Kundenrezension

188 von 222 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Starke Romanumsetzung mit viel Liebe zum Detail, 12. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Game of Thrones - Die komplette erste Staffel (inkl. Fotobuch) [Blu-ray] [Limited Edition] (Blu-ray)
Die US-Serie "Game of Thrones" behandelt den ersten Band von George R.R. Martins großer Saga "A Song of Ice and Fire" (deutsche Version: "Das Lied von Eis und Feuer", die erste Staffel der TV-Serie bezieht sich auf "Die Herren von Winterfell" und "Das Erbe von Winterfell", die im englischen Original zusammen das erste Buch ergeben). Dabei werden in zehn Folgen die Geschehnisse der Buchvorlage ziemlich exakt wiedergegeben.

Umsetzungen von großen literarischen Vorbildern sind ja oft eine zwiespältige Sache. Um den Anforderungen des visuellen Mediums gerecht zu werden, muss die Handlung häufig gestreckt oder gerafft werden, hinzu kommt, dass Figuren oft nicht so aussehen und sich nicht so verhalten wie in der Vorlage und das es generell sehr schwierig ist, eine bestimmte Atmosphäre einzufangen. Vieles davon hat allerdings mit der individuellen Vorstellung der Leser bzw. Seher zu tun - und allen kann man es naturgemäß nie recht machen.

Bei "Game of Thrones" wurde im Prinzip alles richtig gemacht. Das beginnt bereits mit der Auswahl der Schauspieler: Einziges, einer breiteren Masse bekanntes Gesicht dürfte Sean Bean (u. a. "Boromir" in "Der Herr der Ringe") als "Lord Eddard Stark" sein. Bean wird von einer mir weitgehend unbekannten, aber dennoch sehr guten Riege an Darstellern unterstützt. Besonders hervorzuheben sind dabei Peter Dinklage ("Tyrion Lannister"), Iain Glen ("Ser Jorah Mormont"), Nikolaj Coster-Waldau ("Ser Jaime Lannister") und Kit Harrington ("Jon Snow"), die ihre Rollen tatsächlich so gut spielen, dass man sich direkt in das Buch versetzt fühlt, auch wenn die Optik oft nicht so ganz stimmt. Aber auch alle anderen Figuren wurden sehr gut besetzt, lediglich Jack Gleeson ("Joffrey Baratheon") wirkt ein wenig farblos und überfordert.

Das Drehbuch ist sehr gut gelungen und schafft es ausgezeichnet, Stimmung und Atmosphäre der Saga einzufangen. Alle wichtigen Ereignisse aus dem literarischen Vorbild kommen vor oder werden erwähnt - man hat als Kenner des Buches eigentlich nie das Gefühl, dass etwas Wichtiges weggelassen wurde. Hier zeigt sich auch die Stärke einer mehrteiligen Serie gegenüber einem Kinofilm: Es bleibt genug Zeit, die Charaktere zu entwickeln und die Geschichte ausführlich zu erzählen.

Ebenfalls perfekt umgesetzt wurde die Optik. Es ist eigentlich unglaublich, mit welcher Liebe zum Detail hier für eine Fernsehproduktion gearbeitet wurde. Ein ausreichendes Budget hat es wohl möglich gemacht... Das beginnt bereits beim aufwändigen und epischen Intro und setzt sich über für Serienverhältnisse überdurchschnittlich gute Effekte und Choreografien fort. Auch Landschaft, Bauten, Waffen und Wetter wirken wie aus einem Guss - hier gibt es beim besten Willen nichts auszusetzen. Überraschend war der für eine US-Serie erstaunlich hohe Anteil an Blut und Nacktszenen. Für Enthauptungen, Schwertkämpfe und Turniere wurden soviel Kunstblut und -eingeweide verwendet, wie schon lange in keiner Serie mehr. Auch vor nackten Körpern in eindeutigen Stellungen schreckten die Verantwortlichen nicht zurück - im prüden Amerika sicher ein Schock. Die Serie richtet sich jedenfalls eindeutig an Erwachsene, was aber nicht nur daran, sondern auch an der generellen Komplexität und vielen "politischen" Szenen liegt.

