Kundenrezension

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das ganze Leben- ein filigranes Musikstück in reiner Poesie, 25. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Legende vom Ozeanpianisten (DVD)
Sehr sehr selten gibt es Filmperlen, die reines Kinowunder erzeugen.
Sie erstrahlen wie ein perfektes Feuerwerk und lassen den Zuschauer mit jeder Faser des Herzens staunen, spüren, ergriffen sein.
Ein solcher Film ist "Die Legende vom Ozeanpianisten."
Magie pur.
Zwei Stunden die einen entführen, verzaubern und wenn der begnadet gut spielende Tim Roth am Ende mit seinem wissenden Blick die Welt aus seiner Sicht erklärt dann stehen mir immer wieder die Tränen in den Augen ob so viel Weisheit und makelloser Tiefgründigkeit.
" Ich kann nicht von Bord gehen!- Hast du die unendlichen Strassen der Stadt gesehen. Die vielen Wege und Möglichkeiten. Wer soll sich da zurechtfinden. Hier auf meinem Schiff ist alles begrenzt, gibt es Bug und Heck und die überschaubare Zahl der Tasten eines Klaviers."
Sein Freund, langer Wegbegleiter und Jazz- Band Partner versucht ihn in dieser emotionalen Szene, eine zerbrochene Schallplatte in Händen haltend, zu bewegen den einzigen Lebensraum, die einzige Wirklichkeit die Tim Roth je erlebte zu verlassen.
Den einst sagenhaft schönen, doch nun der Verschrottung und Sprengung zugedachten Ozeandampfer, auf dem er vor Jahrzenten als Findelkind geboren wurde.
Denn Tim Roth ist "Novecento", das sagenhafte Waisenkind der Wellen, der nur vom HörenSagen bekannte grosse Kompositeur, der niemals in seinem Leben einen Fuß an Land setzte.
Seine Lebengeschichte verblüfft in seiner Einmaligkeit, ist grotesk, poetisch, märchenhaft, quasi ohne Zusammenhang zum realen weltgeschichtlichen Geschehen, aus der Welt gefallen.
Ein Hauch von John Irvings vielen skurilen Kindheits- und Charakterstudien schwingt da auch mit.
Nur in dieser für Novecento ausschliesslichen Welt, ein in sich abgeschlossener, stimmiger Kontinent kann er überhaupt seine sagenhafte Kunst auf dem Pianoflügel zustande bringen.
Wunderbar ist wie der Film zeigt, daß Novecento gerade durch diese betrachtende, eigentlich beobachtende aber nie eingreifende Sicht und Position auf das Leben, die wechselnden Passagiere in all ihren Facetten, die aber alle wieder neu kommen und gehen mit ihren grossen und kleinen Schicksalen, zum grössten Menschenkenner wird, der jeden Blick, jede Geste eines Gegenübers sofort in reine, sphärische Musikklänge transferieren kann.
Die Möglichkeit dieses exclusiven, aber auch passiven Blickes auf das Leben bezahlt er natürlich auch mit Einsamkeit.
Er ist der Zuschauer, niemals der gestaltende Akteur.
Er spiegelt das Leben, überhöht es durch seine Poesie ohne es selbst je zu erfahren, aber ist das wirklich so,- oder spricht da nur die überheblich, arrogante eingeschränkte Sichtweise der sogenannten" Normal- Sozialisierten".
Wundervolle philosophische Fragen werden hier existenziell aber nie aufdringlich an den Zuschauer herangetragen.
Was ist eigentlich Wirklichkeit, was ist Leben?
Beides ist nur erklärbar durch die Augen des Individuums.
Eine über alles stehende Deutung und Wahrheit gibt es nicht. Wo wir auf für uns wackeligen Untergrund schwanken und unbeholfen Halt suchen (herrliche Szenen im Film) da geht Novecento fest und selbstbewusst seinen Weg, ist bewundert und geborgen und umgekehrt.
Wäre er an Land wäre er ebenso hilflos und überfordert eine Schritt gerade zu tun.
So ist Glücklichsein also nur möglich und wahr wenn wir uns in dem Lebensraum bewegen, der uns vielleicht durch Schicksal zugedacht wurde, und uns die individuellen Möglichkeiten gibt zu gestalten. So ist Alles was uns umgibt nur erklärbar aus den jeweils eigenen Hintergründen, Gedanken und Vorstellungen.
Für Novecento ist das Schiff die ganze Welt, die für jeden Menschen wichtige Lebens-Sicherheit.
