z. B. super, aber wie gesagt, die Geschmäcker sind eben verschieden. Und außerdem: Eigentlich kann man Bruce nur live wirklich bewerten. Es gibt m. E. kaum eine Platte, erst recht nicht die aus den 70ern, die produktionstechnisch mit den Live-Versionen mithalten können.
Im Übrigen finde ich Deine Bewertung von 4 Sternen fast zu gut angesichts der z. T. doch sehr harschen Kritik an einzelnen Songs.:-)
Gruß

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.01.2009 09:53:42 GMT+01:00
Thomas Neger meint:
Stimmt schon, 4 Sterne klingen sehr gut und das ist bei der Song-Einzel-Bewertung eigentlich anders. Ich habe mal meine Einzelberwertungen zusammengerechnet und komme dann auf eine "gute 3". Mit der Bewertung wollte ich zeigen, dass mir das Album etwas besser als Magic gefällt - also von 3 zu 4 - und dass ich unabhängig von den einzelnen Songs als Summe auch den Gesamtcharakter von Working echt gut finde. Besonders zum Beispiel den Abwechslungreichtum. Nach über 20 Jahren Musiksammlerleidenschaft habe ich auch festgestellt, dass Alben, auf denen ich keinen schlechten Song finde manchmal in der Versenkung verschwinden und ich sie nie mehr anhöre, während andere, auf denen mir einige Stücke nicht, andere sehr gut gefallen (also die Platte etwas Besonderes hat) immer wieder in den Player wandern. Und bei Working muss ich sagen, dass ich bei "Carnival" Gänsenhaut bekomme, bei "What love can do" innerlich voll mitgehe und "Life itself" eine Geniestreich ist. Allein diese drei Über-Songs bringen mich zur 4-Sterne-Bewertung, weil sie alle eher schlechteren mehr als vergessen machen und kaum ein Musiker es schafft, 3 solche Perlen auf einem Album zu liefern.
Und ich stimme dir zu: nur live kann Bruce sich wirklich entfalten! Daher sind auch das 80er-Box-Set sowie neuere live-Alben irgendwie besser im Sinne von lebendiger als die Studio-Releases.
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Ort: The Promised Land

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