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Kundenrezension

45 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Immer noch ein wichtiger, aufrührender Film, 19. Oktober 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der Club der toten Dichter [Special Edition] (DVD)
Kurz zum Inhalt:
Ein progressiver Literaturlehrer kommt an eine erzkonservative Jungenschule und regt die Schüler mit seinem ungewöhnlichen Methoden an, sich selbst zu entdecken und die Welt und ihre Wertigkeiten neu zu betrachten. Doch das System und die Elterngeneration erlauben letztlich keine Abweichungen von der "Tradition", so dass es am Ende zur Katastrophe kommt, als ein Schüler versucht, sich seinem strengen Übervater zu widersetzen.

Zum ersten Mal sah ich den Film 1990 im Kino. Damals hatten Mitschüler den Film bereits gesehen und waren ganz überwältigt, erzählten allen anderen: "Den müsst ihr sehen."

Warum das so war? Weil wir damals in den 1980ern in einer so ziemlich ähnlichen Schule wie der Weston Academy aus dem Film waren. Aus unserer damaligen Sicht war der Film absolut einleuchtend. Ja, so kannten wir das: ein Lehrer sagte etwas und man tat es. Keine Widerworte. Im Klassenzimmer herrschte Ruhe, das war einfach so. Viele Mitschüler von mir planten schon mit 17 ihre Karriere in allen einzelnen Schritten. Schwächere Schüler wurden gnadenlos gedisst, nicht nur von den Lehrern, denn sie "versauten" den Schnitt. (Es gab aber auch genug dickfellige "Hänger", die das ganze nicht interessierte.)

Dinge, die Mr Keating in dem Film als Lehrer tut und die heute zu Recht als pädagogisch fragwürdig eingestuft werden, wie z.B. einen schüchternen Jungen scherzhaft zu triezen, sind im Vergleich zu dem, was manche Lehrer in unserem realen Leben taten, völlig harmlos.
Anders als in den 1950ern (wie im Film drastisch gezeigt) wurden wir natürlich nicht mehr mit Prügelstrafen bedroht. Aber die verbalen Verletzungen, die Lehrer sich erlauben konnten, waren nahezu unbegrenzt.

Mittlerweile hat sich das ganze in den letzten gut 20 Jahren fast umgekehrt, Lehrer müssen stets sehr vorsichtig mit dem sein, was sie sagen und tun, da Schüler und Eltern schnell in Angriffstellung gehen bei "gefühlter" Ungerechtigkeit, möglicher Herabsetzung oder nur einem unüberlegten ungeschickten Ausspruch. Während Lehrer oft mit sehr viel Distanz- und Respektlosigkeit konfrontiert werden. Schade, dass es so häufig Extreme sind, die im Leben entstehen, keine Mitte.

Deswegen (und hier wollte ich mit dem ganzen hin) kann ich irgendwie nachvollziehen, dass manche Leute heute den Film nicht mehr ganz "verstehen" können. Warum sich die Schüler nicht zusammenschließen, um gemeinsam gegen das autoritäre Regiment vorzugehen. Warum Mr Keating so einen Eindruck auf viele der Jungs macht. Warum es Todd ganz "normal" findet, von einem Lehrer etwas Spott zu ertragen (und sich deswegen keine schwerwiegenden Gedanken macht oder sich längerfristig verletzt fühlt, nein, Keating sogar mag). Warum es Neil die Sprache verschlägt, wann immer sein Vater ihn anbrüllt ("Warum brüllt er nicht zurück?" würde so mancher Junge heute sagen).

Wichtig ist der Film weiterhin, auch wenn sich bestimmt heute nicht mehr so viele Jugendliche mit den Schülern aus eigenem Erleben heraus identifizieren können. Wichtig, weil er zeigt, wie es mal anders war und dass sich doch bis heute einiges in der Pädagogik getan hat. Wichtig, um zu überlegen, ob man heute nicht auch Zwängen, wenn auch ganz anderen, unterliegt. Bin ich wirklich frei oder versuche ich permanent zu gefallen, um z.B. auf Facebook möglichst viele Freunde zu haben? Schaffe ich es, mal eine Woche kein Handy zu haben? Sage ich tatsächlich zu meinen Freunden, dass ich dieses Wochenende echt einfach mal ein Buch lesen will? Schaffe ich es, mal beruflich kürzer zu treten und einfach nach Hause zu gehen? Schaffe ich es, nicht über einen Kollegen zu lästern, der genau das tut?
Usw.