Das Verlassen so unmöglich als würde man von uns verlangen von heute auf morgen in den Weltraum auszuwandern.
So wie die Faszination einer Klaviertastatur muss das Leben ein Anfang und ein Ende, eine Begrenzung haben um über sich selbst hinauszuwachsen und nicht die beängstigende Möglichkeitsvielfalt, die oberflächlich, haltlos und unglücklich macht.- Macht zuviel Freiheit nicht im Gegenteil eher unfrei?
Wieviel Wagnis soll der Mensch eingehen und wieviel Sicherheit braucht er auch in einem selbst gestalteten Lebenskosmos?- Traurigkeit, Begeisterung, Liebe aber auch Melancholie und Vergänglichkeit bilden hier einen unvergesslich schönen durch Drehbuch, Schauspieler, phantastische Kameraarbeit, Musik zu einer Traumsymphonie verschmolzenen Reigen.
Perfekt in seiner Verschachtelung in verschiedene Zeitebenen lässt er uns das Gefühl von Zeit und Sentimentalität spüren.
In einem Bild glänzt der Kronleuchter in all seiner Pracht und erhellt über Jahrzehnte den Ballsaal des Schiffes, während er Sekunden später in der Ist- Zeit verbogen, verstaubt und für alle jetzt wertlos am verrosteten Schiffsrumpf herabgelassen wird.
Die nicht mehr klingenden und doch so mit von vergangenen Gefühlen und Leidenschaften behafteten Musikinstrumente in dem Antiquitätenladen sprechen diesselbe nostalgische Sprache.
Sensibel, liebevoll, lebensweise, sehnsuchtsvoll in jeder Sekunde ist dieses Meisterwerk und dabei doch so unprätentiös, aus kleinen und doch so grossen Blicken, Gesten, Szenen bestehend, gekleidet in den Rausch und die vergangene, auch damals in ihrer Dekadenz schon dem Untergang geweihten Pracht der adeligen Oberschicht.
Ein betörendes Zeitkolorit.
Auch hier wieder Anklänge an Fragen von Schein und Sein von erlebter Wirklichkeit und sachlicher Realität.
Meisterhaft wie Tim Roth spielt der Film alle Oktaven auf unserer Gefühlsklaviatur in unvergesslichen Szenen.
Da ist der "Tanz" des Klaviers durch den sich im Sturm wiegenden Ballsaal, der den Zuschauer fast sprachlos macht allein schon durch den grandiosen Regieeinfall, der zarte Augenaufschlag seiner für immer wärenden und auch einzigen grossen Liebe, die niemals davon erfahren wird, daß sie ihn zu seinem ergreifendsten Musikstück inspirierte, und natürlich der wahnwitzige Musikerwettstreit, in dem eine angerauchte Zigarette eine Rolle spielt und die an Coolness und Lässigkeit selbst Quentin Tarantino erblassen lässt.
" Die Sehnsucht nach der Weite und dem Meer spüre ich nicht, da ich ja hier aufgewachsen bin, so müsste ich wohl einmal den Blick von Land aus wagen um Sehnsucht zu bekommen", das sind so feinsinnige, sich bespiegelnde Dialoge die nicht mehr aus dem Gedächtnis gehen.
Ein ganzes Leben, episch, schmerzlich, erhebend, erfüllt, feinsinnig durch die Augen eines einzelnen Menschen gesehen.
Als Novecento versucht von Bord zu gehen ist das ein Bild das 1000 Worte nicht beschreiben könnten.
Er schwebt geradezu zwischen Himmel und Erde, zwischen Geborgenheit und andererseits Neuanfang, Abenteuer, Unsicherheit.
Wie ein kleiner Vogel der die Flügel spreizt zum ersten, holperigen Flug in die weite Welt, hinter sich die Wärme des Nestes. Ob er es schafft.
Fast wünschen wir es ihm nicht.
Einen Novecento in einer anderen Lebenswirklichkeit kann man sich nicht vorstellen.
Fazit: Ein Film der unvergesslich bleibt, ein Kinowunder das alle Sinne, alle Gedanken, alle Träume beim Zuschauer beflügelt.
Wer diesem Film schaut erlebt ein ewiges Juwel, so facettenreich, so gefühlstief, so echt, unverstellt und mit Herzblut wie es nur sein kann. Er wird noch lange in meinem Herzen klingen.
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1-8 von 8 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 26.02.2013 16:38:28 GMT+01:00
Lesebär meint:
Hallo Rumburak

Wieder eine wunderschöne Rezension von Ihnen! Da finde ich den Mut nicht mehr, selbst etwas dazu zu verfassen... und warte darauf, weitere inspirierende Rezensionen zu lesen!

