Kundenrezension

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4.0 von 5 Sternen Ergänzung zur Rezension von Riyad Salhi, 7. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Töne der Angst: Die Musik im Horrorfilm (Broschiert)
Ich möchte diese sehr gute Rezension mit ein paar Gedanken ergänzen. Das Buch ist im Ganzen eine große Leistung und bei dem spärlich beleuchteten Thema (auf Deutsch sowieso) für jeden unentbehrlich, der sich nur ansatzweise damit beschäftigt. Entgegen der Meinung von Herrn Salhi denke ich, dass es in Form von Filmmusik-Fans doch eine beträchtliche Gruppe gibt, die sich genau dafür - nämlich sowohl für die in Filmen auftauchenden Formen der Neuen Musik, als auch für Horrorfilme - interessiert. Für die dürfte eher der theoretische Zugang und die deutsche Sprache ein Hindernis darstellen, da diese Gemeinschaft international und nicht unbedingt akademisch geprägt ist.

Hentschel bestimmt seinen Schwerpunkt als Untersuchung der 1970er-Jahre-Horrorfilme. Er begründet das darin, dass diese paradigmatische Zeit des Horrorfilms auch eine paradigmatische Art der Filmmusik und des Sounddesigns hervorgebracht hat. Die Beschreibung dieses Feldes ist auch die Stärke des Buchs und findet ziemlich fokussiert statt.

Er geht allerdings auch noch darüber hinaus mit der Beschreibung von Motiven, die nicht unbedingt explizit dieser Periode zuzurechnen sind. Wo er es für wichtig hält, beschreibt Hentschel diese in mehreren Exkursen (die zum Sound empfinde ich z.B. eher als überblicksartig und analytisch nicht immer so stark, Ausnahme ist ein sehr guter Beitrag zum 1978er 'Body Snatchers'). Ein wenig entsteht hier der Eindruck, dass somit Horrorfilmmusik flächendeckender abgearbeitet werden soll, als es der ursprüngliche Fokus des Buches nahelegt.

Und hier kann ein einzelnes Buch natürlich keinen kompletten Überblick liefern. Mein Vorrezensent beklagt das Fehlen späterer Komponisten wie Howard Shore und Christopher Young, die gut in den Fokus des Buches gepasst hätten. Ich persönlich finde das (implizite, soweit ich weiß) Ausklammern nichtenglischsprachigen Kinos eher bedauernswert (eine kleine Ausnahme ist 'Profondo Rosso'). Schon ein Blick ins sehr umfangreiche europäische Exploitationkino der gleichen Zeit zeigt eine filmmusikalische Reichhaltigkeit, die sich noch einmal gehörig von den besprochenen Filmen abhebt. Diese Reichhaltigkeit wird ein bisschen abgetan in einer Fußnote zu Dario Argento, der wegen seiner 'speziellen, autorenbedingten Methode' (die alte Leier der Ästhetisierung von Gewalt) nicht behandelt werden könne. - Ganz zu schweigen vom Rest der Welt, was ist zum Beispiel mit der wichtigen japanischen Horrorfilmtradition samt ihrer Musik? Wie gesagt, natürlich würde das den Rahmen gehörig sprengen, aber so ganz klar gemacht wird hier meiner Erinnerung nach diese Ausklammerung nicht.

Persönlich ziemlich daneben empfand ich den Rundumschlag gegen Religion im Allgemeinen im Kapitel zu geistlicher- und Chormusik, speziell in der Diskussion zum Film 'God Told Me To'. Ich selbst bin Christ, kann mich aber wohl auf eine kritische Diskussion von Religion einlassen. Doch ich musste schon schlucken bei Satzanfängen wie z.B. diesem: "Obwohl die christliche Religion ein irrationaler Wunderglaube ist wie jeder andere..." (S. 150). Ich finde, hier mischt sich die privaten Haltung des Autors auf unangenehme Weise und in einem unangemessenen Tonfall ein - im Rahmen eines wissenschaftlichen Zugangs, der ansonsten eingehalten wird, hat so etwas, auch in diesem Umfang, nichts verloren.
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