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Kundenrezension

29 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen DAS Black Sabbath Meisterwerk!, 3. Dezember 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: Dehumanizer (Audio CD)
Das Album "Dehumanizer" (1992) ist neben "Born again" (1983) das wohl Verkannteste im langen Schaffen von Black Sabbath. Grund dafür ist vor allem, dass zu Beginn der 1990er Jahre klassischer Heavy Metal aufgrund der Grunge-Welle kaum mehr Beachtung findet. Außerdem haben sich Black Sabbath und insbesondere das einzig verbliebene Gründungsmitglied, Gitarrist Tony Iommi, in den Jahren zuvor den Ruf erworben, die Mitglieder im Hinblick auf den größtmöglichen kommerziellen Erfolg wie die Schachfiguren zu wechseln. Dies gilt ganz besonders für die Rückkehr der Besetzung um Meistersänger Ronnie James Dio.

Der Vorwurf hauptsächlich finanzieller Interessen mag vielleicht gerechtfertigt sein (auch wenn der ganz große Erfolg ausgeblieben ist), doch liefern die vier Szenegranden mit ihrem Reunion-Album ganz nebenbei auch ein wahres Jahrhundertwerk ab! Man hört der Platte an, dass sie mehr ist als das Ergebnis einer routinierten Zusammenarbeit aus dem Scheinwerferlicht gedrängter Legenden, die es um der Publicity Willen noch einmal gemeinsam versuchen. Vielmehr wird deutlich, wie viel Herzblut in den zehn Liedern steckt und welch blindes musikalisches Verständnis dieser Formation innewohnt.

Tony Iommi spielt beissende Riffs, der zurückgekehrte "Urvater" Geezer Butler entlockt seinem Bass furchterregendste Tiefen, Vinny Appice liefert peitschende Schlagzeugparts und Ronnie James Dios überwältigend großartiges Organ erreicht bewegende Sphären tiefster Emotionalität. Der Sound ist druckvoll und kantig abgemischt. Nie zuvor und nie danach wurde die Band in ein derart bissiges Soundkostüm gekleidet. Besonders das krachende Schlagzeug sticht positiv heraus. Doch eigentlich ist es ein Wunder, dass diese vier Musiker überhaupt noch einmal zusammen den Weg in die altehrwürdigen Rockfield Studios nach Wales finden.

1982 geht das Lineup nämlich nach den zwei Weltklasse-Alben "Heaven and hell" und "Mob rules", sowie der Live-LP "Live Evil" im Streit auseinander. Lange Jahre scheint es, als sei eine erneute Zusammenarbeit unmöglich. Dio gründet mit Vinny Appice die Formation "DIO", Tony Iommi und Geezer Butler machen als Black Sabbath weiter, versuchen es mit Ian Gillan als Sänger und holen Ur-Drummer Bill Ward zurück ("Born again"). Aber bald ist auch für diese Besetzung Schluss. Iommi bleibt als einziges Gründungsmitglied übrig, engagiert Tony Martin als neue Stimme und die Popularität von Black Sabbath nimmt bis zum Beginn der 1990er Jahre zusehends ab. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, entlässt der Gitarrist 1991 sämtliche damals aktuellen Bandmitglieder und trommelt die alten Kollegen zusammen - zunächst, wie erwähnt, vornehmlich aus reinem Erfolgsstreben. Im Laufe des gemeinsamen Schaffens aber kehrt der Spirit der ersten beiden LPs wieder zurück. Aus kreativer Sicht ist die Reunion die absolut richtige Entscheidung. Menschlich gerät die Wiedervereinigung jedoch zum Desaster. Man trennt sich nach der Tour zum Album erneut, die letzten beiden Termine müssen sogar ohne Ronnie James Dio stattfinden, der die Gruppe nach anhaltenden Querelen wütend verlässt. Judas Priest Sänger Rob Halford absolviert schließlich die bereits gebuchten Gigs.

