Kundenrezension

22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Viel Geld für die schwächsten Folgen der gesamten Serie, 27. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Gilmore Girls - Staffel 6, Vol. 1, Episoden 01-12 (3 DVDs) (DVD)
Was die Veröffentlichung ihrer Lieblingsserie auf DVD betrifft, mussten die Gilmore Girls-Fans schon einiges mitmachen. Erschienen die ersten vier Staffel noch in optisch schönen und qualitativ hochwertigen, wenn auch unpraktischen DVD-Boxen, die ihren Inhalt manchmal kaum hergeben wollten, und damit auch nicht der Wahrheit letzter Schluss waren, so entschloss sich Warner Home Video bei der fünften Staffel (bei der ärgerlicherweise auch auf die spanische Tonspur verzichtet und die Zahl der Untertitel stark reduziert wurde) für ein Box-Design, welches einem von Trödelmärkten hinter der osteuropäischen Grenze hinlänglich bekannt seien dürfte, ohne jedoch den Preisvorteil an den Kunden weiterzugeben. Zwischenzeitlich hatte eine große deutsche Drogeriekette die ersten drei Staffeln (zu einem durchaus attraktiven Preis) ebenfalls im oben angesprochenen Raubkopiererdesign auf den Markt gebracht. Das Chaos war perfekt und manchen Sammlern, die darauf auswaren, dass sich ihre DVD-Boxen möglichst harmonisch in ihr DVD-Regal einfügten, stieg allmählich die Zornesröte ins Gesicht.

Allen Bedenken der Fans, die sich schon über die DVD-Box zur fünften Staffel aufgeregt hatten, zum Trotz, hat Warner nun noch eine weitere Möglichkeit der Kundenverärgerung entdeckt, indem es die von einigen anderen Vertrieben schon bekannte, unsägliche Methode, Staffeln in zwei Teilen zu zwei verschiedenen Zeitpunkten auf den Markt zu bringen, übernommen hat. So werden am 01.12.2006 nur die ersten zwölf Folgen der sechsten Staffel der Gilmore Girls auf DVD erscheinen, während man auf die restlichen zehn Folgen weiterhin warten darf. Zwar kann man durchaus argumentieren, dass es unsinnig sei, die restlichen Folgen bereits auf DVD zu veröffentlichen, noch bevor sie im deutschen Fernsehen ausgestrahlt worden sind, doch war dies bei manch anderer Serie trotzdem der Fall, und Warner hätte sich den Vorwurf der Abzocke [nur dieses Wort trifft es, Geldmacherei wäre zu schwach] erspart, der jetzt zurecht wieder die Runde machen wird, kostet die kastrierte sechste Staffel doch kaum weniger als die komplette fünfte Staffel. [In den USA erschien die sechste Staffel übrigens, wie alle fünf vorherigen auch, in einer kompletten Box, doch das nur nebenbei!]

Was bekommt der potentielle Käufer also für sein Geld?

Mit Sicherheit die bisher schwächste Staffel dieser eigentlich so großartigen Fernsehserie. Von Anfang an leidet sie an den Nachwirkungen der letzten Folge der fünften Staffel, als Rory sich entschied ihr Studium zu schmeißen und ins Poolhaus ihrer Großeltern zu ziehen, und dadurch den Bruch mit ihrer Mutter Lorelai provozierte. Diese wiederum machte, trotz oder gerade wegen dieses Verlustes, ihrem langjährigen Kaffeelieferanten und (seit dem Ende der vierten Staffel) Freund Luke Danes einen Heiratsantrag, den dieser in der ersten Folge dieser Staffel auch annimmt.

Während die Mehrzahl der Fans letzteres wohl durchaus guthieß, so wirkt die, von den Drehbuchautoren relativ krude erzwungene Trennung von Mutter und Tochter für viele von ihnen ziemlich unrealistisch, kannte man die Gilmore Girls trotz ihrer kleineren Streitigkeiten, die sie immer mal wieder auszufechten hatten, doch als Zweiergespann, das sich immer wieder zusammenriss und so seine Probleme überkam. Nicht jedoch zu Beginn dieser Staffel. Das künstlich, kindisch und unglaubwürdig wirkende Sprechverbot mit der jeweils anderen, das sich Mutter und Tochter selbst auferlegt haben, schadet vor allem dem Sprachwitz, für den die Serie, neben ihren verrückten, durchgeknallten Kleinstadtbewohnern (Picket Fences – Tatort Gartenzaun lässt grüßen), doch bekannt ist. Jede für sich – so funktionieren die Gilmore Girls einfach nicht. Die Lücke, die Rory in Lorelais Leben hinterlassen hat und auf die in den ersten Folgen sooft hingewiesen wird, kann weder von Luke noch von Paul Anka (nicht der Sänger, sondern Lorelais neuer Hund mit einer Vielzahl von Komplexen) gefüllt werden, trotzdem unternimmt Lorelai keinen Schritt zur Versöhnung mit ihrer Tochter. Währenddessen wird Rory von ihren Großeltern im „patriotischen Frauenverein“ untergebracht; eine weitere der vielen Storylines dieser Staffel, die sogar nicht zu den Charakteren, wie man sie die letzten fünf Jahre kennengelernt hat, passen und die wie Lückenfüller wirken. Zäh wie Kaugummi ziehen sich dann auch die ersten Folgen dahin, die Staffel kommt nicht ans Laufen und es braucht einen alten Bekannten von Rory, um diese wieder auf den richtigen Pfad zurückzuführen und mit ihrer Mutter zu versöhnen. Überhaupt braucht es in dieser Staffel viel zu häufig überraschend auf- bzw. wiederauftretende Personen, die der Serie zu mehr Drama verhelfen sollen, doch wirkt die Vielzahl dieser Wendungen so, als hätten die Drehbuchautoren es überhaupt nicht darauf abgesehen, die Story voranzubringen, sondern die Staffel bereits vor der Winterpause abgeschrieben und es nur darauf angelegt, sich durch die Staffel zu retten. Vielfach hat man den Eindruck, die Serie würde nicht mehr in Stars Hollow, Connecticut, sondern in Orange County, Kaliforniern spielen. Viele der alten Charaktere haben sich telenovelamäßig verändert (genannt seien nur Christopher, der plötzlich zu unermesslichem Reichtum gekommen ist, Jess, der nicht mehr der Möchtegern-Punk von früher ist, sondern sein Leben mehr als nur auf die Reihe gekriegt hat oder Luke, der sich nicht nur wie die Karikatur eines Vaters, sondern auch wie ein Idiot benimmt, als er erfährt, dass er eine Tochter hat)und die neuen wirken wie schlechte Kopien der alten (oder sieht keiner, dass April und Anna zum Teil frappierende Ähnlichkeiten mit Rory bzw. Lorelai haben?).

