Kundenrezension

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Todesgrüße vom Murmeltier, 2. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Source Code (DVD)
Zugegeben, ein Film über einen Mann, der immer wieder in der Zeit zurückkatapultiert wird, um dort eine Aufgabe zu lösen, läßt Déjà-vus im Hinblick auf Murmeltiere aber auch Déjà-vus entstehen – und das in einer Zeit, die so sehr den Popanz der Originalität verehrt. Trotz aller Anleihen bei bereits Bekanntem – das Science Fiction Genre ist eben auch begrenzt, wenn auch sicher offener als andere Genres – sind Regisseur Duncan Jones mit seinem zweiten Spielfilm „Source Code“ (2011) 90 Minuten voller Spannung und auch Gefühl gelungen, wenngleich es schon die eine oder andere schwache Stelle gibt.

Verwirrt und desorientiert erwacht der Offizier Colter Stevens (Jake Gyllenhaal) in einem Schnellzug nach Chicago und findet sich einer jungen Frau namens Christina Warren (Michelle Monaghan) gegenüber, die ihn augenscheinlich zu kennen scheint, ihn aber mit einem anderen Namen anredet. Ein Blick in den Spiegel konfrontiert Stevens dann auch mit einem ihm fremden Gesicht, und plötzlich findet er sich in einem Feuersturm wieder, in dem es kein Überleben geben kann. Dann aber erwacht er in einer Art Cockpit, und langsam erfährt er, daß er mit Hilfe des sogenannten Source Codes immer wieder in die letzten acht Minuten im Leben eines bestimmten Passagiers zurückgeschickt wird, damit er Informationen über die Identität des Attentäters sammelt, der in diesem Zug eine Bombe versteckt hat, da eben dieser Mann nun – einen Tag später – die gesamte Stadt Chicago mit einer Atombombe bedroht. Nach und nach entdeckt Stevens bei seinen wiederkehrenden Missionen, daß er die Vergangenheit sogar verändern kann – etwas, das der Erfinder des Source Codes, der ehrgeizige Dr. Rutledge (Jeffrey Wright) für ausgeschlossen – oder vielmehr: nicht wünschenswert – hält. Außerdem beschleicht Colter im Laufe der Mission das ungute Gefühl, daß man ihm etwas sehr Wichtiges verschweige.

„Source Code“ bezieht natürlich den größten Teil seiner Spannung aus der Frage, welcher der Mitreisenden in dem Zug denn nun der Attentäter sei und wie Colter ihn aufhalten kann. Doch hat der Film noch eine andere Handlungsebene, die ihn viel interessanter macht: Den Kampf Colters gegen den skrupellosen und von Ehrgeiz zerfressenen Dr. Rutledge, der den Soldaten ohne seine Einwilligung – aber mittels eines Gerichtsbeschlusses – in das Source-Code-Programm übernommen hat und ihn als eine Brücke in die Vergangenheit nutzt. Duncan Jones läßt den Zuschauer gekonnt eintauchen in die klaustrophobische Enge und Dunkelheit des Cockpits, in der Colter keine Antworten auf seine Fragen bekommt, sondern stets mit der Dringlichkeit seiner Mission und streßerzeugenden Gedächtnisübungen konfrontiert wird. [1] Rutledge und seine Untergebene Goodwin (Vera Farmiga) lernen wir erst einmal über Monitor aus der Perspektive Colters kennen – den Doktor als eine Graue Eminenz, die ein paar Schalter betätigt, es aber nicht für nötig hält, auch nur Notiz von Colter zu nehmen. Nach und nach wird immer deutlicher, daß es Rutledge in erster Linie darum geht, die Nützlichkeit und Wichtigkeit seiner Erfindung im Kampf gegen den Terror unter Beweis zu stellen, er mithin kein Interesse daran haben kann, den Anschlag im Zug zu verhindern, da er ja eine konkrete Bedrohung, die ihr Gefahrenpotential bereits unter Beweis gestellt hat, benötigt, um überhaupt zum Mann der Stunde werden zu können.

Allerdings muß eingeräumt werden, daß Jones diese kritischen Untertöne nur sehr gedämpft vorbringt, so als wolle er niemanden wirklich verärgern. Rutledge wird mehr als ein moralisch fragwürdiges Individuum denn als Teil des Systems gezeichnet, was sich allein schon darin zeigt, daß in einem Dialog zwischen ihm und Stevens deutlich wird, daß Rutledge niemals an Kampfhandlungen teilgenommen hat und deshalb auch nicht wirklich die Armee verkörpert. Im Gegensatz hierzu gelingt es Stevens, mit dem Appell „Von Soldat zu Soldat“, die Offizierin Goodwin nach und nach auf seine Seite zu ziehen.

