Kundenrezension

134 von 181 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Fragwürdige Kompetenz, 23. September 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zen ist die grösste Lüge aller Zeiten (Taschenbuch)
Ich suchte ein schlichtes Buch, dessen Kern-Botschaft ist: "Lebe bewusster und mehr im Augenblick." Sawakis Buch ist das komplette Gegenteil. Ein Absatz aus dem Buch macht das sehr deutlich. Sawaki sagt: "Du musst Dich freuen auf den Tod. Wenn Du ein hübsches Mädchen siehst, machst Du Dir Illusionen und genauso, wenn Du etwas Leckeres riechst. Deine ganzen Probleme wurzeln in diesem Körper. Wenn es mit diesem Körper dann bergab geht, solltest Du aufatmen: 'Endlich werde ich mein Leiden los sein.'" Leben als Last? Freuen auf den Tod? Die Erlösung? Erinnert mich ein wenig an die katholische Kirche im Mittelalter. Ich bin nun wahrlich kein Zen-Experte, habe aber Zen-Bücher gelesen, deren Autoren mir durchaus seriös und kompetent erschienen sind, unter anderem Daisetz Suzuki mit "Die große Befreiung".

Wie kommt Sawaki auf solche Botschaften? Aufgewachsen ist er anscheinend in ziemlicher Armut, mittellos, ohne große Erziehung und Förderer sowie ohne nennenswerte Chancen. Als Erweckungserlebnis beschreibt Sawaki, wie er als junger Bursche irgendwo sitzt und sich plötzlich eine Frau vor ihm verbeugt. Diese Achtung ist das Einzige, das er hat, so schlägt er den Weg des Mönches ein, verachtet alles Weltliche, alles Schöne, alle Freuden, das Leben selbst - zumindest will er diesen Eindruck erwecken. Andererseits scheint er aber doch am Leben zu hängen, so freundlich wie er als alter Mann in die Kamera lächelt, und andererseits verbreitet er Botschaften, aus denen Bücher gemacht werden, die 15 Euro kosten, obwohl nur lauter zusammenhanglose Einzel-Absätze auf 144 schlecht gelayouteten Seiten in einem Pappcover stecken.

Statt sich nach der Lektüre von Sawaki vom Balkon zu stürzen, empfehle ich Andreas Altmanns Reisebuch durch Indien "Triffst Du Buddha, töte ihn!" Altmann schreibt, den endgültigen Anstoß für seine Reise gaben ihm die fünf Meter Buddhismus-Literatur, die bei ihm stehen. Altmann schreibt: "Nicht, dass ich jeden Band fertig gelesen hätte. Oft habe ich irgendwo in der Mitte abgebrochen, oft ihn verdrossen zurückgestellt. Als Buchleiche mit dem Vermerk 'Vorsicht, Gutmensch', oder 'Vorsicht, Sprüche' oder 'Vorsicht, Gebrauchsanweisung für Heilige'. Man will nicht glauben, was alles an Lamas, Oberlamas, Abgesandten des obersten Lamas, an Mönchen vom Berg der sieben Wiedergeburten, an letzten Inkarnationen und Gurus von eigenen Gnaden, was alles an 'Erhabenen' in die westliche Welt schwärmt, um uns so prachtvoll-nutzlose Weisheiten zu übermitteln wie: 'Der wahrhaft Erwachte kennt kein Ich mehr und keine Wünsche des Ichs.' (...) Das uns der Osten etwas beibringen kann, wer würde dem widersprechen? Aber er soll uns nicht überschätzen. Sein Ich gibt der Weiße Mann nicht her. Andererseits: Manche haben auf einmal genug von ihrem Super-Ego, sie wollen abspecken. Eine Sehnsucht treibt sie nach einem Leben mit weniger Gier, weniger Protz. Und mit mehr Freundlichkeit, mehr Nähe. Und mehr Ahnung von dem, was reich macht, und dem, was erniedrigt."
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Kommentare

Von 5 Kunden verfolgt

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1-10 von 21 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 14.10.2010 19:35:53 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 17.10.2010 19:45:15 GMT+02:00
Multatuli meint:
Ex oriente lux. Aus dem Orient kommt Licht. Stimmt zweifellos. Aber nicht ALLES, was aus dem Orient kommt, muß Licht, muß erleuchtend, sein.
Manchmal kommen halt - wieder mal - buddhistische Allerostweltsweisheiten, manchmal auch ein regelrechter "Schmarren". Und es wird aus dem Zusammenhang heraus zitiert. Dem Zusammenhang eines längeren Werkes, dem Zusammenhang von Leben und Werk.

"Je mehr du ....und liest, desto weiter bist du von der Wahrheit entfernt", so äusserte sich einmal ein Kollege Sawakis vor Hunderten von Jahren.

Sawaki wurde nicht sehr alt. Und war vor seinem Tod lange und unter Schmerzen schwerkrank. Da mag er sich den Tod als Befreiung gewünscht haben. (Ist das nicht schon Begehren, also Anhaften; DIE Wurzel allen Leidens? Es wird paradox.)

