Kundenrezension

779 von 838 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der vermeintliche Minuspunkt - die Kameraführung, 8. September 2012
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Rezension bezieht sich auf: Die Tribute von Panem - The Hunger Games [Special Edition] [2 DVDs] (DVD)
Ich möchte mich in dieser Rezension vor allem auf den großen Kritikpunkt vieler anderer Rezensenten beziehen: der technische Stil des Films, insbesondere die Kameraführung bei den Kampfszenen.

Kritisiert wird, dass die Bilder unscharf und verwackelt sind, weil die (Hand)Kamera viel zu schnell schwenkt, sodass der Zuschauer kaum etwas erkennt außer flüchtigen Gesichtern, Waffen, etwas Kunstblut.
Da diese Kampfsznenen nicht nur einen wichtigen, sondern auch einen langen Teil des Films ausmachen, fällt diese Art der Kameraführung tatsächlich als Stilmerkmal auf, vor allem zwischen den anderen, ruhigen Szenen, die oft in Nahaufnahme gefilmt sind.
Mich persönlich hat das beim ersten Ansehen nicht wirklich gestört, aber ich kann nachvollziehen, dass Zuschauer, die einen actionreichen Film erwarten, enttäuscht sind, wenn sie von dieser Action nicht ganz so viel sehen - im wahrsten Wortsinn.
Während als Erklärung von anderen Rezensenten vor allem die FSK genannt wurde - also dass durch diesen Filmstil die gezeigte Gewalt so abgemildert wurde, dass er ab 12 freigegeben werden konnte -, möchte ich auf einen anderen Grund verweisen:

Das zentrale Thema der Geschichte von "The Hunger Games" ist die Inszenierung von Gewalt und der perverse Voyeurismus, mit welchem die Bewohner von Panem die Hungerspiele feiern. Was in unserer Gesellschaft an Fernsehformaten wie dem "Dschungelcamp" oder Real-Life-Sendungen kritisiert wird, die mittlerweile beinahe vollständig die "Wer ist der Vater meines Kindes"-Talkshows im Mittagsprogramm der Privatsender ersetzt haben, hat die Autorin der Trilogie, Suzanne Collins, weitergespinnt. Eine Welt, die sich daran ergötzt, geradezu aufgeilt, zu sehen, dass und wie es anderen Menschen (noch) schlechter geht. In unseren Formaten sind es unterbemittelte Hartz4-Stereotypen oder möchtegern C-Promis - in "The Hunger Games" sind es Kinder und Jugendliche der ärmeren Distrikte, die sich gegenseitig abschlachten.
Gemeinsam haben Fiktion und Realität, wie das alles inszeniert und von den Medien sowohl gefeiert wie auch gleichermaßen lächerlich gemacht wird - und dass man genau damit die Zuschauer erreicht.

Der springende Punkt ist nun, dass die Gesellschaftskritik, die Suzanne Collins in Form ihrer fiktiven Welt und der Protagonistin Katniss ausübt, im Film nur funktioniert, wenn die Gewalt, an der sich alle um Katniss herum aufzugeilen scheinen, eben NICHT inszeniert wird. Der Zuschauer soll sich nicht zurücklehnen und die Action genießen - genauer gesagt die Action, wenn Jugendliche sich gegenseitig aus Verzweiflung auf primitive Art töten -, sondern die Geschichte aus Sicht der Protagonistin sehen - buchstäblich. Erreicht werden sollte das laut dem Director Gary Ross (Making Of der Extra-DVD) mithilfe des sogenannten Cinéma Vérité - ein Dokumentarfilm-Stil, der den Zuschauer nah an das Geschehen heran führen soll, zum Beispiel durch Benutzung von Handkameras und schnellen Bildern. Die bekannteste Verwendung dieses Stilmittels in einem Spielfilm ist laut Wikipedia "The Blairwitch Projct".

Wer also kritisiert, dass in einem Film, dessen Geschichte die mediale Inszenierung von Gewalt und Elend kritisiert, die Gewalt in Form der oft erwähnten Kampfszenen nicht nach Art "Hollywood" detailiert und am besten noch in Zeitlupe und aus allen Perspektiven dargestellt wird, hat den Kern meiner Meinung nach nicht verstanden und sollte vielleicht besser zu richtigen Actionfilmen greifen. Denn "The Hunger Games" ist trotz der vielen Action und Stunts mehr Drama und Dystopie.

