Kundenrezension

19 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Man darf nicht einmal die Worte "minderwertig" und "vollwertig", auf Menschen angewendet, gebrauchen..., 4. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit (Taschenbuch)
Dieses Buch hat meine sehr positive Meinung von Konrad Lorenz, die ich von seinen anderen Büchern her hatte, erschüttert. Ich wußte schon vorher, dass Lorenz irgendwie mit den Nazis zu tun hatte, aber aufgrund des Spruches oben, habe ich mich näher kundig gemacht.

Offenbar hat Lorenz, der ein begeisterter Nazi war, an einer rassenkundlichen Studie an Posener deutsch-polnischen Mischlingen und Polen ehrenamtlich mitgearbeitet. Ziel der Studie war es, die im Reichsgau Wartheland lebenden Menschen auf ihre erbbiologische Eignung hin zu untersuchen. Ortsansässige, die aufgrund einer psychologischen Begutachtung als asozial oder erbbiologisch minderwertig galten, sollten in Konzentrationslager überführt werden.

Ich bin wahrlich kein Freund der Political Correctness, aber bei aller Liebe, mit der Vorgeschichte sollte man Sprüche wie diesen hier lieber lassen:

S.108: [Es ist nicht auszuschließen, dass viele Infantilismen, die große Anteile der heutigen "rebellierenden" Jugend zu sozialen Parasiten machen, möglicherweise genetisch bedingt sind.]

Ja, er setzt "rebellierend" in Anführungszeichen, "sozialer Parasit" hingegen nicht.

Lorenz reflektiert überhaupt nicht, für jemanden der Kulturkritik üben will, ist das zu wenig. Seine Analysen der Menschheitsprobleme sind oft oberflächlich. Die Kritik an der "hasserfüllten" 68er-Generation ist angesichts der Hass- und Gewaltorgien die Lorenz Generation entfesselt hat schlicht lächerlich. Manches ist einfach Stuss:

S.38: [Die Luxusbildungen [...] werden den westlichen Ländern, vor allem den USA, früher oder später dadurch zum Verderben werden, dass ihre Bevölkerung gegen die weniger verwöhnte und gesündere der östlichen Länder nicht mehr konkurrenzfähig sein wird.]

Die östlichen Länder verwöhnten doch ihre Bevölkerung nicht deshalb nicht, um sie gesund und fit zu halten, sondern weil ihr Wirtschaftssystem nicht mehr hergab. Sobald die Konkurrenzfähigkeit erreicht gewesen wäre, hätte auch im Osten jeder seinen Swimmingpool und Flachbildschirm gekriegt.

Von den 8 großen Problemen der Menschheit sind laut Lorenz die Atomwaffen das geringste, weil man hier weiß, was man dagegen machen kann. Einfach keine Atomwaffen bauen. Ein sehr seltsames Argument, denn selbstverständlich wissen wir genau, was man gegen Überbevölkerung (keine Kinder kriegen), Umweltschäden (nachhaltiges Wirtschaften), Technologiewettlauf (nichts neues Erfinden), usw. machen kann. Nur müssten wir dazu unsere Eigeninteressen dem Gesamtwohl der Menschheit unterordnen und das wollen wir nicht.

Lorenz vergleicht die schönen Häuser in den alten Innenstädten mit den häßlichen Betonklötzen heutiger Tage, ohne zu berücksichtigen, dass die Betonburgen von heute das sind, was früher die Elendsviertel waren und die waren auch nicht hübscher.

Seine Analyse der Menschheitsprobleme ist schlicht und einfach flach. Er zählt die üblichen Probleme, wie Überbevölkerung und Naturzerstörung auf, dazu dass, was ihm nicht passt, die frechen 68er und die verweichlichte Jugend von heute und mischt das ganze mit Humangenetik und Verhaltensforschung.

Ein neuer origineller Ansatz - und den hatte ich mir von dem Buch versprochen - kommt dabei nicht heraus.
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Von 2 Kunden verfolgt

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1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 29.06.2010 01:12:50 GMT+02:00
Samisdat meint:
(...),,dass Lorenz irgendwie mit den Nazis zu tun hatte,(...)"

HUCH!
Ich fürchte mich!
Zum Glück gibt es so gute Menschen wie Sie, verspätete Widerstandskämpfer, die damals sicher alles anders anders und besser gemacht hätte.

Oder hätten Sie und Ihre stromlinienförmigen Gesinnungsgenossen gar am lautesten ,,Heil" geblökt?

