Kundenrezension

87 von 120 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mehr Schein als Sein, 17. September 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ziemlich beste Freunde (DVD)
Wenn ich mir so die Verteilung der Bewertungen ansehe, gehe ich nicht davon aus, dass ich mit meiner Rezension auf viel Begeisterung stoßen werde.
Nichtsdestotrotz finde ich es umso wichtiger, auch eine eher kritische Meinung zu diesem Film veröffentlichen zu können.
„Ziemlich beste Freunde“ ist mit so unglaublich viel Vorschusslorbeeren bedacht worden, dass man kaum an ihm vorbeisehen konnte. Auch wenn ich nicht direkt ein Freund französischer Komödien bin, stand dieses „berührende Meisterwerk aus Frankreich“ schon sehr lange auf meiner Liste, und ich hatte zugegebenermaßen sehr hohe Erwartungen. Ich freute mich auf einen emotional berührenden Film, der mir - tiefgründig und humorvoll zugleich - die ungewöhnliche Freundschaft zweier Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, nahe bringen würde.
Aber bereits in der Anfangsszene (dem wilden Autorennen mit der Polizei) kamen mir erste Bedenken, ob dies wirklich „mein“ Film werden würde.
Er ist es nicht geworden - dies kann ich vorwegnehmen.
„Ziemlich beste Freunde“ ist aus meiner Sicht in erster Linie ein Unterhaltungsfilm, mit einem leicht dramatischen Anstrich. Man kann sich gut amüsieren und gleichzeitig den Eindruck haben, einen durchaus anspruchsvollen Film zu sehen.
Mein Hauptkritikpunkt ist, dass der Schwerpunkt allzu sehr auf das Erzielen bestimmter (komischer) Effekte gesetzt wurde. Dies fängt bei der Ausgestaltung des Charakters von Abdel Sellou (Driss) an, indem man sich dazu entschloss, aus einem leicht moppeligen Algerier einen publikumswirksamen hoch gewachsenen Senegalesen zu machen. Der „Driss“ des Films verkörpert das Klischee eines abgebrühten, „coolen“ Schwarzen, der stets gute Laune und flotte Sprüche verbreitet und sich ansonsten auch mal gerne wenig respektvoll verhält. Und nicht nur diese Schublade wird aufgezogen, um die gewünschten Effekte zu erzielen.
Heftig ausgeschlachtet wird das Aufeinanderprallen von zwei extremen Welten, und natürlich bietet sich hier viel Stoff für Komik, wenn der junge, ungebildete, arme Schwarze aus der Vorstadt Einzug in das Palais des gebildeten, superreichen Weißen hält. Natürlich ist das alles lustig, auch wenn es dann an die ersten unbeholfenen Pflegeversuche geht, sich Unverständnis gegenüber kulturellen Errungenschaften zeigt, gemeinsam über die Stränge geschlagen wird und so weiter und so fort. Sehr viele „Selbstgänger“, wenn man auf diese Art von Humor steht, und die wenigsten sind wirklich neu.
Mir persönlich war das alles ein bisschen zu gewollt und plakativ und der Vielschichtigkeit und Wahrhaftigkeit der „eigentlichen“ Geschichte untergeordnet.
Ich habe oft gehört, dass der Film ja schließlich auf einer „wahren Begebenheit“ beruhen würde und habe das auch lange geglaubt; mein großes Interesse an diesem Film war nicht unerheblich dadurch beeinflusst.
Aber wie sich letztendlich herausstellt, hat die reale Konstellation nur einige (Grund-) Ideen geliefert, aus denen dann das vorliegende „Feelgood-Movie“ gebastelt wurde.
Was mir bleibt, ist der Eindruck eines eher oberflächlichen, auf komische Effekte ausgerichteten Films, der sich einer tiefgründigen Thematik bedient, ihr aber nicht wirklich ausreichend Raum und Würdigung zukommen lässt.
Ich kann und will gegen die beiden Hauptdarsteller Francois Cluzet und Omar Sy nichts sagen, denn sie kommen beide sehr sympathisch rüber und verkörpern die ihnen zugeschriebenen Rollen durchaus ansprechend. Aber die Charaktere, um die es in diesem Film geht, und die Beziehung, die sich zwischen ihnen entwickelt, sind mir nicht deutlich genug geworden und von daher auch nicht wirklich nahe gegangen.
So wurde meine hohe Erwartung enttäuscht, und ich gebe zu, dass ich den Hype um diesen Film nicht wirklich nachvollziehen kann. Ich fand ihn insgesamt ok, aber nachhaltig beeindrucken konnte er mich nicht.
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Kommentare

Von 4 Kunden verfolgt

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1-10 von 18 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 18.09.2012 20:00:24 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 18.09.2012 20:01:26 GMT+02:00
Zur Aller erst, ich finde ihre Kritik durchaus gut und sachlich geschrieben und ich kann es auch verstehen, dass nicht alle Personen von dem Film überzeugt sind.

