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Ein großer amerikanischer Roman, 7. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Kunst des Feldspiels (Gebundene Ausgabe)
In "Die Kunst des Feldspiels" erzählt Chad Harbach die Geschichte von Henry Skrimshander. An einem Sonntag im August wird Henry von Mike Schwartz, einem Baseballspieler des Westish College, bei einem kleinen, unbedeutenden Baseballturnier entdeckt. Henry ist “der kleinste Spieler auf dem Feld”, ein "dürrer Sonderling" und doch bemerkt Schwartz beinahe sofort "die Anmut, die in jeder von Henrys Bewegungen lag". Henry wird in die Baseballmanschaft des Westish College aufgenommen. Für den Jungen aus der Provinz, der in Lankton, South Dakota, zur Welt kam – einer Stadt mit dreiundvierzigtausend Einwohnern, umgeben von "Meeren aus Getreide" – kommt dies dem Betreten einer völlig unbekannten und neuen Welt gleich. In Westish wird Henry, der unter die Fittiche von seinem Mentor Mike Schwartz genommen wird und ein hartes Trainingsprogramm absolvieren muss, um größer und muskulöser zu werden, schnell bekannt dafür, keine Fehler zu machen. Ihm gelingt ein schier kometenhafter Aufstieg, an dessen Ende er schon von einem Wechsel zu einem Topteam und seinem ersten Gehalt träumen kann – bis Henry in einem Spiel ein Routinewurf auf eine fatale Art und Weise misslingt und damit eine ungeahnte Kette an Ereignissen in Gang setzt. Chad Harbach erzählt jedoch nicht nur die Geschichte von Henry, sondern verwebt Henrys Schicksal mit den Lebensverläufen von einer Reihe weiterer Figuren. Am meisten dabei heraus sticht sicherlich Mike Schwartz, der Entdecker von Henry, der sich "sein ganzes Leben lang" selbst danach gesehnt hatte, "irgendein übernatürliches Talent zu besitzen, eine einmalige Form von Brillanz, die die ganze Welt genial nennen würde" und irgendwann erkennen muss, dass er über die Förderung Henrys, sein eigenes Leben vergessen hat. Kurz vor seinem Abschluss, ohne eine wirkliche Perspektive für die Zukunft, ist er noch nicht bereit dafür, nicht mehr gebraucht zu werden. Neben Mike Schwartz spielt auch der Präsident von Westish, Guert Affenlight, eine wichtige Rolle. Affenlight ist in "Die Kunst des Feldspiels" sicherlich die Figur, die mich am meisten fasziniert hat: der ehemalige Biologiestudent, der durch Zufall in die Literaturwissenschaft wechselte und mit seiner Dissertation "The Sperm-Squeezer" berühmt wurde. Der alleinerziehende Vater, seine Tochter Pella ist mittlerweile jedoch schon selbst verheiratet (wenn auch unglücklich), stürzt sich verzweifelt und ohne Nachzudenken in ein erotisches Abenteuer, in eine Affäre, die ihm am Ende des Romans zum Verhängnis werden soll. Auch Pella begleitet man ein Stück weit durch das Buch, erlebt mit, wie schwierig es für sie ist, sich abzunabeln: von ihrem Ehemann, aber auch von ihrem Vater. Und dann gibt es da auch noch Henrys Wohnheimmitbewohner Owen. "Die Kunst des Feldspiels" ist ein Sportroman und dann auch noch ein Roman über Baseball, einen Sport den wahrscheinlich kaum jemand in Deutschland wirklich versteht. Doch auch wenn man kein Interesse an Sport und keine Ahnung von Baseball hat, kann man dieses Buch genießen und sich von der Geschichte die Chad Harbach erzählt aufsaugen lassen. Chad Harbach erzählt von den alltäglichen menschlichen Dramen: von obsessivem Ehrgeiz, von Fehlern, von der Graumsamkeit des Sports, von Einsamkeit und von Liebe. Um sich in Henry und die anderen Figuren hineinversetzen zu können, muss man nicht wissen, was ein "Shortstop" oder "Fastball" ist, wo sich die "Strike Zone", "Home Plate" oder "First Base" befindet. Jede der Figuren war mir auf ihre jeweils eigene Art nah, jede Figur bildet eine Identifikationsfläche, in jeder Figur konnte ich mich ein Stück weit selbst erkennen: Henry, der von Selbstzweifeln zerfressen wird und unter der grausamen Angst leidet, den nächsten Fehler zu machen. Mike Schwartz, der feststellen muss, dass er sein Leben für jemanden anderen gelebt hat und sich selbst dabei verloren hat. Guert Affenlight, der sich nach Liebe sehnt und dafür alles riskiert. Ich habe "Die Kunst des Feldspiels" mit einem versöhnlichen Gefühl zugeklappt. Und mit dem Gefühl, einen großartigen Roman gelesen zu haben: Chad Harbach erzählt mit einer unfassbaren Souveränität und der Roman entwickelt beim Lesen eine starke Sogkraft. Seit "Die Korrekturen" von Jonathan Franzen habe ich nie wieder einen ähnlich komplexen, faszinierenden und großartig komponierten Roman gelesen. “Die Kunst des Feldspiels” ist ein mehr als würdiger Nachfolger.
