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Eine Geschichte, die jeder schon mal erlebt hat, 18. März 2006
Rezension bezieht sich auf: Hin und weg. (Taschenbuch)
Manche erleben es in ihren mittleren Jahren, manche früher, manche später, aber erspart bleibt es niemandem. MAN IST BIS AUF DEN TOD VERLIEBT, DOCH DER ANDERE KANN DIESE LIEBE NICHT ERWIDERN. Das ist hart, aber noch viel härter ist, es, wenn einem Menschen dieses Missgeschick in jungen Jahren widerfährt. So wie dem jungen William Harding, der in einer New Yorker Bar die kapriziöse Sarah kennen lernt und sich, ehe er sich versieht, Hals über Kopf in sie verliebt. Das ist seine Pech, denn diese junge Frau ist mit nichts anderem beschäftigt als mit sich selbst, steckt voller Ängste und Komplexe und ist unfähig, sich einem anderen Menschen in Liebe und Vertrauen hinzugeben. William ist zwar auch kein Unschuldslamm, er hat bereits mit seiner ersten Freundin Samantha zwei Abtreibungen verursacht, gilt als notorischer Womanizer und Herumtreiber, doch nun, wo es ihn erwischt hat, setzt er alles auf eine Karte. Und verliert. Was immer er sich auch einfallen lässt, Geschenke, Parisreisen, Parties, Kuscheln – alles prallt an Sarahs autistischer Emotionalität ab. Hau ab! Hau ab! Möchte man dem Protagonisten zurufen: Du kämpfst auf verlorenem Posten. Was verrenkst Du dich bis zur Unkenntlichkeit für einen Menschen, der dich überhaupt nicht als der erkennt, der du bist. Warum hältst du dich nicht an die viel sympathischere und schönere Samantha, die Dich trotz der beiden Abtreibungen noch immer liebt? Aber es ist umsonst. William ist geradezu verhext von der unmöglichen Sarah und wird doch nach einem gerade mal vierwöchigen Auslandsaufenthalt mit einer Kälte abserviert, für die es weder einen Grund noch eine Erklärung gibt. Es folgen Phasen der Wut und Enttäuschung, unterbrochen von Entschuldigungen und Zerknirschung, in denen William sein Telefon zertrümmert, sein Bett aus dem Fenster wirft und sich die Hand bricht, als er in ohnmächtiger Wut auf die Wände eindrischt. Irgendwann aber verlischt auch dieses Feuer, und es ist ein schönes Bild, dass dieses Verlöschen in dem Augenblick beginnt, als William vor Sarahs Fenster die schönsten Verse aus Shakespeares „Romeo und Julia“ rezitiert. Alles in allem eine durch und durch voraussehbare, aber packend und gut erzählte Liebesgeschichte, bei der der eingesprenkelte familiäre Ballast und die zahlreichen biographischen Rückblenden zwar ein wenig stören, die aber am Ende dem Leser wenigstens noch eine griffige „Moral von der Geschicht´“ mit auf den Weg gibt. „Du wachst mitten in der Nacht auf und hast brennenden Durst auf ein Glas Milch,“ erzählt Williams Kumpel Wetter seinem Freund auf S.191 „Du stolperst aus dem Bett, stößt dir im Dunkeln die Zehen, schreist vor Schmerz und humpelst zum Kühlschrank. Du machst ihn auf, und das Licht strahlt hell. Du bist gerettet. Dann faltest Du den Milchkarton auf, atmest tief ein und setzt ihn an die Lippen Aber – irghhh- die Milch ist sauer. Du faltest den Karton zu und stellst ihn in den Kühlschrank. Es ist wieder dunkel. Auf dem Weg zu Deinem leeren kalten Bett denkst du: Moment mal, vielleicht war die Milch gar nicht so schlecht. Also machst du kehrt und gehst zurück zum Kühlschrank. Wieder wärmt dich das Licht. Und wieder nimmst du einen Schluck Und – bäh – sie ist noch immer sauer. Das ist für mich das perfekte Bild für alle Beziehungen, die ich je hatte.“ Wie wahr.
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Hin und weg. 3548245897
Ethan Hawke
Ullstein TB-Vlg., B.