Gott sei Dank hat Gilmore Girls ja nie von seiner Rahmenhandlung gelebt, sondern in erster Linie von der Stärke und Abgeschlossenheit einzelner Folgen, doch auch hier muss gesagt werden, dass sich die Folgen dieser Staffel an Langeweile und Trivialität überbieten. Oft will man nur rufen: „Oh Gott! Amy, Dan (Palladino; die geistigen Eltern der Serie), fällt euch wirklich nicht(s) mehr ein?“ Tröstend sei nur erwähnt, dass ihnen im zweiten Staffel der Staffel einiges einfällt, wobei man allerdings sehr stark den Eindruck hat, die Produzenten hätten bei dem Versuch, die Serie mehr in Richtung Drama zu bewegen, den Comedy-Teil stark vernachlässigt und die charakterliche Integrität der Figuren geopfert, was der Serie am Ende mehr geschadet als genützt hat. Wer die letzte Folge der sechsten Staffel kennt, weiß möglicherweise, was ich meine. Auch nach mehrmaligem Ansehen wird man den Eindruck nicht los, als sei es eine letzte Racheaktion von Amy Sherman-Palladino an Warner Brothers gewesen: „Tja, jetzt seht mal zu, wie ihr das wieder geradebiegt!“ und ganz offensichtlich hat David S. Rosenthal, der neue showrunner, in der aktuellen siebten Staffel damit hart zu kämpfen; ganz davon abgesehen, dass die Serie ab Mitte der sechsten Staffel immer mehr in eine festgelegte Richtung zu laufen schien und der Ausgang der Serie damit bereits so gut wie feststeht. Jede Änderung, die Rosenthal innerhalb der kurzen Zeit von nur einer Staffel, die ihm noch bleibt [denn die siebte ist höchstwahrscheinlich die letzte] daran vornehmen könnte, wird unglaubwürdig und schnell dahingeschuhstert wirken [wobei sich diesen Schuh dann die Palladinos anzuziehen haben!]. Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass er es probiert, und nicht zu der immer größeren Menge von Leuten gehört, die die Serie bereits abgeschrieben hat.

Was ist nun das Fazit zu diesem DVD-Set? Es ist der Anfang, wenn auch hoffentlich nicht vom Ende der Gilmore Girls, so doch von deren sechster Staffel. Für den Gilmore Girls-Fan sowie den DVD-Sammler, der schon alle bisherigen Staffeln auf DVD hat, bestimmt ein weiterer Pflichtkauf, alle anderen sollten sich das Geld sparen und/oder besser in eine der ersten fünf Staffeln investieren. Wer die Folgen sowieso nur auf deutsch schaut (und sich damit etwas entgehen lässt, denn auf Englisch wirkt Gilmore Girls halt nun mal am besten) und sich von der (seit der fünften Staffel wirklich) schlechten Synchronisation, die teilweise schlicht falsch oder komplett sinnentstellend übersetzt und bei der nicht wenige Gags auf der Strecke bleiben, nicht abschrecken lässt, der kann die sechste Staffel weiterhin im Fernsehen verfolgen und bei Bedarf aufzeichnen (DVD-Rekorder und Rohlinge kosten ja nicht mehr die Welt), zumal auch die Kauf-DVDs anscheinend über kein Bonusmaterial verfügen und nur ein Bildformat von 4:3 bieten und damit im Vergleich zum US-Fernsehen, wo Gilmore Girls in HDTV 16:9 ausgestrahlt wird, ein deutlicher Teil vom Bild schlicht abgeschnitten wird.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 12.11.2009 09:39:07 GMT+01:00
D. Lisa meint:
WOW, das ist echt eine superlange rezesion!
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