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Kundenrezension

98 von 111 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unglaublich befremdlich..., 8. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele (Band 1) (Taschenbuch)
...finde ich vor allem die Reaktionen einiger vorheriger Rezensenten auf dieses Buch. Da ist die Rede von "schön" und "kurzweilig". Für mein Verständns treffen solche Beschreibungen auf meinungsneutrale, leicht verdauliche Literatur wie "Twilight" zu, nicht jedoch auf Bücher, in denen Jugendliche sich gegenseitig für die Sucht nach Entertainment eines weit überlegenen Souveräns gegenseitig abmetzeln müssen.

Ich werde hier keine Inhaltsangabe machen, weil das bereits genug Menschen vor mit getan haben. Nur so viel: Dieses Buch ist als Jugendbuch ausgewiesen, also ist der Schreibstil relativ einfach gehalten. Was der verdichteten Atmosphäre, die durch die schnelle Aneinanderreihung von Ereignissen entsteht, in keinster Weise schadet. Im Gegenteil. Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen, habe Wort für Wort regelrecht verschlungen und nur hin und wieder ein bisschen wehmütig gedacht: "Hier hätte die Autorin sich aber noch etwas mehr trauen können!" Und im nächsten Moment war ich selber geschockt von mir. Bin ich eigentlich besser als diese sensationsgeilen Einwohner des Kapitols? Wenn ich hier einige Kommentare lese, bin ich entsetzt und traurig darüber, wie abgestumpft viele Personen mit einer solchen Thematik umgehen, die uns in Zukunft wahrscheinlich noch bevorsteht. Die immer größer werdende Kluft zwischen arm und reich, die Herrschaft der Medien und das Verlangen nach immer provokanteren TV-Formaten, die damit fortschreitende und gleichermaßen dem zu Grunde liegende Abgestumpftheit der Allgemeinheit, die Unterjochung Aufständischer. All das erleben wir schon jetzt, schon heute. Für die Aktualität spricht auch die Bedeutung von "Schönheit" für die Elite, die die Bürger des Kapitols darstellen. Was hier zählt sind nicht moralische Werte, sondern es ist regelrecht ein Wettbewerb in Affektiertheit. Alle wollen einzigartig sein und sind doch gleich. Vor 20 bis 30 Jahren hätte man über die Notwendigkeit der heute zur Normalität gehörenden Schönheits-OPs noch den Kopf geschüttelt. Wie wird es also so viele Jahre nach uns aussehen?

Dieses Buch hat in mir viele Fragen aufgeworfen. Ich habe es zur Seite gelegt und darüber nachgedacht. Den Film gesehen. Darüber nachgedacht. Festgestellt, dass wir uns auf einem guten Weg befinden, irgendwann auch ein ähnliches, pseudogerechtes System zu erschaffen. Die Autorin spricht direkt Dinge an, vor denen auch ich mich schon lange fürchte: Krieg um Rohstoffe, Umweltkatastrophen, verursacht durch die Unachtsamkeit und Ignoranz der Menschen. Denn dies führt zwangsläufig zu einer Trennung zwischen denen, die zu diesem Zeitpunkt nichts mehr haben, und denen, die genau dann die Macht an sich reißen und sie ausnutzen für ihre grausamen Bedürfnisse.

Wäre ich noch ein Kind, wäre ich nach dem Lesen wohl irritiert und wahrscheinlich verängstigt, aber auch neugierig. Ich denke, dass dieses Buch eigentlich jeder lesen sollte. Es könnte einigen dabei helfen, kritischer mit etablierten Systemen bzw. Sachverhalten umzugehen. Und dass es einige vielleicht NOCH EINMAL lesen sollten, wenn es nur für einen oberflächlichen Kommentar reicht, der der Ungeheuerlichkeit der Handlung in keinster Weise gerecht wird. Denn sie ist wichtig. Nicht "schön", nur bedingt "kurzweilig" und vor allem: WICHTIG!
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 01.11.2013 16:49:16 GMT+01:00
Meg1978 meint:
Super Rezension! Kann ich nur zustimmen!

Veröffentlicht am 23.05.2014 20:05:36 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 23.05.2014 20:06:59 GMT+02:00
Gscheiderle meint:
Ich finde Ihre Rezension sehr gut und zutreffend. In einem Punkt möchte ich Sie jedoch ergänzen - wenn auch nicht gänzlich widersprechen: Es ist nicht erst in der heutigen Zeit so, dass die Kluft zwischen Arm und Reich groß ist, es ist nicht neu, dass Menschen nach Sensationen gieren und dafür über Leichen gehen. Vielmehr als an die heutige Medienlandschaft hat mich dieses Buch ans alte Rom erinnert, nicht umsonst heißt es "Die Tribute von Panem", in Anlehnung an "Panem et circenses" im alten Rom. Schon damals schauten sich die Menschen an, wie andere, in ihren Augen wertloserer Menschen sich gegenseitig umbrachten. Der Vergleich mit Gladiatoren wurde ja auch in einigen Rezensionen schon gezogen. Und auch damals schon war Schönheit und Mode extrem wichtig.

Wenn man aber - wie Sie das auch getan haben - weiter nachdenkt, dann kommt man sehr schnell darauf, dass man diesen Vergleich nicht nur innerhalb einer Gesellschaft machen darf, nein, man kann dieses Verhalten weltweit beobachten. Denn sind wir in der westlichen Welt nicht diejenigen, die reichlich Brot und Geld haben und im Fernsehen in den Nachrichten zuschauen, wie sich Menschen im Sudan, in Syrien und der Ukraine sich gegenseitig umbringen? Ich will nicht sagen, dass wir uns daran ergötzen, wie die die Menschen des Capitols im vorliegenden Buch. Aber wir schauen zu, wir haben uns daran gewöhnt und - seien wir ehrlich - ein Stück weit ist es uns egal geworden.

Das ist die Erkenntnis, die ich aus diesem Buch gewonnen habe und es hat mich zutiefst erschreckt. Panem ist nicht in der Zukunft und nicht in der Vergangenheit, es ist im Hier und Jetzt.
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