Ich hatte übrigens mal ,,irgendwie mit Kommunisten zu tun".
Fürchten Sie sich jetzt auch, oder bügeln Sie das mit dem Schlafmittel ,,die wollten nur das Gute, haben es aber nicht richtig umgesetzt" ab?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.09.2010 00:19:39 GMT+02:00
Andreas Hoops meint:
Lorenz hat nicht "Heil" geblökt, oder "irgendwas mit den Nazis zu tun gehabt". Er hat Menschen für die Gaskammer selektiert.

Selbst wenn er nicht gewußt hat, dass seine Urteile über den erbbiologischen Wert seiner "Patienten", Todesurteile waren, dürfte ihm wohl klar gewesen sein, dass ein von ihm als "rassisch minderwertig" beurteilter Pole, da irgendwelche Nachteile von haben würde.

Ich will seine damalige Tätigkeit nicht bewerten, aber wenn ich unmittelbar am Holocaust beteiligt war, ist es schon sehr merkwürdig, wenn ich mich dann später hinstelle und Zivilisationskritik vom hohen moralischen Roß herunter übe.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.08.2013 21:20:17 GMT+02:00
Easyshopper meint:
Weil Du so Recht hast, müssen wir ja nun ca. 50 Jahre lang die Kosten für 3000 Beschäftigte der "Stasibehörde" aufbringen; unter ihnen ca. 50 echte Stasiprofis. Oder????

Veröffentlicht am 24.10.2014 10:57:11 GMT+02:00
Danke, eine sehr klare und kritische Analyse, die auch in die Tiefe geht und erklärt. Vielen Dank dafür!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.10.2014 11:27:36 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 24.10.2014 20:12:28 GMT+02:00
Easyshopper meint:
Ja, so wie A. HOOPS, so muss man das sehen und beschreiben, wenn man es wirklich sicher auf den Punkt bringen will. Anderenfalls gewinnt das kriminelle Urteil Oberhand, dass Lorenz lediglich die vererbten Qualitäten eines kontemporären Menschen zu stark überbewertet, im Vergleich zu den individuellen Qualitäten, die er durch Erziehung, soziales Umfeld und Lernen erwerben kann. Im Umkehrschuss sind die KZ's der Nazis dann nur die "bedauerliche" Folge einer klitzekleinen wissenschaftlichen Ungenauigkeit!
Lorenz und Hitler sind zwar Österreicher und doch so deutsch, wie es schlimmer nicht geht. Zum Nobelpreis wurde er logischer Weise auch von Deutschen vorgeschlagen und er hat sich nirgendwo so heimisch gefühlt wir dort. Dass die wichtigen Eigenschaft der Deutschen primär auf deren Genen sitzen, muss man somit "als guter Deutscher" zweifelsfrei annehmen, wenn man heute unsere Haltung im Irak-; Syrien- oder "Russland-Ukraine-Konflikt" und Sonstigem sieht.
Demokratie geht bei uns eben nur so weit, bis die Falschen die Wahlen gewinnen, dass ist mit der UKRAINE nicht anders als zu Hause in Erfurt.
Die Deutsch-Amerikanische-Freundschaft ist uns jedoch mindestens so lieb, wie den OSSIS die Deutsch-Sowjetische Freundschaft sein musste. Auch Untertanengeist und ähnliche Tugenden werden beim Deutschen also vererbt.
Anderenfalls hätte Lorenz ja den Nobelpreis auch nicht verdient bzw. bekommen!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.10.2014 12:57:03 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 24.10.2014 13:01:27 GMT+02:00
"dass Lorenz lediglich die vererbten Qualitäten eines kontemporären Menschen zu stark überbewertet"

Genau das finde ich auch so absurd. Mir scheint es allein schon vom gesunden Menschenverstand offensichtlich, dass ein komplexer geistiger Inhalt nicht "vererbt" werden kann, eine ähnliche Persönlichkeitsstruktur kann ja zu völlig verschiedenen Ergebnissen kommen (manche radikallinken Anfangzwanziger sind ähnlich schlicht drauf wie radikalrechte Anfangzwanziger, prügeln halt nur woanders mit) Ein anderes typisches Streitfeld ist ja Intelligenz - wo meiner Meinung nach eher tabuisiert wird, dass das recht stark vererbt wird. Aber vererbt werden eher die "Grundpfeiler" - Körpergröße, Intelligenz, Hautfarbe - nicht wie sich die Grundpfeiler letztendlich zu nem Menschen entwickeln. Gerade sowas wie politische Meinung oder komplexere Gedankenstrukturen kann man ja kaum vererben im biologischen Sinne, und das ist wirklich von Lorenz grotesk unwissenschaftlich.
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