Da ich diesen Kommentar in Form einer Rezension mit höchster Bewertung verfasst habe, möchte ich abschließend sagen, dass ich die Übersetzung Buch-zu-Film sehr gelungen finde. Vor allem die schauspielerische Leistung von Jennifer Lawrence und die liebevollen Details am Set, beispielsweise das Essen und die Stylings im Kapitol, machen aus dem ersten Roman der Trilogie einen Film, den ich mir auch gerne ansehe, obwohl ich die Bücher seit ihrer Erstveröffentlichung kenne und längst eigene Bilder im Kopf hatte, bevor über eine Verfilmung überhaupt gesprochen wurde.
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Kommentare

Von 4 Kunden verfolgt

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1-10 von 35 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 09.09.2012 15:29:02 GMT+02:00
Mirko85 meint:
Top auf den Punkt gebracht!!!

Veröffentlicht am 11.09.2012 18:36:25 GMT+02:00
Paul Peters meint:
Sehr sehr sehr gute Kritik! Da hat das Lesen richtig Spaß gemacht! Und ich stimme Ihnen mit jedem einzelnen Wort zu.

Veröffentlicht am 14.09.2012 09:07:56 GMT+02:00
Die Argumentation ist logisch und schlüssig. Allerdings muss ich auch für MICH PERSÖNLICH eines dagegen halten: Die verwackelten Bilder und die Schnitte haben bei mir im Kino hauptsächlich eines bewirkt: Mir wurde schwummrig und übel (und nein, mit meinen 28 Jahren bin ich die heutigen Sehgewohnheiten durchaus gewöhnt). Ich glaube auch nicht, dass der Film viel von seiner Aussagekraft verlieren würde, wäre die Kameraführung gemäßigter und mehr aus der Totalen gezeigt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.09.2012 10:47:09 GMT+02:00
Setanta meint:
Vielen Dank für diesen durchdachten und sehr überzeugend argumentierenden Kommentar! Er liest sich interessant und ist schlüssig.

Vielleicht habe ich ein Detail übersehen, aber es sind doch Jugendliche aus allen Distrikten, welche an den Spielen teilnehmen, nicht allein jene aus den ärmeren?

Die angesprochene Kameraführung hat meinen Kinobesuch zumindest nicht beeinträchtigt. Generell fand ich den Film handwerklich gut gemacht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.09.2012 08:37:55 GMT+02:00
Mirko85 meint:
Nein, Sie haben nichts übersehen. Es werden Jugendliche aus allen 12 Distrikten zu den Spielen gezwungen (Ich denke, das meinte S. Maier auch mit den "ärmeren Distrikten").

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.09.2012 20:40:29 GMT+02:00
Es sind alle Distrikte arm und unterdrückt. Der 13. Distrikt wurde zur Abschreckung ausgelöscht. (das ist aber nicht im Film)

Veröffentlicht am 28.09.2012 20:42:37 GMT+02:00
Sehr gut auf den Punkt gebracht. Ich habe den Film vor einiger Zeit - mit ein paar Jugendlichen - im Kino gesehen. Diese hatten diese "wacklige Kameraführung" ebenfalls kritisiert. Und das zeigt, wie verdammt nah wir schon an den HungerGames sind. Toll, dass diese Rezension hier steht und so viel positive Rückmeldung bekommt und schon bekommen hat.

Veröffentlicht am 29.10.2012 15:15:52 GMT+01:00
Kati meint:
Super Kommentar! Dem ist rein garnichts hinzu zufügen. VIELEN DANK dafür!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.11.2012 13:32:50 GMT+01:00
S. Maier meint:
Danke!

Und ja, es sind natürlich Jugendliche aus allen Distrikten. Was ich meinte, war, dass die Jugendlichen aus den (ärmeren) Distrikten und nicht aus dem (reichen) Kapitol stammen.

Veröffentlicht am 06.11.2012 18:50:38 GMT+01:00
Holzfällen meint:
Das ist eine der intelligentesten Rezessionen, die ich bislang auf Amazon gelesen habe.
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