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Kundenrezension

90 von 98 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr beeindruckend!, 21. November 2009
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Open: Das Selbstporträt (Gebundene Ausgabe)
Vielleicht darf ich damit beginnen, dass ich selbst nicht Tennis spiele, mir seit dem Abschied von Graf und Becker kein Tennis ansehe und André Agassi immer nur am Rande als eine Art Sonnyboy mit herausragender Technik wahrgenommen habe. Und dennoch hat mich diese Autobiographie wie keine zweite in letzter Zeit gepackt. Und dafür gibt es drei triftige Gründe:

Zunächst ist das Buch (ich habe es im englischen Orginal gelesen) auch gemessen an anspruchsvolleren Maßstäben sehr gut geschrieben. Den Leser interessieren nicht einmal so sehr die Herausforderungen bei irgendwelchen Grand Slam-Turnieren, sondern packende Alltagszenen aus Kindheit und Jugend. In einer lakonischen, sofort auf den Punkt kommenden Sprache werden Charaktere, Situationen, Ängste und Freuden der Alltagswelt so nahe gehend beschrieben, das man sich für Agassi selbst, seine Geschwister, seinen problematischen Vater usw. sofort interessiert. Mich würde wirklich interessieren, ob A. diesen Text selbst verfasst hat. Denn die kurzen Schlaglichter, die an die Schnitttechnik eines Filmes erinnern und wie aus unterschiedlicher Perspektive das zentrale Thema des Buches (dazu sogleich) immer wieder beleuchten, zeigen einen echten Könner.

Zweitens wirkt die Darstellung auf den Leser ungeschminkt ehrlich. Hier wird gerade nicht die ewig verlogene Mähr vom amerikanischen Traum erzählt, sondern z.T. auf fast schmerzliche Weise schonungslos gezeigt, worum es bei diesem Sport geht. Die Gegner hassen einander, eine Niederlage lässt A. am Boden zerstört zurück. Er trainiert wie ein Wilder, um dieses Gefühl nicht noch einmal erleben zu müssen, obwohl Erlebnisse dieser Art unvermeidlich sind. Sein Vater - ein schrecklicher Höhepunkt in der ersten Hälfte des Buches - zerschmettert einen Fairness-Pokal den Agassi als Viertplatzierter in einem Jugendturnier gewonnen hat, vor den Augen des Sohnes, weil solche "Trostpreise" nicht zählen. Der jugendliche A. wagt nicht aufzubegehren, weil er diese Weltsicht selbst verinnerlicht hat.

Drittens: Das Werk ist nicht einfach ein beliebiger Bilderbogen unter dem Motto "per aspera ad astra", sondern steht unter einem einheitlichen Thema: der Ambivalenz des Haupthelden, der seinen Vater, das Tennis und sich selbst hasst und zugleich liebt. Der Hass resultiert aus den Existenzängsten, Rechtfertigungsbedürfnissen und Selbstzweifeln, die sich mit Vater und Tennis verbinden, dem ständigen Kampf um das seelische Überleben. Die andere Seite wird jedoch ebenfalls nicht geleugnet: Zumindest äußere Bedeutung hat dieses Leben vor allem auch den Sport erlangt: Wer würde sich für dieses Werk interessieren, wenn A. liebevoll erzogen worden wäre und seinen Wünschen entsprechend in einer Amateurfußballmannschaft glücklich geworden wäre. Die Antwort lautet: Niemand! Und dieser innere, niemals aufzulösende Widerspruch trägt das Buch über weite Strecken und macht es für jeden interessant, der sich einfach nur für Menschen und Lebensperspektiven interessiert.

Wenn auch am Ende sich manches Dunkel lichtet und vieles in versöhnlicherem Licht erscheint: Die innerliche Zerrissenheit bleibt und der Leser hat nach dieser meisterhaften und brillanten Darstellung nicht das Gefühl, seine Zeit mit einer der üblichen Promi-Biographien verschwendet zu haben!

Lesen!
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1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 23.12.2009 23:13:36 GMT+01:00
hammer buch

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.01.2010 22:33:15 GMT+01:00
beatnoir meint:
und mit dieser Rezension gut und treffend auf den Punkt gebracht!

Veröffentlicht am 19.03.2010 17:33:55 GMT+01:00
eines der besten Biografien , die ich jemals gelesen habe .....
Danke dem Autor , danke Andre Agassi !

Veröffentlicht am 28.06.2010 08:34:40 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 28.06.2010 08:42:27 GMT+02:00
Calibans frage, ob A. diesen Text selbst verfasst hat, denn die kurzen Schlaglichter, die an die Schnitttechnik eines Filmes erinnern und wie aus unterschiedlicher Perspektive das zentrale Thema des Buches (dazu sogleich) immer wieder beleuchten, zeigen nun mal einen Profi, kann ich beantworten.

Das Buch hat der Pulitzer-Preisträger Moehringer J. R. geschrieben. Von ihm gibt es noch eine Biografie, seine eigene. Sie trägt den Titel: Tender Bar.

Moehringer hat die Biografie von Agassi - ähnlich wie in Tender Bar - als Entwicklungsgeschichte angesetzt, so dass sie wie ein langes Bekenntnis anmutet, das auf Erlösung zielt.

Ich finde es zugegebenermaßen merkwürdig, dass dies weder auf dem Klappentext noch auf dem Buchrücken erwähnt wird.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.06.2010 12:41:04 GMT+02:00
Caliban meint:
Vielen Dank für die Ergänzung!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.06.2011 14:23:22 GMT+02:00
Chris D. meint:
Als Antwort auf die Nichterwähnung des "Ghostwriters" habe ich mal mitbekommen, dass dies auf Moehringer's eigenen Wunsch hin erfolgte, vielleicht auch weil Agassi selbst ebenfalls das Buch (mehr oder weniger) mitverfasst hat - das würde auch einige vergleichsweise eher "simpel" geschriebene Stellen erklären. Bei der Erscheinung des Buches hieß es zunächst bloß, dass ein "namentlich nicht näher angegebener Journalist der u.a. auch bei der NY-Times beschäftigt ist/war" an dem Buch mitgewirkt hätte.
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