Aber sich "Freuen auf den Tod" als Ratschlag? Da irrt Sawaki Zenshi. Diese Meinung ist dem Buddhismus aller 3 Richtungen wahrlich nicht zueigen. Freuen solle man sich am Leben. Gleichwohl sich aber auch bewußt sein, dass es nicht ewig währt. Nun, es können sich auch grosse Meister irren. Wenns zu viel wird mit dem Irren, darf der Schüler den Meister schlagen, seit Jahrtausenden. Und das nicht nur mit dem Keisako. Also scheinen sich auch früher Meister schon mal geirrt zu haben. - Mal, nicht immer.

Wer nicht irrt, ist der Rezensent, der es wagt, u. a. die heilige Aura der Untouchables, der fools on the hill, anzutatschen, gewisse Aussagen anzuzweifeln.
Mit gesundem Menschenverstand. Bravo! 5 stars! Gassho.

W.W., Rinsai - Zen - Buddhist seit 40 Jahren

Veröffentlicht am 01.11.2010 20:49:44 GMT+01:00
Niemand meint:
Danke, hat mich inmitten der 5-Sterne Rezensionen vor einem Kauf bewahrt. Auch Danke für den Literatur-Tip.

Veröffentlicht am 11.11.2010 12:03:43 GMT+01:00
Bin durch diesen Kommentar neugierig geworden und werde mir beide Bücher zulegen. Vielleicht sind es ja - wieder einmal - nur die beiden Seiten der selben Medaille. Bin schon sehr gespannt!

Veröffentlicht am 13.02.2011 21:46:50 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.02.2011 21:51:28 GMT+01:00
xenokrates meint:
Ich habe das Gefühl hier wird Sawaki arg mißverstanden.
Dieselbe Aussage gibt es so ähnlich bei Shunryu Suzuki, der darauf hinweist, dass wir erst dann ein großes Problem hätten, wenn wir NICHT sterben würden. Stellen Sie sich doch einfach mal vor, sie würden in diesem Körper 100.000 Jahre lang leben müssen, dann versteht man schnell, was Sawaki hier meint.
Ich möchte auch darauf hinweisen, dass "freuen" hier nicht "schnell haben wollen" bedeutet. Es geht meines Erachtens eher darum, die menschliche Anhaftung an unseren vergänglichen Körper, mit der wir uns viel Leid selbst verursachen, bloßzustellen.

Veröffentlicht am 18.02.2011 12:28:40 GMT+01:00
Wenn eine Kuh Wasser trinkt, wird daraus Milch.
Wenn eine Schlange Wasser trinkt, wird daraus Gift.

Veröffentlicht am 06.06.2011 12:02:25 GMT+02:00
Ceekay meint:
Meiner Meinung nach hat der Satz übern Tod nur die Kernaussage, dass man seine Sterblichkeit stets vor Augen halten muss um sein Leben zu begreifen. Der Kommentar mit der katholischen kirche ist dennoch sehr lustig *beifallklatsch*.

however... ich finds nutzlos mit dem Buch eine Art Bedienungsanleitung für Zen erwerben zu wollen. Das 'Basis-Wissen' musst du dir schon selbst aneignen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.06.2011 16:45:50 GMT+02:00
Ilkar meint:
Der Absatz über den Tod wurde vom Rezensenten in der Tat falsch gedeutet.

Abseits dessen, an den Rezensenten: Lesen Sie mal Krishnamurti, denn das könnte genau das sein, was Sie suchen.

Veröffentlicht am 17.04.2012 23:04:02 GMT+02:00
"Ich suchte nach einem Buch, dessen Botschaft ist: "....". Dieses Buch war es leider nicht, also gebe ich nur einen Stern."
Bitte beurteilen Sie ein Buch nicht, nach was es NICHT ist, sondern nach WAS es ist! Unseriöse Buchbesprechung.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.05.2012 15:36:00 GMT+02:00
C. van Vugt meint:
Ich finde die Buchbesprechung keineswegs unseriös. "Sawakis Buch ist das komplette Gegenteil.", schreibt der Rezensent. Also schreibt er WAS das Buch (für ihn) ist. Wenn man sagt, was es nicht ist, sagt man auch, was es ist. Und das ist doch völlig legitim. Gibt es ein Gesetz, dass Buchrezensionen immer positiv sein müssen? Der Rezensent wollte über ein Thema lesen, dachte wohl nach der Buchbeschreibung, dass eben jenes Buch zum Thema passe. War dann aber vom Inhalt enttäuscht. Folglich nur ein Stern. Warum soll etwas mit fünf Sternen bewertet werden, wenn es nicht den Erwartungen entsprach? Nur weil es potenziell den Erwartungen anderer entspricht? Nur weil es ein Buch zum Thema "Zen" ist? Denn das ist doch, WAS es ist. Rein objektiv: ein Buch über Zen. Aber allein das Vorhandensein soll zu positiver Bewertung führen?

Tut mir Leid, ich kann nicht nachvollziehen, was an der Rezension unseriös ist.

Veröffentlicht am 30.05.2012 21:45:09 GMT+02:00
aikidorules meint:
Egal wie man zu Sawakis steht, so sollte man doch anmerken, dass Zen in erster Linie auf der Praxis des Zazen basiert. In dieser Hinsicht sind Sawakis Aussagen mit Sicherheit authentischer als die des idealistischen Zen-Theoretikers D.T. Suzuki.
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