Ich möchte nur auf einen Punkt ihrer Kritik eingehen: Der Film beruht ja auf der Dokumentation "À la vie, à la mort" der die wahre Geschichte um die Freundschaft von Philippe Pozzo di Borgo und Abdel Yasmin Sellou erzählt. Sie werden erstaunt sein, wie viel von der wahren Geschichte in diesem Film übernommen wurde. Danach werden sie feststellen, dass die reale Konstellation nicht nur (wie sie sagen) einige Ideen liefert. Nachdem ich selber die Doku gesehen habe, war ich selber sehr überrascht davon, wie viel von der wahren Geschichte am Ende genau so im Film anzutreffen sind.

Sie sagen Driss im Film verkörpert das Klischee eines „coolen“ Schwarzen. Damit haben sie sicherlich recht, aber diese Eigenschaften treffen größtenteils eben auch auf Abdel Sellou zu. Auch er verbreitet gute Laune, hat flotte Sprüche und hat sich am Anfang auch wenig respektvoll verhalten. Ich nehm es den Regisseuren nicht übel, dass sie nicht krampfhaft nach einem moppeligen Algerier gesucht haben, sondern sich am Ende eher für einen passenden Schauspieler entschieden haben, sei er nun schwarz oder weiß.

Auch sonst im Film sind viele Szenen eben auch so im echten Leben passiert. Sei es die erste Begegnung mit der Unterschrift für das Arbeitslosengeld, der Streit mit der Tochter, die Szene in der Gemäldegalerie, die schnellen Autofahrten in der Stadt, der Versuch keinen Strafzettel zu bekommen mit einem vorgetäuschten Anfall, die Fahrten aufs Land, die Szene mit den Masseusen und so weiter. Wenn sie sich dafür interessieren, würde ich ihnen echt empfehlen sich noch mal die Dokumentation dazu anzusehen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.09.2012 14:13:55 GMT+02:00
Laura Winter meint:
Vielen Dank für Ihre Rückmeldung, die Informationen und den guten Tipp mit der Dokumentation. Ich habe tatsächlich einige Male die Erfahrung gemacht, dass mir die Dokumentation einer wahren Begebenheit mehr zugesagt hat als ihre Umsetzung in einen Spielfilm, bei dem gewisse Verfremdungen nun mal in der Natur der Sache liegen. Ich kann mir vorstellen, dass das Leben und die beeindruckende Beziehung dieser beiden Männer wesentlich vielschichtiger verlief, als dies in dem vorliegenden Spielfilm dargestellt werden konnte (mit Sicherheit war es unterm Strich auch nicht ganz so spaßig). Ich will Ihnen gerne glauben, dass die meisten Ereignisse, die im Film vorkommen, auch tatsächlich stattgefunden haben. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass natürlich jeder Film auch immer eine bestimmte Zielrichtung hat und dementsprechend passende Episoden herausgegriffen und filmerisch aufbereitet werden.
Dass dieser Film ein großer Publikumserfolg geworden ist, kann und will ich gar nicht bestreiten. Wahrscheinlich wurde für viele Menschen genau die richtige Mischung aus Schwere und Leichtigkeit getroffen.
Wie Abdel Sellou selber schreibt (aus einer Leseprobe zu seinem Buch):
„Der Film hat die Wahrheit beschönigt, um die Leute zum Träumen zu bringen.“
Und irgendwo habe ich gelesen, dass Philippe Pozzo di Borgo sich lange gegen Verfilmungsabsichten gewehrt hat und schließlich darauf bestanden hat, dass es dann ein „witziger“ Film werden solle. Diesen Wunsch und das dahinter stehende Bedürfnis, sich selber und die eigene Leidensgeschichte zu schützen, galt es natürlich unbedingt zu respektieren.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.09.2012 17:57:16 GMT+02:00
Hydra242 meint:
Hallo Laura Winter. Ich finde Ihre Rezension auch sehr gut sachlich begründet und fair bewertet. Da ich mich dem Kommentar von Herrn Franzke nur anschliessen kann, möchte ich hier nicht nochmal das gleiche schreiben.
Nur zu dem Punkt das die Geschichte beschönigt wurde und nur verfilmt werden durfte wenn es eine lustige Geschichte wird, kann ich nachvollziehen, somit ist uns der Todeskampf seiner krebskranken Frau Herrn Borgo erneut und uns generell erspart geblieben. So traurig es auch ist, aber warum sollte man sich als Zuschauer das antun ?

Veröffentlicht am 30.09.2012 01:20:56 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 30.09.2012 01:33:41 GMT+02:00
Hoerbi100 meint:
Hallo Laura Winter, ... eigentlich wollte ich auch eine Rezension zum Film schreiben, aber das haben Sie mir abgenommen, da ich genau Ihrer Meinung bin.

