Kundenrezension

25 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dylan in modernen Zeiten, 19. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Modern Times (Audio CD)
Das Jahr 2006 war für Bob Dylan eines der Besten seit langem. Zum halbrunden Jubiläum war er in den Medien so omnipräsent, daß man meinen konnte, die 60er Jahre seien zurückgekommen, überall wurde dem Meister überschwänglich zum 65. gratuliert, er selbst ließ sich in schlicht hervorragenden Radiosendungen (was bei dem sonst extrem medienscheuen Dylan ein wahres Wunder ist) zu Themen des Lebens (Musik natürlich, Frauen, Knäste, Lyrik, Baseball usw.) vernehmen, gab Intervievs, führte seine "Neverending Tour" weiter und veröffentlichte im September zur Krönung ein hervorragendes Album, das den schon ausgezeichneten Vorgängern (das triumphale "Time Out Of Mind" und "Love And Theft) die Krone aufsetzt.

Auf "Time Out Of Mind" herrschte ein düsterer, pessimistischer, gar todessehnsüchtiger Ton zu spartanisch produzierter Musik vor, "Love And Theft" unternahm eine manchmal etwas chaotisch Reise quer durch die amerikanische Musik des 20. Jahrhunderts.

"Modern Times" eröffnet mit dem klassischen Rocksong "Thunder On The Mountain", der den Hörer nach Hells Kitchen, Midtown Manhattan, entführt und ihm Alicia Keys an die Seite stellt, "Spirit On The Water" ist eine melancholische Hymne an eine vergangene Liebe (in langsamem Swing, so daß man dazu auch noch tanzen kann, aber nur ganz langsam), "Rollin' and Tumblin'" zitert, wie der Titel schon verspricht, virtuos und kongenial einige Bluesklassiker, "When The Deal Goes Down" ist ein melancholischer Walzer (Tanzsong Nr. 2) und ein hemmungslos sentimentales Liebeslied, wie man es von Dylan schon lang nicht mehr gehört hat, "Someday Baby" skizziert einmal mehr eine unglückliche Liebesgeschichte und damit ein ewig gültiges Bluesthema.

Einer der stärksten Songs, den Dylan je geschrieben hat, ist zweifelsohne der "Workingman's Blues #2", ein Song über den Niedergang, allerdings mit einer recht fidelen Altersweisheit und zu einer aufwärts strebenden Melodie mit Spieluhr - Piano vorgetragen, der dem Thema die Düsternis nimmt einen den Lichtstreifen am Horizont erahnen läßt. Mit "Beyond The Horizon" zitiert Dylan ein weiteres mal die mittlerweile liebgewonnene Swingmusik seiner Jugend (Tanzsong Nr. 3) und singt unsterbliche Zeilen wie "Beyond the horizon, in the springtime or fall, love waits forever for one and for all", einfach wunderschön, in "Nettie Moore" wird die Heldin eines Folksongs liebevoll gezeichnet, "The Levees Gonna Break" zitiert wieder bewußt einige Bluesklassiker und ruft hintergründig die Flut von New Orleans ins Gedächtnis zurück. Dylan schließt hier mit der majestätischen Western - Ballade "Ain't Talkin'", in der er einmal mehr die Rolle des aus dem Paradies vertriebenen, von aller Welt verlassenen und verratenen Outlaws übernimmt, ein Song über Einsamkeit und Verzweiflung, wie nur Dylan ihn schreiben kann.

Das wohl etwas ironisch betitelte Album orientiert sich also ganz an klassischem Material und jeder Song bringt das Künststück fertig, uralt und doch brandneu zu klingen, Dylan hat hier eine Platte voller Evergreens geschrieben, die man immer wieder mit größtem Genuß hören kann.

Man kann nur hoffen, daß der Meister uns noch sehr lange erhalten bleibt.

Unbedingte Kaufempfehlung.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 05.05.2013 11:26:11 GMT+02:00
Vincent Price meint:
Eine der besten Rezensionen hier.Bravo!
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