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Eine gelungene Einführung in die Massenpsychologie,
11. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Massenpsychologie: Psychologische Ansteckung, kollektive Dynamiken, Simulationsmodelle. (Taschenbuch)
Kaufpreis
Das Buch hat einen inhaltlichen Umfang von 128 Seiten. Die hier angegeben 150 Seiten beziehen offenbar Inhaltsverzeichnis, Literaturliste usw. mit ein. Aufgrund des realen Seitenumfangs ist der Kaufpreis besonders fragwürdig. Da alle Bücher (!) jedoch landesweit fast jederorts günstig per Fernleihe beziehbar sind, beziehe ich diesen Aspekt grundsätzlich nicht in die Wertung von Büchern mit ein.
Inhalt
Thomas Brudermann bezieht sich in seinem Buch hauptsächlich auf soziale Phänomene wie das Verhalten auf Schweine- und Vogelgrippe, Wahl der Investitionsformen und Modetrends. Als Beispiele dienen vor allem Studien und Ereignisse der letzten 20 Jahre, wodurch die Inhalte besonders gut nachvollziehbar sind. Obwohl das Buch bereits 2010 erschien, erklärt es auch aktuelle Ereignisse wirklich schlüssig (Etwa die Atomkatastrophe in Japan und die Auswirkungen auf das Wählerverhalten).
Analogien ins Tierreich und die biologische Ebene dienen dabei lediglich am Rande zu zwei Zwecken. Zum einen zur Veranschaulichung von Phänomenen. Zum anderen wird dabei lediglich verdeutlicht, warum und wie wenig Mechanismen auf menschliche Zivilisation übertragbar sind. Frühere Denker wie Le Bon und Canetti werden miteinbezogen und ihre Thesen offen hinterfragt, ggf. auch weiterentwickelt.
Alle wesentlichen und zentralen Fragen, die man sich im Zusammenhang mit Massenpsychologie stellen könnte, werden kompakt beantwortet.
Stil
In den weitesten Teil werden biologische Begriffe wie Immunität, Erreger und Virus verwendet. Dies hat mich zunächst irgendwie gestört, ist der Lesbarkeit jedoch irgendwie zuträglich. Zudem wirkte das auf mich durchgängig nicht so, dass die Ausbreitung einer wie auch immer gearteten Idee stets negativ sei. Lediglich die wissenschaftliche und allzu nüchterne Art des Verfassers störte mich ein wenig.
Methoden
Neben Verweisen auf reale Ereignisse wird im Buch immer wieder das Agentenbasierte Modell herangezogen. Aufgrund des Namens nahm ich hier zunächst an, es handle sich hierbei um personifizierte 'Agenten' in einer Menschenmasse, die Auskünfte geben oder Einwirkungen abgeben sollten.
Es handelt sich jedoch um ein komplexes Computerprogramm, dass per Variierbarkeit einiger Variablen das Verhalten von Massen simulieren kann. Zunächst war ich kritisch. Im Laufe des Buchs überzeugte mich jedoch der praktische Nutzen des Verfahrens, das sich in einem möglichsten Grad an die Realität anzulehnen versucht. Die bunten Grafiken mit Auswürfen des Programms veranschaulichen wahrscheinliche Verläufe und ihre Variation bei Veränderung der Variablen sehr anschaulich.
Persönlicher Nutzen
Das Buch erfüllte meinen Anspruch, mir das Verhalten von Gruppen bzw. eher Menschen massen ein Stück weit verständlicher zu machen und nachvollziehen zu können. Bei einigen Themen nahm es mir Befürchtungen. Etwa indem es mir zeigte, dass bestimmte Tendenzen in der Bevölkerung nur bis zu einem bestimmten Grad ansteigen können und ein weiterer Anstieg ab einem gewissen Punkt sehr unwahrscheinlich ist (z. B. beim Thema Rechtsradikalismus). Dazu zeigt es, aus welchen Gründen heraus Denkstile über einen Zeitraum weiter bestehen können und wann sie sich unter welchen Voraussetzungen am ehesten zersetzen (Hinsichtlich ineffektiver und dennoch heute praktizierter Therapieansätze hat dies für mich etwa eine sehr große Bedeutung.
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