Auch umgeht Jones einen Teil der Brisanz der Frage, was im Kampf gegen den Terror erlaubt sei, indem er den Terror hier von einer ganz bestimmten Quelle ausgehen läßt – um nicht zu spoilern, gehe ich hier nicht näher ins Detail, obwohl gerade dies interessant wäre.

Sehr gelungen finde ich hingegen, daß Jones es – anders als etwa Tony Scott in seinem langweiligen „The Taking of Pelham 123“ (2009) – gelingt, beim Zuschauer Interesse an den Mitreisenden im Zug zu erwecken und somit auch den Wunsch nach ihrer Rettung. Dies ist natürlich vor allem der Tatsache geschuldet, daß Stevens bei seinem Aufwachen gleich in ein Gesicht blickt – und zwar in das schöne Gesicht Michelle Monaghans, die ihm immer wieder eines dieser verschmitzten Lächeln schenkt, die so lange nachhallen. Aber auch einige andere Passagiere bekommen nach und nach ein wenig mehr Tiefe.

Über die Frage, ob dem Film sein Ende – und zwar auf jeder der beiden Handlungsebenen – wirklich gut tut, ließe sich sicherlich streiten, doch müßte hierfür an dieser Stelle zu viel verraten werden. Ich persönlich fand es – so viel sei gesagt – zu harmonieheischend. Insgesamt jedoch kann man sich mit „Source Code“ ganz angenehm unterhalten fühlen, wenn man denn grundsätzlich bereit ist, sich auf das dort vorausgesetzte Phänomen der Zeitreise einzulassen und nicht alles durch die Brille unserer Logik zu sehen.

[1] Sehr eindrücklich wird an dieser Stelle deutlich, wie sehr der einzelne Soldat – im weiteren Sinne wohl auch Bürger – von den Vertretern der Staatsmacht mittlerweile als Schachfigur gesehen wird. Mit dem Professionalisierungsmantra kann man heutzutage über ein schlechtes Gewissen oder Selbstzweifel fast jeden Menschen gefügig machen.
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 05.11.2013 16:24:01 GMT+01:00
Gavin Armour meint:
Hallo Tristram!

Einer jener Filme, die an mir vobeieilen, ohne meine Wahrnehmung auf sich zu ziehen, da sie mir wie Teile eines endlosen Malstroms aus Actionthrillern mit immer gleichen, lediglich neu zusammengesetzten Versatzstücken erscheinen. Und auch Deiner Rezension entnehme ich dies: Da wird das Zeitkontinuummotiv aus dem Murmeltierfilm scheints mit "Transamerica Express" und dem von Dir auch zitierten "Pelham 123" (dessen Original mit Matthau man nur imemr wieder empfehlen kann) gemischt und verquirlt. Und dennoch packt es mich, denn es scheint im Bereich Spannung aufzugehen, zu funktionieren, so wie Du es schilderst. Ich werde den Film also mal "im Auge behalten" und bei Zeiten anschauen.

Insofern danke ich für diese Rezension, denn sie macht mich neugierig bei einem Film, der sonst - s.o. - vollkommen an mir vorbei gegangen wäre.

Grüße,
Gavin

Veröffentlicht am 07.11.2013 01:09:40 GMT+01:00
Raimund Heß meint:
Hallo Tris,
da gehts mir wie Gavin, den Film habe ich irgendwie verpasst, aber deine interessante Rezi macht mich natürlich neugierig.
Gyllenhaal und Monaghan, auch Farmiga, haben schon gute Sachen abgeliefert und sind es wert, ebenso deine 4-Sterne Wertung, bei passender Gelegenheit über einen Kauf nachzudenken. Werde mal nachschauen, was man über die Bluray Qualität so erfährt.
Auf jeden Fall zuerst mal danke für die Rezi. Ich hoffe, mein Klick wird geduldet.

Liebe Grüße,
Raimund

Veröffentlicht am 07.11.2013 17:19:14 GMT+01:00
Hallo Gavin und Raimund,

vielen Dank für Eure Rückmeldungen! Der Film ist meiner Meinung nach insgesamt gelungen, wenngleich wir ihn natürlich nicht in die Kategorien jener Filme einreihen können, über die wir uns sonst so austauschen. Aber ab und zu schaue ich gern mal etwas Neues, doch nicht immer schreibe ich dann auch eine Rezension. Bei diesem Film allerdings fand ich, daß er schon ein wenig Aufmerksamkeit verdiente.

LG,
Tris
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Tristram Shandy
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