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Eine Geschichte, die jeder schon mal erlebt hat
Manche erleben es in ihren mittleren Jahren, manche früher, manche später, aber erspart bleibt es niemandem. MAN IST BIS AUF DEN TOD VERLIEBT, DOCH DER ANDERE KANN DIESE LIEBE NICHT ERWIDERN. Das ist hart, aber noch viel härter ist, es, wenn einem Menschen dieses Missgeschick in jungen Jahren widerfährt. So wie dem jungen William Harding, der in einer New Yorker Bar die kapriziöse Sarah kennen lernt und sich, ehe er sich versieht, Hals über Kopf in sie verliebt. Das ist seine Pech, denn diese junge Frau ist mit nichts anderem beschäftigt als mit sich selbst, steckt voller Ängste und Komplexe und ist unfähig, sich einem anderen Menschen in Liebe und Vertrauen hinzugeben. William ist zwar auch kein Unschuldslamm, er hat bereits mit seiner ersten Freundin Samantha zwei Abtreibungen verursacht, gilt als notorischer Womanizer und Herumtreiber, doch nun, wo es ihn erwischt hat, setzt er alles auf eine Karte. Und verliert. Was immer er sich auch einfallen lässt, Geschenke, Parisreisen, Parties, Kuscheln – alles prallt an Sarahs autistischer Emotionalität ab. Hau ab! Hau ab! Möchte man dem Protagonisten zurufen: Du kämpfst auf verlorenem Posten. Was verrenkst Du dich bis zur Unkenntlichkeit für einen Menschen, der dich überhaupt nicht als der erkennt, der du bist. Warum hältst du dich nicht an die viel sympathischere und schönere Samantha, die Dich trotz der beiden Abtreibungen noch immer liebt? Aber es ist umsonst. William ist geradezu verhext von der unmöglichen Sarah und wird doch nach einem gerade mal vierwöchigen Auslandsaufenthalt mit einer Kälte abserviert, für die es weder einen Grund noch eine Erklärung gibt. Es folgen Phasen der Wut und Enttäuschung, unterbrochen von Entschuldigungen und Zerknirschung, in denen William sein Telefon zertrümmert, sein Bett aus dem Fenster wirft und sich die Hand bricht, als er in ohnmächtiger Wut auf die Wände eindrischt. Irgendwann aber verlischt auch dieses Feuer, und es ist ein schönes Bild, dass dieses Verlöschen in dem Augenblick beginnt, als William vor Sarahs Fenster die schönsten Verse aus Shakespeares „Romeo und Julia“ rezitiert. Alles in allem eine durch und durch voraussehbare, aber packend und gut erzählte Liebesgeschichte, bei der der eingesprenkelte familiäre Ballast und die zahlreichen biographischen Rückblenden zwar ein wenig stören, die aber am Ende dem Leser wenigstens noch eine griffige „Moral von der Geschicht´“ mit auf den Weg gibt. „Du wachst mitten in der Nacht auf und hast brennenden Durst auf ein Glas Milch,“ erzählt Williams Kumpel Wetter seinem Freund auf S.191 „Du stolperst aus dem Bett, stößt dir im Dunkeln die Zehen, schreist vor Schmerz und humpelst zum Kühlschrank. Du machst ihn auf, und das Licht strahlt hell. Du bist gerettet. Dann faltest Du den Milchkarton auf, atmest tief ein und setzt ihn an die Lippen Aber – irghhh- die Milch ist sauer. Du faltest den Karton zu und stellst ihn in den Kühlschrank. Es ist wieder dunkel. Auf dem Weg zu Deinem leeren kalten Bett denkst du: Moment mal, vielleicht war die Milch gar nicht so schlecht. Also machst du kehrt und gehst zurück zum Kühlschrank. Wieder wärmt dich das Licht. Und wieder nimmst du einen Schluck Und – bäh – sie ist noch immer sauer. Das ist für mich das perfekte Bild für alle Beziehungen, die ich je hatte.“ Wie wahr.
ludwigwitzani
18. März 2006
- Insgesamt:
5

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Ort: Köln
Top-Rezensenten Rang: 217
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