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Mehr Schein als Sein,
17. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Ziemlich beste Freunde (DVD)
Wenn ich mir so die Verteilung der Bewertungen ansehe, gehe ich nicht davon aus, dass ich mit meiner Rezension auf viel Begeisterung stoßen werde.
Nichtsdestotrotz finde ich es umso wichtiger, auch eine eher kritische Meinung zu diesem Film veröffentlichen zu können.
„Ziemlich beste Freunde“ ist mit so unglaublich viel Vorschusslorbeeren bedacht worden, dass man kaum an ihm vorbeisehen konnte. Auch wenn ich nicht direkt ein Freund französischer Komödien bin, stand dieses „berührende Meisterwerk aus Frankreich“ schon sehr lange auf meiner Liste, und ich hatte zugegebenermaßen sehr hohe Erwartungen. Ich freute mich auf einen emotional berührenden Film, der mir - tiefgründig und humorvoll zugleich - die ungewöhnliche Freundschaft zweier Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, nahe bringen würde.
Aber bereits in der Anfangsszene (dem wilden Autorennen mit der Polizei) kamen mir erste Bedenken, ob dies wirklich „mein“ Film werden würde.
Er ist es nicht geworden - dies kann ich vorwegnehmen.
„Ziemlich beste Freunde“ ist aus meiner Sicht in erster Linie ein Unterhaltungsfilm, mit einem leicht dramatischen Anstrich. Man kann sich gut amüsieren und gleichzeitig den Eindruck haben, einen durchaus anspruchsvollen Film zu sehen.
Mein Hauptkritikpunkt ist, dass der Schwerpunkt allzu sehr auf das Erzielen bestimmter (komischer) Effekte gesetzt wurde. Dies fängt bei der Ausgestaltung des Charakters von Abdel Sellou (Driss) an, indem man sich dazu entschloss, aus einem leicht moppeligen Algerier einen publikumswirksamen hoch gewachsenen Senegalesen zu machen. Der „Driss“ des Films verkörpert das Klischee eines abgebrühten, „coolen“ Schwarzen, der stets gute Laune und flotte Sprüche verbreitet und sich ansonsten auch mal gerne wenig respektvoll verhält. Und nicht nur diese Schublade wird aufgezogen, um die gewünschten Effekte zu erzielen.
Heftig ausgeschlachtet wird das Aufeinanderprallen von zwei extremen Welten, und natürlich bietet sich hier viel Stoff für Komik, wenn der junge, ungebildete, arme Schwarze aus der Vorstadt Einzug in das Palais des gebildeten, superreichen Weißen hält. Natürlich ist das alles lustig, auch wenn es dann an die ersten unbeholfenen Pflegeversuche geht, sich Unverständnis gegenüber kulturellen Errungenschaften zeigt, gemeinsam über die Stränge geschlagen wird und so weiter und so fort. Sehr viele „Selbstgänger“, wenn man auf diese Art von Humor steht, und die wenigsten sind wirklich neu.
Mir persönlich war das alles ein bisschen zu gewollt und plakativ und der Vielschichtigkeit und Wahrhaftigkeit der „eigentlichen“ Geschichte untergeordnet.
Ich habe oft gehört, dass der Film ja schließlich auf einer „wahren Begebenheit“ beruhen würde und habe das auch lange geglaubt; mein großes Interesse an diesem Film war nicht unerheblich dadurch beeinflusst.
Aber wie sich letztendlich herausstellt, hat die reale Konstellation nur einige (Grund-) Ideen geliefert, aus denen dann das vorliegende „Feelgood-Movie“ gebastelt wurde.
Was mir bleibt, ist der Eindruck eines eher oberflächlichen, auf komische Effekte ausgerichteten Films, der sich einer tiefgründigen Thematik bedient, ihr aber nicht wirklich ausreichend Raum und Würdigung zukommen lässt.
Ich kann und will gegen die beiden Hauptdarsteller Francois Cluzet und Omar Sy nichts sagen, denn sie kommen beide sehr sympathisch rüber und verkörpern die ihnen zugeschriebenen Rollen durchaus ansprechend. Aber die Charaktere, um die es in diesem Film geht, und die Beziehung, die sich zwischen ihnen entwickelt, sind mir nicht deutlich genug geworden und von daher auch nicht wirklich nahe gegangen.
So wurde meine hohe Erwartung enttäuscht, und ich gebe zu, dass ich den Hype um diesen Film nicht wirklich nachvollziehen kann. Ich fand ihn insgesamt ok, aber nachhaltig beeindrucken konnte er mich nicht.
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