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Rezension bezieht sich auf: Justinian: Das christliche Experiment (Gebundene Ausgabe)
Ein letzter Höhepunkt der Spätantike, das ist die Figur des Kaisers Justinian, der nicht nur römischen Recht neu kodifizierte, sondern uns mit der Hagia Sophia eines der großen Kirchenbauwerke der christlichen Geschichte schuf. Hartmut Leppin erzählt in diesem Buch die Lebensgeschichte von Justinian, wobei er sich eng an die bis heute überlieferten Quellen hält. Ergebnis ist keine Biographie, die einen Menschen und sein Handeln verständlich werden lässt, sondern die Geschichte der Wirkung seiner Herrschaft. Was sich während Justinians Zeit - mit oder gegen sein Wirken - in der Welt veränderte, das ist Thema dieses Buches.Die Schilderung nahe an den zeitgenössischen Quellen lässt einen über deren Autoren manchmal mehr lernen als über Justinian selbst, auch wenn dieses Verfahren in Deutschland als einzig richtige Vorgehensweise bei der Erforschung der Vergangenheit gilt. An einem Einfühlungsvermögen in die Person des Herrschers fehlt es hier eher, das mag anderen Biographen vorbehalten bleiben. Auch ist die Schilderung nicht immer chronologisch aufgebaut - in den thematisch gegliederten Kapiteln des Buches wird immer mal wieder Jahre nach vorne oder zurück geschaut, was den Lesespaß für den Hobbyhistoriker nicht immer erhöht. Und dennoch wird hier das Bild einer spannenden Übergangszeit sichtbar, in der sich Rom und Byzanz, Orient und Okzident, Christentum und heidnische Tradition und Antike und Mittelalter trafen. Auf mich wirkt diese Zeit eigentlich recht modern - es gibt Parallelen zu heute. Ideologien kämpften gegeneinander, sorgten dafür, dass ein eigentlich den Nachbarn überlegenes Gemeinwesen auseinander driftete. Mit Naturkatastrophen hatte man zu kämpfen, und offenbar so notwendige Kriege führten zu einer Überforderung der vorhandenen Mittel. Neue Eliten kämpften gegen alte. Und inmitten von all dem versuchte ein Herrscher, den richtigen Weg für seine Untertanen und sich zu finden. Es gehört zu den tragischen Elementen der Menschheitsgeschichte, dass gute Absichten in der Regel scheitern. Und doch versteht man diese Zeit wohl nur dann, wenn man sie nicht aus dem Rückblick als vorgezeichneten Weg in den Untergang oder zumindest Übergang begreift, sondern als Gegenwart, in der jeder um das richtige kämpft, ohne den Ausgang zu kennen, sich dabei mit seiner Meinung aber immer auf dem richten Weg (den Weg zum Fortschritt?) fühlt. Dass am Ende mit den Franken im Westen und dem arabischen Islam andere Ströhmungen dominieren würden, war für Justinian noch nicht absehbar. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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