Liebe Grüsse

Lesebär

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.02.2013 08:46:54 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 27.02.2013 08:58:33 GMT+01:00
RUMBURAK meint:
Vielen Dank, Lesebär.
Aber machen Sie mich nicht unglücklich! Natürlich trauen sie sich weitere Rezensionen zu verfassen.
Gratulation zur "kleinen Meerjungfrau- Bewertung" zu der ich ihnen auch geschrieben habe.
Der eine schreibt halt kürzer, der andere ausführlicher und jeder leistet doch auf seine Weise einen wertvollen Beitrag in diesem Forum.
Wenn ich mich für einen Film interessiere schaue ich hier auch immer kurz nach anderen Meinungen, und so machen das auch viele Leser mit unseren Bewertungen.
Lieber Lesebär welchen Grund hätte ich so anmaßend zu sein, sie zu belächeln, nur weil sie keine "härteren" Filme schauen.
Wir sind doch alle nur unserem persönlichen Empfinden und Geschmack verpflichtet.
Meine Vater schaut zum Beispiel mit Wonne jeden Sonntagabend diese Pilcher, Lindström Verfilmungen im ZDF. Warum sollte ich mir die Mühe machen und ihm das ausreden, wenn es ihm doch Freude macht.
Also bitte schön weiter rezensieren, bei ihrem eigenen Geschmack bleiben, der ist schon genau richtig.
Freue mich von Ihnen zu hören, viele Grüsse Rumburak

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.02.2013 19:34:11 GMT+01:00
Lesebär meint:
Lieber Rumburak, verehrter Herr Hofzauberer, :-)

Ich danke Ihnen für diese aufmunternden Worte und ich werde wieder Mut fassen, zu rezensieren. Danke! Sie sind sehr respektvoll und tief. (Kann man das so sagen? Deutsch ist nicht meine Muttersprache).

Übrigens läuft in meinem Elternhaus auch ab und an Frau Pilcher. Ich freue mich darüber, wenn meine Mama Spass daran findet.

Bis bals und alles Liebe!

Ihr Lesebär

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.08.2014 16:50:39 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 14.08.2014 16:58:45 GMT+02:00
Bonobinchen meint:
Hey mein Bonobo,
diesen Film musst du unbedingt bereit legen ( ich hoffe doch, du hast ihn nicht nur ausgeliehen?) - ich muss ihn unbedingt nochmal sehen !!!
Ich werde heute nochmal so richtig Meer und Salzluft inhalieren und dann. . . . . . ganz ganz bald :-* ich freu mich so !!!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.08.2014 19:01:20 GMT+02:00
RUMBURAK meint:
Mein Bonobinchen,
Film schon parat, jetzt fehlst nur noch du . . . . . :-* !!!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.10.2014 07:07:06 GMT+02:00
Bonobinchen meint:
Da haben wir noch was nachzuholen . . . . !!!
Oder zumindest ich, bringst du mir den Film nochmal mit ?
Ob der Klaviervirtuose auch hätte Tango Argentino spielen können ?
Schließlich ist er um die ganze Welt gereist -
Ich freu mich auf unvergessliche Tanzabenteuer . . . . . :-*

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.10.2014 18:55:34 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 02.10.2014 18:59:02 GMT+02:00
RUMBURAK meint:
Unvergessliche Tanzabenteuer, ja das wünsche ich mir, liebstes Bonobinchen.
Dahingleiten im Tangorausch und die Welt vergessen im Zauber der Melodie.
In einer einzigen sinnlichen Umarmung durch das ganze Universum reisen.
Tanzen ist doch das schönste, was man erleben kann, nicht wahr.
Natürlich schauen wir uns verträumt noch einmal den Film zusammen an.
Zaubergrüsse Rumburak

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.10.2014 23:02:57 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 02.10.2014 23:17:25 GMT+02:00
Bonobinchen meint:
:-X

@>-->--
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