Kundenrezension

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gut aber nicht herausragend, 8. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Ring des Nibelungen (Audio CD)
Bei all den enthusiastischen Bewertungen mit 5 Sternen könnte man als Leser leicht zu dem Ergebnis kommen, es handle sich hier um die Referenzaufnahme des Ringes. Und um es gleich vorweg zu sagen: Diese Aufnahme ist in der Tat keineswegs schlecht. Doch 5 Sterne bedeuten soviel wie "perfekt", was beim Ring mit seinen enormen Anforderungen an die Sängerbesetzung nur schwer zu erreichen ist. Angesichts der harten Konkurrenz (Solti, Böhm, Keilberth, Karajan um nur einige zu nennen) relativiert sich der Gesamteindruck des Janowski-Rings eben doch etwas.

Janowski präsentiert sich als ordentlicher Kapellmeister, der aber nicht in der ersten Liga mitspielen kann. Er dirigiert einen flotten Wagner und bemüht sich sehr um Transparenz. Während die leisen, lyrischen Momente auf diese Weise überzeugend gelingen, fehlt ihm an anderen Stellen oftmals das nötige Pathos und die Durchschlagskraft. Die Partitur zu buchstabieren reicht eben nicht aus. Man vergleiche nur mit dem Böhm-Ring von 1967: Auch Böhm wählt schnelle Tempi und einen schlanken Interpretationsansatz, allerdings ist bei ihm eine unglaubliche Energie und ein Feuer zu spüren, das Janowski weitgehend abgeht. So gerät der Orchesterteil leider etwas zahm und langweilig.

Die Sänger sind fast durchgehend gut besetzt ohne jedoch die individuelle Klasse früherer Aufnahmen zu erreichen. Zu einigen noch ein paar besondere Worte:

Positiv überrascht haben mich Jerusalem und Norman als Wälsungenpaar. Letztere wirkt deutlich frischer als im Schenk / Levine Ring auch wenn mir ihr Timbre nicht wirklich zusagt (das ist aber Geschmackssache). Jerusalem fehlt zwar die stimmliche Urgewalt der großen Heldentenöre aber er macht dies durch eine intelligente Rollengestaltung wett. Zu honorieren ist auch die gute Textverständlichkeit.

Theo Adams Wotan wird teilweise kritisiert. 1980 war der Sänger leider schon über seinen Zenit hinaus und konnte seine hervorragende Leistung im 13 Jahre zuvor aufgenommenen Böhm-Ring nicht mehr wiederholen. Ich mag jedoch sein charakteristisches Timbre, das einen hohen Wiedererkennungswert besitzt und mE perfekt zur Figur des Wotans passt. Und einmal ehrlich: welcher Wotan war denn wirklich besser? Hotter im Solti-Ring sicher nicht; vielleicht noch George London in der Leinsdorf-Walküre.

Rene Kollos Siegfried ist rundum begeisternd und das "Highlight" dieser Aufnahme. Besser besetzt hat man diese Rolle eigentlich selten gehört. Er ist vielleicht kein genuiner Heldentenor und gestaltet die Rolle eher lyrisch, was aber gut zur "leichten" Gesamtanlage dieses Ringes passt. Die Studio Atmosphäre kommt Kollo natürlich sehr zugegen, da er nicht forcieren muss um über das Orchester hinwegzukommen und so sein warmes Timbre und seinen Legato-Gesang voll ausspielen kann. Ob er den Siegfried live auch so überzeugend hingekriegt hat weiß ich nicht, ist bei der Bewertung der CD-Aufnahme aber auch irrelevant.

Hervorheben will ich noch den herausragenden Matti Salminen als Hagen und Fafner.

Kommen wir nun zum unerfreulichen Teil: Jeannine Altmeyer als Brünnhilde. Die Sieglinde hat Altmeyer öfters gesungen, von der Brünnhilde hat sie aber bis zu dieser Studio-Produktion die Finger gelassen. Sie hätte dieses Experiment besser nicht versucht. Leider merkt man ihr in allen Momenten an, wie sie forcieren muss und mit den gewaltigen Rollenanforderungen heillos überfordert ist. Ihr Timbre ist für mich unerträglich und klingt stellenweise einfach nur larmoyant. Von Deklamation kann man eigentlich kaum sprechen. Streckenweise musste ich mich ernsthaft fragen, in welcher Sprache die Dame eigentlich singt. Deutsch ist es jedenfalls nicht. Psychologische Gestaltung der Rolle - ebenfalls Fehlanzeige. Ich habe den Verdacht, dass Altmeyer nur die Worte abliest und gar nicht weiß, was sie da eigentlich singt. Ihr Stimmausdruck ist jedenfalls immer der selbe, egal in welcher dramatischen Situation sie sich befindet.

Leider ist die Brünnhilde keine unbedeutende Nebenrolle, sodass der Gesamteindruck dadurch deutlich getrübt wird. Einige der schönsten Stellen des Rings fallen so ins Wasser, z.B. das Schlussduett im Siegfried, das Duett im ersten Akt der Götterdämmerung oder der Schlussgesang ("Starke Scheite").

Die Tonqualität (Digital, Studioaufnahme von 1980-1983 in der Lukaskirche Dresden) ist makellos. Ein Booklet ist nicht enthalten.

Fazit: Ein guter und sicherlich überdurchschnittlicher Ring, der sich aber nicht mit den allerbesten Aufnahmen messen kann. Die Sängerbesetzung ist sehr ordentlich aber nicht herausragend. Negativ ins Gewicht fallen die Fehlbesetzung der Brünnhilde und das stellenweise uninspirierte Dirigat Janowskis.

Anmerken will ich noch, dass ich in der Bewertung den Preis unberücksichtigt gelassen habe. Im Preis-Leistungs-Verhältnis verdient die Aufnahme natürlich noch einen Stern mehr, denn für 26,99 Euro kann man hier bedenkenlos zugreifen. Zum beinahe selben Preis bekommt man im Moment allerdings auch den referenzverdächtigen Böhm-Ring (1967), der dem Janowski-Ring in fast allen Kategorien überlegen ist.
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