Die Musik auf "Dehumanizer" ist kalt, pessimistisch und erbarmungslos. Erst nach sehr langem Hören entdeckt man die eigentlich sehr eingängigen Strukturen der Songs. Für manchen mag das 15. Sabbath-Werk beim ersten Hören einfach nur wie ein steinharter Betonklotz ohne Melodie klingen. So auch zunächst für mich. Doch nach einem sehr langen Einhörprozess hat sich mir die wahre Größe des Albums erschlossen! Es ist kaum in Worte zu fassen, wie genial diese LP ist.

Sie beginnt gleich mit einem der besten Songs in der Geschichte von Black Sabbath. "Computer God" thematisiert bereits 1992 eine heute sehr reale Situation - der Computer ist zum neuen "Gott" geworden, hat die Kontrolle über die Menschheit erlangt. "Computerized God, it's the new Religion-program the brain, not the heartbeat" heißt es treffenderweise im bärenstarken Text. Man mag diese Ansichten als konservativ oder rückwärtsgewandt bezeichnen. Manchmal tut es aber ganz gut, den Ist-Zustand kritisch zu hinterfragen. Und auch musikalisch haut mich dieser Titel jedes Mal neu um. Auf den brachialen, stahlharten Einstieg folgt die Steigerung hin zum melodischen Refrain. Im Mittelteil wird das Tempo komplett herausgenommen, nur um im nächsten Moment wieder total zu explodieren. Der Song endet mit einem wahnsinnig emotionalen und bewegenden (fast 15 Sekunden langen) Schrei von Dio, der einem bis ins Mark fährt. Bei diesem Titel schiessen mir stets aufs Neue die Tränen in die Augen.
Die vielen Tempowechsel und das perfekte Zusammenspiel aller Elemente sind der Wahnsinn. Ich möchte vor Begeisterung laut schreien. Was für eine Energie, was für eine Aggressivität! DAS ist Heavy Metal in Reinkultur, für solch eine Musik wurde der Begriff erfunden. Ergreifend!

Nach dem schonunsglosen Einstieg wird es noch unzugänglicher. "After all (the dead)" walzt bedrohlich daher. Man braucht etwas Geduld und eventuell auch mehrere Durchläufe, bis dieser astreine Doom-Track seine wahre Größe preisgibt. Irgendwann aber reißt er einen hypnotisiert mit in seinen düsteren Schlund.

Die erste Single "TV Crimes" hingegen ist etwas traditioneller gehalten. Dio keift sich wie ein tollwütiger Wolf durch den schnellsten Track der LP, angetrieben von den wüsten Riffs des Tony Iommi. Ein echter Headbanger vor dem Herrn und alles andere als leicht verdaulich. Auch textlich. Heute sicherlich zurecht ein Klassiker der Bandgeschichte. Schneidig und treibend. Einer der Höhepunkte einer an Höhepunkten so reichen Platte.

Das schwere "Letters from earth" drosselt das Tempo merklich. Besonders auffällig ist hier der wunderschöne Pre-Chorus. Der Track erscheint als B-Seite der "TV Crimes" Single in leicht abgeänderterter Form, ist aber in der Albumversion überzeugender. Das hohe Niveau der vorherigen drei Titel wird konstant gehalten und schon jetzt fällt auf, was für einzigartige Melodien in den vordergründig sperrigen Kompositionen versteckt sind.

Die zweite Single "Master of Insanity" ist das eingängigste Stück des Albums. Der Refrain bleibt im Ohr, die Struktur ist voll darauf zugeschnitten. Wie aus einem Guss. Harmonisch und doch heavy. Die Mischung stimmt.

"Time Machine", auch auf dem Soundtrack zum Film "Wayne's world" in einer alternativen Fassung enthalten, ist der zweite richtige Brecher. Das peitschende Riff lässt einen wie in einem Hurricane mitreiben. Insgesamt der unspektakulärste Song, was angesichts seines dennoch überdurchschnittlichen Niveaus aber kaum ins Gewicht fällt.