Daher nur wenige kurze Anmerkungen von mir:

Ich fand den Film auch "nett" - aber nicht "mehr". Ich denke, dass im Erscheinungsjahr einfach kein gleichartig gestrickter Film am Filmhorizont veröffentlicht wurde; daher diese Begeisterung für diesen Film. Nachdem ich den Film gesehen habe, ist mir komischerweise sofort der Film "MILLION DOLLAR BABY" eingefallen, wo Clint Eastwood als alternder Boxtrainer eine junge Boxerin mit anfänglichem Widerwillen dann doch trainiert hat, die dann zum Krüppel geschlagen wurde. In diesem Film konnte ich das besondere Verhältnis zwischen den Hauptdarstellern (Boxtrainer/Boxerin und auch Boxtrainergehilfe/Boxtrainer) im Film regelrecht spüren. Dieses emozionale Verhältnis im Film "Ziemlich beste Freunde" blieb leider aus. Und ich denke, genau das wollte doch der Film eigentlich vermitteln? .... In meinen Augen ist dies nicht gelungen. Ich konnte nicht bemerken, dass beide Hauptakteure tatsächlich auch nur "ziemlich" beste Freunde wurden - wenn, dann war es eine überdurchschnittliche Sympathie mit ansatzweisen freundschaftlichen Anwandlungen.

Schade ..... man hätte mit wenig Mitteln VIEL MEHR aus dem Filmstoff herausholen können. So wie der Film letztendlich geworden ist, ist es für mich ein netter Film geworden, der bei 70% seines Potentials stehen geblieben ist.

ALLERDINGS: Sollte das ECHTE Verhältnis der beiden Männer genauso abgelaufen sein, dann OK. Dann stellt sich natürlich die Frage, ob man dies noch etwas hätte "aufspielen" können. Das ist dann jedoch eine Frage, ob es überhaupt legitim ist, aus einer reellen Geschichte ein medienwirksam aufgepeppeltes Werk zu erstellen. Also einfach noch MEHR an Emotionen in den Film hätte reinpacken sollen. Aus der Sicht eines Filminteressierten, der sich noch einen emotionaleren Film gewünscht hätte : J A ... Aus der Sicht eines Filminteressierten, der eine reelle Darstellung beider Personen bevorzugt: N E I N. .... Aber: Falls Nein: Hätte der Film dann viell. doch besser eine Dokumentation werden sollen? Wie immer eine Frage der Ansicht und des Geschmacks.

Veröffentlicht am 09.12.2012 09:46:02 GMT+01:00
R. Epp meint:
Danke für Ihre ehrliche Meinung...

Veröffentlicht am 23.12.2012 09:21:35 GMT+01:00
Über den Film wird in wenigen Monaten niemand mehr reden. Ein Klassiker wird das nie.
Aus der Story wäre viel mehr Substanz herauszuholen gewesen, das ist aber in
der heutigen industriellen Filmproduktion nicht mehr möglich.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.12.2012 15:24:48 GMT+01:00
Hydra242 meint:
"Über den Film wird in wenigen Monaten niemand mehr reden"

Ha Ha :-) der war gut. Kinostart war am 5 Januar 2012/ DVD/BD Start Anfang September und es gibt hier immer noch Einträge. Bei vielen Komödien redet nach 4 Wochen niemand mehr . Wenn ich noch mal auf Ihren Kommentar zurück komme, " in wenigen Monaten" also ab heute" sollte es nach 1 1/2 Jahren auch kein Wunder sein, wenn es ein wenig ruhiger um den Film wird :-)
Ich behaupte einfach mal, der Film ist jetzt schon ein Klassiker

Veröffentlicht am 27.04.2013 16:29:21 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 27.04.2013 16:31:29 GMT+02:00
Zac meint:
stimme voll zu, leider.der film hat mich sehr enttäuscht, alles zu gewollt und zu klischeehaft, nett, mehr nicht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.04.2013 19:57:49 GMT+02:00
Hoerbi100 meint:
@Hydra242: .....Der Film ist jetzt schon ein Klassiker??? Ich weiss wirklich nicht, was Sie unter "Klassiker" verstehen. Klassiker sind Filme, über die auch noch nach Jahrzehnten gesprochen wird. Auf die Schnelle fällt mir ein: Dr. Schiwago, Das BOOT, Terminator 1, Der Exorzist 1, viell. auch Dirty Dancing oder Saturday Night Fever (Tanzfilme), usw usw. ... "Ziemlich beste Freunde" wird in nochmal 2 Jahren keinen Menschen mehr interessieren - da bin ich mir sehr sicher! Klassiker überleben Jahrzehnte - dieser Film hier sicherlich nicht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.04.2013 15:01:54 GMT+02:00
Hydra242 meint:
Hallo Hoerbi100, bei den genannten Filmen von Ihnen ( die wirklich alle toll sind) hat am Anfang auch noch keiner gewusst in welche Richtung es mal gehen wird.
Ich kann nur sagen, ziemlich beste Freunde ist schon ziemlich lange auf dem Markt und die Leute beschäftigen sich , wie man sieht, immer noch mit diesem Film.
Das ich den Film jetzt einfach mal " Klassiker" nenne ist keine Tatsache , sondern einfach ein Gefühl und ich denke, die Leute mögen den Film in den nächsten Jahren auch noch, denn Geschichten über ungewöhnliche Freundschaften sind zeitlos.
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