Kundenrezension

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannend, fundiert und unglaublich bewegend!, 11. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Gebundene Ausgabe)
"Schon wieder so ein Besserwisser" war mein Gedanke, als ich das Buch geschenkt bekam. Dann lag es erst einmal ein halbes Jahr bei mir rum.

Um das Buch zu beginnen, braucht man wirklich Ausdauer. Sedlacek holt nämlich aus, ganz weit aus,... geht bis zu Christus zurück, noch vor die Antike zurück - Bis zur ersten schriftlichen Überlieferung: Gilgamesch. Oh je, was hat das jetzt mit Ökonomie zu tun?

Sedlaceks Buch ist weniger ein volkswirtschaftliches, es ist eher wirtschaftsphilosophisch. Aber wer ist heute schon philosophisch, gerade in der Zeit von Markowitz und Bloomberg? Passt denn das noch? Ja! Absolut! Wie Edzard Reuter auf dem Buchrücken indossiert "...höchste Zeit, dass die Ökonomie wieder vom Kopf auf die Füße gestellt wird". Und Recht hat er!

Während des Lesens kam mir immer wieder der Gedanke, was das denn jetzt alles mit "Gut und Böse" zu tun hat? Ja gut, da ist die Morallehre der Bibel und andere Überlieferungen. Doch die Antwort wird dem Leser erst allmählich klar, je weiter er vordringt. Sedlacek führt den Leser ganz langsam - und mit historischen Belegen - an die Fragestellung heran. Er benutzt dazu auch das Höhlengleichnis von Platon: Demnach sehen wir Menschen heute auf die Ökonomie nicht mit den richtigen Augen. Und zwar: Die Fragestellung, doch zu erklären, was uns antreibt, was gesellschaftliches Leben bestimmt (oder bestimmen sollte), wie wir uns gesellschaftlich organisieren, miteinander auskommen, all diese Fragen sind so alt wie die Menschheit selbst. Darum geht es. Frei nach dem - ebenfalls zitierten platonschen Höhlengleichnis - sehen wir die Dinge genau so, wie unsere Augen sie uns erklären. Doch ist das Erklärungsmodell für die Ökonomie heute wirklich das, was real ist? Oder ist es vielmehr das, was wir gelernt haben als Realität wahrzunehmen? Ist schon sehr philosophisch, oder?

Aber Sedlacek wird durchaus konkreter. Er räumt mit Missinterpretationen auf - u.a. mit Sagen um Adam Smith und seiner "invisible hand" erklärt das historische Aufkommen von Strömungen wissenschaftlicher Erklärungsversuche. Griechen, Jesus, Thomas von Aquin, die Klassiker, Neoklassiker, die Kirche bis zur Moderne, Marx und Keynes - alle kommen zu Wort und werden mit ihren Erklärungsansätzen und Kritiken beleuchtet: Wie sollte der Mensch sein? Wie sollte die Gesellschaft wirtschaften? Ist er ein emotionsloser Rationalist, oder ein kulturell, ethnisch und emotional getriebener Romantiker mit Vorlieben und Abneigungen, durch die wir uns unterscheiden und zu unterschiedlichen (wirtschaftlichen) Entscheidungen gelangen?

Sedlacek übt scharfe Kritik an der seit Descrates technokratisierten Wissenschaftsübung in der Ökonomie. Er vermisst den moralischen und emotionalen Einfluss, den eine Sozialgemeinschaft besitzt und der ihr Handeln bestimmt. Er fragt, warum es die Ökonomie verlernt hat, Modelle zu verwerfen, selbst wenn diese offenkundig nicht mehr in die Zeit passen. Die Ökonomie übe sich wie die Physik mathematisch und mechanisch auf die Wahrheit zu konzentrieren - es gebe nur ein richtiges Ergebnis. Doch ist das so? Und warum tut die Ökonomie so? Keine Wissenschaft (selbst nicht die Modell stehende Physik) ist derart unfähig, eigene Modelle zu verwerfen. Mit Sedlacek wird nicht ein neues Modell geschaffen. Nein, er zeigt dem Leser auf, dass die Herkunft der Denkmuster der Mainstream-Ökonomie auf teilweisen Irrtümern und Glauben fußen, denen sie heute noch nachhängt, doch die offenkundig nicht weiter erforscht und kritisiert werden. Es fehlt an der philosophischen Untersuchung der Dinge selbst. Stattdessen hat sie sich der schnörkellosen Klarheit der Methoden der Physik bedient, die alle "soften" Elemente ausklammert. "Denn es ist doch so schön in dieser künstlichen Welt. Warum in die unklare mit schwer beschreibbaren ethischen und kulturellen Strömungen überzogene Realität treten?"

Ein brillantes Buch, das sehr aktuell ist. Es ist weniger auf gegenwärtige Probleme der Wirtschaft bezogen, sondern vielmehr generalistisch auf das Thema Ökonomie und Wissenschaft ausgelegt. Es beantwortet demnach keine topaktuellen Fragen der Wirtschaft und ihre Krisen, sondern vielmehr gibt es einen - überfälligen - Denkanstoß an die Wirtschaftstheoretiker der Welt. Der Beginn eines geistigen Wandels? Ich weis es nicht.

Mich hat das Buch sehr bewegt!
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