Die Botschaft Keatings: "Pass auf, dass du in der Stunde des Todes nicht merkst, dass du gar nicht gelebt hast." wird wohl immer Gültigkeit haben.
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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 03.09.2012 03:40:15 GMT+02:00
Merthur meint:
Das hat mich schon wieder zu Tränen kommen lassen. Mag aber vielleicht sein, weil ich den Film gerade erst zu Ende geguckt habe.

Veröffentlicht am 01.11.2012 21:07:19 GMT+01:00
Muschelkalk meint:
Was für eine wunderschöne Rezension zu einem wunderschönen Film! Oh Captain mein Captain - vielen Dank dafür!

Veröffentlicht am 05.10.2013 12:58:56 GMT+02:00
Letti_1860 meint:
An sich eine gute Rezension, aber mich würde interssieren, auf welcher Schule Sie waren, auf der es in den 80-ern noch so ähnlich zugegangen sein soll... Also, ich bin schon in den 70-ern zur Schule gegangen, war auf einem eher konservativen Gymnasium, aber nicht mal ansatzweise gab es so eine Strenge wie im Film beschrieben. Waren Sie auf einem strengen Internat? Dann glaube ich Ihnen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.10.2013 15:29:42 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 05.10.2013 15:32:37 GMT+02:00
Dodo meint:
Entschuldigung, aber was heißt "Dann glaube ich Ihnen."? Welchen Grund genau sollte ich haben, für eine schlichte Filmrezension mein Gymnasium falsch darzustellen?
Nein, ich war nicht auf einem "strengen Internat", ich war auf einem sehr strengen Gymnasium, das damals auch in der Gegend einen entsprechenden Ruf hatte. Man war irgendwie aber auch stolz, dort zu sein, denn das "aussieben" wurde dort extrem betrieben. Wer es allerdings bis in die Oberstufe durchgehalten hatte, konnte sicher sein, auch ein ordentliches Abi zu machen. Unser Schnitt war immer der beste im Landkreis, oft sogar im ganzen Bundesland.
Der Preis dafür war, dass z.B. unser Physiklehrer schwächere Schüler offen als "dumm" bezeichnete. Oder der Lateinlehrer mal fragte, was jemand eigentlich hier zu suchen habe, der einen seiner Sätze nicht auf Anhieb halbwegs korrekt übersetzen konnte. In Geschichte wurde einem in der 11. Klasse gesagt, dass man schon in der Lage sein müsse, den Stoff der Mittelstufe ohne Wiederholung zu beherrschen, um erfolgreich Texte zu interpretieren. Wer z.B. nicht die deutschen Kaiser seit Karl dem Großen aufzählen konnte, war entweder zu faul zu lernen oder schlicht begriffsstutzig.
Reicht das oder mehr Beispiele?
Man legt sich ein dickes Fell zu und hält unter Schülern zusammen. Und als wir dann Abitur machten, stellten wir fest, dass die meisten unser Lehrer unter der ruppigen Schale doch auch Menschen waren. Überdurchschnittlich viele meiner Mitschüler arbeiten heute in hohen Positionen, darunter mehrere Richter, Staatsanwälte, Ärzte, Uniprofessoren und ein Filmregisseur. Eine meiner Mitschülerinnen sagte später, sie habe an der Schule das Lernen auf die harte Tour gelernt, aber das hilft ihr nun an der Uni enorm.
Es hat halt alles sein Für und Wider.

Heute gibt es die Schule nicht mehr, sie wurde zu einer IGS umgewandelt nachdem die letzten "meiner" alten Lehrer in den Ruhestand gegangen waren. Ich glaube auch, heute kann man solch eine Schule nicht mehr anbieten, da heute das Verhältnis zwischen Lehrern, Schülern und Eltern völlig anders ist, wie ich in der Rezi schon sagte.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.03.2014 21:25:21 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 02.03.2014 21:26:03 GMT+01:00
Mata Hari meint:
@Werner L.: Sind Sie in Hessen zur Schule gegangen? Dann glaube ich Ihnen ;).

Denn ehrlich: ich habe erst ganz am Ende der 80er Jahre Abi gemacht und kenne diese "Lehrmethoden" bzw. "Lernmethoden" auch noch.

Nicht umsonst ist erst in den letzten Jahren die Suizidrate unter Schülern der Oberstufen (Gott sei es gedankt endlich) rückläufig.

Ausserdem würde ich das Verhalten der Lehrer in solchen Fällen nicht als "Strenge" werten - man kann sehr wohl als Lehrer konsequent, "streng" und trotzdem beliebt sein. Hier handelt es sich aber nicht um diese Form der Strenge, sondern um die Art psychische Grausamkeit, die nur aus dem Versuch geboren werden kann, Macht zu bewahren oder Respekt zu bekommen ohne die nötige soziale Kompetenz dazu zu besitzen.
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