"Sins of the father" ist neben "Computer God" der vielschichtigste Titel auf "Dehumanzier". Die unverschämt eingängige Melodieführung in den Strophen und der noch eingängigere Refrain sind emotional so überladen, dass man sie fast als "kitschig" bezeichnen möchte, doch eben nur fast. Denn sofort im Anschluss beginnt ein weiteres Iommi-Lava-Riff, das umgehend zum groovenden Kopfnicker mutiert. Vinny Appice treibt diesen Sabbathtypischen Tempowechsel brillant nach vorne. In den 4.42 Minuten stecken alle Arten, wie man Rockmusik spielen kann: lieblich und verträumt, feinfühlig und bretthart, bedrohlich und mitreissend. Besonders Dio liefert eine unfassbare Gesangsleitung ab. Nicht nur hier wird deutlich, dass dieser Mann der beste Sänger war, den es im Heavy Metal jemals gegeben hat. Absolut atemberaubend.

"Too late" ist die einzige "Ballade" der LP, falls man überhaupt von einer solchen sprechen kann. Der fast siebenminütige Track wiegt sich in dramatischer Traurigkeit. Das schmerzerfüllte Gitarrensolo verbreitet eine ergreifende Melancholie.

Diese wird mit "I" sofort wieder hinweggeblasen. Das messerscharfe Riff und Dios aggressiver Gesang fegen wie ein Orkan aus den Boxen. Der Sänger bezeichnet den Titel zeit seines Lebens als seinen persönlichen Black Sabbath Lieblingssongs, den er auch live gerne zum Besten gibt. Bis heute der Vorzeigesong dieses Albums.

Im monströsen Abschlusstrack "Buried alive" werden nochmals alle Elemente der LP vereint und im Refrain gibt es eine schaurig-schöne Gänsehaut, ehe das Album würdig und königlich seine Pforten schließt. Insgesamt der wüsteste und erbarmungsloseste Titel des Albums. Drückender Doom der Extraklasse.

"Dehumanizer" kommt ohne überladene Synthie-Klänge aus und kreiert auf textlicher Ebene ein pessimistisches Weltbild voll Schmerz und Aussichtslosigkeit.
Die Musik erzeugt nicht nur beim Hörer sehr intensive Momente, auch die Musiker waren, so wirkt es, während der Aufnahmen in einem sehr aufgewühlten Zustand. Die kanalisierte Energie des kreativen Schaffensprozesses findet ihren Ausdruck in hochinspirierten 52 Minuten. Wer es schafft, hinter die kalte musikalische Fassade zu blicken, dem erschließt sich eine nie zuvor gehörte Klangwelt. Für alle anderen wird das Album auch weiterhin ein grober Betonklotz ohne Gefühl bleiben.

Ja, ich gebe es zu, meine Kritik ist sehr subjektiv gefärbt. Für mich ist "Dehumanizer" schlicht und einfach das perfekteste und beste Heavy Metal Album, das je veröffentlicht wurde. Besser kann man diese Musik nicht spielen. Bei jedem neuerlichen Hören steht mir der Mund wieder vor Staunen weit offen. Was wohl noch alles möglich gewesen wäre, wenn man die Streitigkeiten in den Griff bekommen und dauerhaft zusammen gearbeitet hätte...

Erst 14 Jahre nach "Dehumanizer" finden Dio, Iommi, Butler und Appice zum dritten Mal zueinander. Die drei neuen Songs für die "The Dio Years" Compilation verströmen eine einzigartige Chemie zwischen den Bandmitgliedern und erstmals fühlen sie sich wirklich wie Freunde. Die anschließende Tour unter dem Bandnamen "Heaven and hell" wird zum vollen Erfolg und mündet in das triumphale, 2009 veröffentlichte letzte gemeinsame Studio-Werk "The Devil you know". Nur ein Jahr später stirbt Ronnie James Dio mit 67 an Krebs. Wie schön, dass er am Ende seines Lebens endlich seinen Frieden mit Black Sabbath geschlossen hat. Er möge in Frieden Ruhen. Ich werde ihm und den anderen dreien ewig dankbar sein für das wertvollste Stück Musik in meiner Plattensammlung.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 14.05.2009 20:42:47 GMT+02:00
Gute Rezension. Manchmal verhilft Geldgier anscheinend wirklich zu etwas gutem!
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