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Die Kunst des Feldspiels 3832196269
Chad Harbach
Dumont Buchverlag
Die Kunst des Feldspiels
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Ein großer amerikanischer Roman
In "Die Kunst des Feldspiels" erzählt Chad Harbach die Geschichte von Henry Skrimshander. An einem Sonntag im August wird Henry von Mike Schwartz, einem Baseballspieler des Westish College, bei einem kleinen, unbedeutenden Baseballturnier entdeckt. Henry ist der kleinste Spieler auf dem Feld, ein "dürrer Sonderling" und doch bemerkt Schwartz beinahe sofort "die Anmut, die in jeder von Henrys Bewegungen lag". Henry wird in die Baseballmanschaft des Westish College aufgenommen. Für den Jungen aus der Provinz, der in Lankton, South Dakota, zur Welt kam einer Stadt mit dreiundvierzigtausend Einwohnern, umgeben von "Meeren aus Getreide" kommt dies dem Betreten einer völlig unbekannten und neuen Welt gleich.
In Westish wird Henry, der unter die Fittiche von seinem Mentor Mike Schwartz genommen wird und ein hartes Trainingsprogramm absolvieren muss, um größer und muskulöser zu werden, schnell bekannt dafür, keine Fehler zu machen. Ihm gelingt ein schier kometenhafter Aufstieg, an dessen Ende er schon von einem Wechsel zu einem Topteam und seinem ersten Gehalt träumen kann bis Henry in einem Spiel ein Routinewurf auf eine fatale Art und Weise misslingt und damit eine ungeahnte Kette an Ereignissen in Gang setzt.
Chad Harbach erzählt jedoch nicht nur die Geschichte von Henry, sondern verwebt Henrys Schicksal mit den Lebensverläufen von einer Reihe weiterer Figuren. Am meisten dabei heraus sticht sicherlich Mike Schwartz, der Entdecker von Henry, der sich "sein ganzes Leben lang" selbst danach gesehnt hatte, "irgendein übernatürliches Talent zu besitzen, eine einmalige Form von Brillanz, die die ganze Welt genial nennen würde" und irgendwann erkennen muss, dass er über die Förderung Henrys, sein eigenes Leben vergessen hat. Kurz vor seinem Abschluss, ohne eine wirkliche Perspektive für die Zukunft, ist er noch nicht bereit dafür, nicht mehr gebraucht zu werden.
Neben Mike Schwartz spielt auch der Präsident von Westish, Guert Affenlight, eine wichtige Rolle. Affenlight ist in "Die Kunst des Feldspiels" sicherlich die Figur, die mich am meisten fasziniert hat: der ehemalige Biologiestudent, der durch Zufall in die Literaturwissenschaft wechselte und mit seiner Dissertation "The Sperm-Squeezer" berühmt wurde. Der alleinerziehende Vater, seine Tochter Pella ist mittlerweile jedoch schon selbst verheiratet (wenn auch unglücklich), stürzt sich verzweifelt und ohne Nachzudenken in ein erotisches Abenteuer, in eine Affäre, die ihm am Ende des Romans zum Verhängnis werden soll. Auch Pella begleitet man ein Stück weit durch das Buch, erlebt mit, wie schwierig es für sie ist, sich abzunabeln: von ihrem Ehemann, aber auch von ihrem Vater. Und dann gibt es da auch noch Henrys Wohnheimmitbewohner Owen.
"Die Kunst des Feldspiels" ist ein Sportroman und dann auch noch ein Roman über Baseball, einen Sport den wahrscheinlich kaum jemand in Deutschland wirklich versteht. Doch auch wenn man kein Interesse an Sport und keine Ahnung von Baseball hat, kann man dieses Buch genießen und sich von der Geschichte die Chad Harbach erzählt aufsaugen lassen. Chad Harbach erzählt von den alltäglichen menschlichen Dramen: von obsessivem Ehrgeiz, von Fehlern, von der Graumsamkeit des Sports, von Einsamkeit und von Liebe. Um sich in Henry und die anderen Figuren hineinversetzen zu können, muss man nicht wissen, was ein "Shortstop" oder "Fastball" ist, wo sich die "Strike Zone", "Home Plate" oder "First Base" befindet. Jede der Figuren war mir auf ihre jeweils eigene Art nah, jede Figur bildet eine Identifikationsfläche, in jeder Figur konnte ich mich ein Stück weit selbst erkennen: Henry, der von Selbstzweifeln zerfressen wird und unter der grausamen Angst leidet, den nächsten Fehler zu machen. Mike Schwartz, der feststellen muss, dass er sein Leben für jemanden anderen gelebt hat und sich selbst dabei verloren hat. Guert Affenlight, der sich nach Liebe sehnt und dafür alles riskiert.
Ich habe "Die Kunst des Feldspiels" mit einem versöhnlichen Gefühl zugeklappt. Und mit dem Gefühl, einen großartigen Roman gelesen zu haben: Chad Harbach erzählt mit einer unfassbaren Souveränität und der Roman entwickelt beim Lesen eine starke Sogkraft. Seit "Die Korrekturen" von Jonathan Franzen habe ich nie wieder einen ähnlich komplexen, faszinierenden und großartig komponierten Roman gelesen. Die Kunst des Feldspiels ist ein mehr als würdiger Nachfolger.
buzzaldrinsblog
7. September 2012
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