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Kundenrezension

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die bessere Sarrazin?, 3. November 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: Das Ende der Geduld. Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter (Taschenbuch)
Es ist ein kleines, handliches Buch. Aber eines mit großer Wirkung. In der emotional geführten Sarrazin-Debatte ist dieses Buch etwas in Vergessenheit geraten, dabei ist es einer der wichtigsten Beiträge - auch wenn dies gar nicht Kirsten Heisigs Intention war. Wer könnte besser zum Migrations-Thema Stellung nehmen, als eine Jugendrichterin in Neukölln? Das schöne an "Das Ende der Geduld" ist, dass Kirsten Heisig nicht monokausal argumentiert, sondern in den verschiedensten Problemen Ursachen für Kriminalität und soziale Schwierigkeiten sieht: Die fehlende Einhaltung der Schulpflicht und die mangelnde Sanktionierung derselben, der Konsum gewaltverherrlichender Medien, ein zeitlich zu starkes Auseinanderfallen von Tat und Strafe, fehlende finanzielle Ausstattung von Polizei, Justiz und Jugendarbeit. Heisigs Mängelliste ist lang, doch jeder Punkt wird gut und sachlich begründet. Plötzlich wächst beim Leser sogar wieder die Einsicht, wie wichtig und nötig Steuereinnahmen sein können - sofern diese denn auch an den wirklich wichtigen Stellen eingesetzt werden, und nicht für populistische Prestige-Projekte herhalten müssen.

Heisig stellt durchaus drastisch die Gewalttaten dar, mit denen sie es zu tun hat. Hierbei ist zu beachten - worauf Heisig auch hinweist - dass diese Beispiele sicherlich zu einem gewissen Grad repräsentativ für Berlin sind, vielleicht auch noch für weitere Großstädte und Brennpunkte, sicher aber nicht für die ganze Bundesrepublik. Und wenn man jetzt zurecht erschüttert ist über das Ausmaß der Kriminalität, so verrät ein Blick in andere Metropolen wie Paris und London, dass es dort nicht sanfter zugeht, im Gegenteil. Auch Heisig wagt diesen Blick über den Tellerrand - allerdings erstaunlicherweise in Städte wie Glasgow und Oslo. Die eine oder andere interessante Methode zur Kriminalitätsbekämpfung lässt sich von diesen Städten abschauen, doch ein Vergleich mit Berlin hinkt allein schon wegen der verschiedenen Größenordnungen und bezüglich Oslo auch wegen des krassen Wohlstandsunterschieds. Nicht das erhellenste Kapitel des Buchs.

Erhellend dagegen ist, wie direkt Heisigs Problemansprache ist. Die Floskel, jemand nehme kein Blatt vor den Mund, ist so abgenutzt, dass man sie kaum noch hören kann. Doch wenn sie auf jemanden zutrifft, dann auf Kirsten Heisig. Die Amtsrichterin legt sich in 'Das Ende der Geduld' wirklich mit allen an - sie zeigt mit dem Finger auf die mächtigen Clans, die seit Generationen von Sozialleistungen und Kriminalität leben und kritisiert ihre zu ängstlichen staatlichen Widersacher, sie skizziert die Hilflosigkeit naiver Sozialarbeiter und das Desinteresse mancher Richterkollegen an der Wirksamkeit der eigens verhängten Erziehungsmaßnahmen. Sie richtet einen dringenden Appell an die Politik, die verfügbaren Gelder anders zu verteilen und bemängelt die Verharmlosung linksextremer Gewalt. Bei aller Schärfe bleibt Heisig jedoch stets sachlich und glaubwürdig. Man hat den Eindruck, dass es ihr nie um den billigen Effekt geht oder dass die eigene Eitelkeit und Deutungsmacht im Vordergrund stehen könnte. Aufmerksamkeit will sie für ihr inhaltliches Anliegen schaffen, statt ein solches für die eigene Selbstdarstellung zu instrumentalisieren. Das unterscheidet sie von vielen selbst ernannten Meinungsmachern und Talkshow-Landstreichern.

Heisig ist ein Sachbuch geglückt, das den Finger in die Wunde legt und trotz aller Verkaufserfolge noch viel zu wenig Beachtung findet. Auch es ist eines der wenigen juristischen Bücher - sofern man es überhaupt in diese Kategorie einordnen mag -, das den Berufsalltag als wenig glamourös und schwierig darstellt. Damit bildet es einen notwendigen Gegenpunkt zu vielen rechtsdogmatischen Fachaufsätzen, in der große Teile dieser Anwendungswirklichkeit nicht stattfinden. Man kann darüber hinaus nur hoffen, dass dieses kleine Buch vielen Politikern in die Hände fällt und es diese ermutigt, Haushaltsgelder substantiell einzusetzen statt zu populistischen Zwecken, mit der kurzfristig Wahlerfolge sicher gestellt werden sollen. Heisig hat weitaus mehr als "Dienst nach Vorschrift" geleistet. Der beste Beleg dafür ist ihr Buch. Wenn schon sie durch ihren zu frühen Tod ihre Ideen nicht mehr voranbringen kann, so sind ihre Thesen umso mehr eine gesellschaftliche Diskussion wert.
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