Größter, oft einziger Kritikpunkt der Rezensenten ist die deutsche Synchronisation. Tatsächlich ist es so, dass man sich das Ganze nach Möglichkeit im englischen Original ansehen sollte; gleiches gilt ja auch für die Buchvorlage. Sollten die dafür notwendigen Kenntnisse fehlen und man sich nicht mit Untertiteln herumschlagen wollen, ist die deutsche Tonspur natürlich die einzige Möglichkeit. Hier ist es so, dass sich die Verantwortlichen an die derzeit aktuelle Übersetzung des Buches gehalten haben. Es wurden also praktisch alle Eigennamen eingedeutscht, ähnlich wie man das aus "Herr der Ringe" kennt. Auch wenn diese Meinung viele nicht teilen werden: ich empfinde das als die bessere Variante gegenüber dem Beibehalten der englischen Namen. Allerdings wäre ein wenig mehr Augenmaß notwendig gewesen, ob man beispielsweise "Casterly Rock" wirklich mit "Casterly Stein" übersetzen muss, sei dahingestellt. Dass man "Königsweg" anstelle von "Kingsroad" sagt ist für mich hingegen eine akzeptable Lösung. Ich denke generell, dass man sich relativ schnell daran gewöhnt und das kein Grund für eine Abwertung sein muss. Die Synchronsprecher wurden übrigens gut und passend ausgewählt, hätten aber etwas emotionaler agieren können.

Die einzige Problematik, die ich sehe, liegt in der Komplexität der Vorlage. Bereits im Buch werden Ereignisse und Intrigen nur nach und nach enthüllt, alles ist zu Beginn relativ schwer zu verstehen und mysteriös. Das ist auch bei der TV-Serie so, darum werden sich Zuschauer, die die Vorlage nicht kennen, eventuell schwer tun, mitzukommen - gerade bei der ersten Staffel. Auch die Fülle der vorgestellten Charaktere macht die Sache nicht unbedingt einfacher. Aber das ist - wie gesagt - auch beim Buch so und wurde sehr authentisch übernommen.

Fazit: Mit "Game of Thrones" ist den Produzenten David Benioff und D. B. Weiss tatsächlich ein Geniestreich gelungen. Es gibt wohl nur eine handvoll Filme und noch weniger Serien, die es so gut geschafft haben, ein komplexes literarisches Vorbild auf ein visuelles Medium zu übertragen. Von der Ausstattung über die Schauspieler bis hin zur Dramaturgie passt einfach alles. Kenner der Bücher werden sich über die liebevolle Umsetzung freuen und wer mit der TV-Serie in George R. R. Martins Universum einsteigt, bekommt wohl richtig Lust, die Bücher zu lesen und noch tiefer einzutauchen. Gut gemacht, viel besser geht es eigentlich nicht!
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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 21.02.2012 01:41:09 GMT+01:00
C. Gilbert meint:
Jack Gleeson farblos und überfordert? Er spielt den sadistischen, verwöhnten Bengel so gut, dass man ihn hassen MUSS. Für mich eine der besten Besetzungen.

Veröffentlicht am 21.02.2012 11:51:18 GMT+01:00
Amazon-Kunde meint:
Das Budget schien keinesfalls ausreichend! So schön die Ausstattungen und Landschaftsaufnahmen auch sind, sie täuschen leider nicht darüber hinweg das an vielen Stellen dann wohl doch eingespart wurde. So wurden in den meisten Szenen auf Pferde verzichtet, die Wölfe kaum gezeigt, Menschenmassen nur mit einem Dutzend Menschen angedeutet und gänzlich auf überblickschaffende Städte- und Burgenaufnahmen verzichtet. Feste und Turniere wirken im Vergleich zur Buchvorlage farb- und leblos.

Trotzallem ist die Serie gelungen und sehenswert. Für die zweite Staffel wünsche ich den Machern aber ein höheres Budget.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.02.2012 16:23:45 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 23.02.2012 16:24:29 GMT+01:00
Stefan T. meint:
@Marcello Pisanu: Ok, wenn man genau hinsieht, kann es schon sein, dass man einige Dinge entdeckt, die auf zu geringes Budget schließen lassen. So negativ ist mir das aber absolut nicht aufgefallen, lediglich, dass man Tyrion k.o. gehen ließ, anstatt ihn in die Schlacht zu schicken, hat mich gestört. Aber prinzipiell denke ich, wurde alles sehr gut gelöst, ich glaube, man hat die vorhandenen Mittel sehr gut eingesetzt. Dass es für Staffel 2 mehr Budget gibt, hoffe ich natürlich auch. Solange nicht die schauspielerische Leistung und das Drehbuch darunter leiden ;) Aber das kann ich mir nicht vorstellen.

@C. Gilbert:
Da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich so eine Serie rezipiert wird. Auf mich wirkte der Junge sehr blass, ich war eher von ihm genervt, als dass ich ihn gehasst hätte. Aber das kann in der zweiten Staffel ja noch werden... ;)

Veröffentlicht am 12.03.2012 10:54:55 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 12.03.2012 10:58:41 GMT+01:00
Silvia meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Veröffentlicht am 12.03.2012 10:55:09 GMT+01:00
Silvia meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]
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