Kundenrezension

308 von 328 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen F wie fabelhaft fabuliert., 11. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: F (Gebundene Ausgabe)
Angesicht der sehr geteilten Rezensionen hier, habe ich meine Begeisterung bei der Lektüre des Romans erst einmal ein paar Tage abebben lassen. Doch auch nach diesen Tagen bin ich noch immer sehr verwundert über die doch herben Urteile (konstruiert, blutleer, wenig durchdacht, banal, lauwarm).

F ist für mich gute Literatur im besten Sinne. Nicht mehr und nicht weniger. Es hat alles, was ich von einem lesenswerten Roman erwarte: bleibende Szenen im Kopf, gut skizzierte Figuren, die ich mir weiter ausmalen kann, erzählerische Spannung und geistreiche Anspielungen. Es menschelt zudem sehr vielfältig und dreht sich viel um die Frage, wie sehr wir Herr über unser Schicksal sind.

Viele Süchte unserer modernen Gesellschaft werden behandelt. Zum einen unsere unstillbaren Begierden nach individueller Bedeutung, Attraktivität, gesellschaftlicher Anerkennung, nach Macht und Einfluss. Und zum anderen jene Süchte, die oftmals aus der Nichterfüllung der erstgenannten entstehen: Fresssucht, Spielsucht, Sexsucht.

Der Spannungsbogen der Erzählung entwickelt sich auch aus den zwar schicksalhaft beeinflussten doch überwiegend selbstgewählten Lebenswegen aller Protagonisten. Alle sind überdurchschnittlich begabt und von Kindheit an bestens ausgestattet, um ein erfüllendes Leben zu leben. Doch alle sind zugleich auch unersättlich und maßlos in ihren Ansprüchen an das Leben. Besonders die Brüder sind eine schöne Allegorie auf unsere herrschenden Ansprüche an Selbstverwirklichung. Sie illustriert unser gesellschaftliches „Leiden auf hohem Niveau“, das aus unserer individuellen Selbstüberschätzung resultiert. Die Fähigkeit, persönliches Mittelmaß zu akzeptieren und dennoch zufrieden mit dem zu sein, was man erreichen kann, ist uns offenbar mehr und mehr abhanden gekommen.

Unerträglich wird es für viele mit der Erkenntnis zu leben, dass unsere Existenz letztlich für den Gang der Dinge bedeutungslos ist – gleichgültig was wir tun. Der Vater der Brüder vertritt diesen Individual-Nihilismus. Nachdem er sich dazu bekennt, lebt er fortan ganz gut damit. Doch auf sein moralisches Konto gehen zwei verlassene Frauen, drei verlassene Söhne und einige verzweifelte Seelen, die sich nach der Lektüre seines Erfolgsromans das Leben nehmen. Das macht ihn in einer bigotten Wertegesellschaft zur Persona non grata.

Ich fand also vieles in F was mich berührt, mich beschäftigt, mich nachdenklich macht. Und ich wurde bestens unterhalten.

Nachtrag: An F wird mir einmal mehr deutlich gemacht, dass sich die Kultur der Rezensenten bei Amazon offenbar wandelt. Einerseits steigt offensichtlich das Bedürfnis, Bücher zu verreißen. Das ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, doch die relative Zunahme verwundert mich. Ich selbst komme nur in sehr seltenen Fällen dazu, ein enttäuschendes Buch auch noch zu rezensieren. Doch weit mehr - sicher auch, weil ich betroffen war - nimmt offenbar das Bedürfnis zu, Bewertungen und Rezensionen, die der persönlichen Einschätzung entgegen stehen, aktiv mit nicht hilfreich negativ zu bewerten. Dies kann ich überhaupt nicht nachvollziehen und finde ich eine bedenkliche Entwicklung. Das ist doch nicht der Sinn der "nein"-Funktion. Zumindest käme ich nie auf die Idee, eine Rezension als nicht hilfreich zu bewerten, nur weil sie das Buch anders bewertet als ich. Das ist für mich nur dann legitim, wenn jemand die Rezensionsfunktion bewusst missbraucht. Aber vielleicht habe ich da was falsch verstanden. Mir macht es auf jeden Fall immer weniger Vergnügen, Rezensionen zu veröffentlichen.
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-8 von 8 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 12.09.2013 16:51:43 GMT+02:00
Paul Grass meint:
Die 1 Stern Freunde "lauern" quasi auf jede gute Bewertung und stürzen sich umgehend auf das "Nein" der nicht hilfreichen Rezension. Herrlich!

Veröffentlicht am 13.10.2013 18:36:06 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 13.10.2013 18:50:27 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 13.10.2013 18:51:06 GMT+02:00
coldvalley meint:
Die in Ihrem Nachtrag thematisierte Beobachtung teile ich - und das sage ich als quasi Außenstehender, da ich selbst keine Rezensionen schreibe, sondern "nur" lese. Gut, dass Sie das ausgesprochen haben!

Veröffentlicht am 17.10.2013 20:12:24 GMT+02:00
Wolfgang Haan meint:
1. Sie kommentieren, dass der Vater schuld daran ist, dass sich unschuldige Seelen nach der Lektüre seines Buches das Leben genommen haben. Wie beurteilen Sie dann Goethe und seinen "Werther", der eine Selbstmordwelle ausgelöst hat?

2. Seit Amazon das Bewertungssystem für Rezensenten geändert hat, wird nicht mehr nach der "eigenen" Meinung rezensiert, sondern danach, wie viele andere die Rezension positiv beurteilen. Denn dies führt zu einer höheren Bewertung im Rezensentenrang. Wenn ich also dieses Buch mit 5 Sternen bewerten würde, kann ich davon ausgehen, dass meine Rezension nicht "ge-like-t" wird und das ist negativ für mich. amazon fördert also keine objektiven rezensionen und auch keine kaufberatungen, sondern vorrangig "nach-dem-munde-reden" - zumindest was "kunst-rezensionen" wie zu büchern-hoerbuechern-filmen-blu ray-dvd etc. betrifft.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.10.2013 22:23:04 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 23.10.2013 11:42:07 GMT+02:00
Thomas Brasch meint:
Hallo Herr Haan, herzlichen Dank für den Kommentar. Was ihre Frage zu Werther betrifft: Ich lese gerade Rüdiger Safranskis Goethe Biografie. Wie immer begeistert von Safranski. Er erwähnt, dass dieses Phänomen reine Kolportage sei und es gar nicht zu nachweislichen Selbstmorden aufgrund des Buches kam. Wohl aber ging der Idee des Buches ein Selbstmord seines Bekannten Karl Wilhelm Jerusalem voraus. Hier in F denke ich wurde der Werther-Effekt eingesetzt, um die Schuldfrage des Vaters am Schicksal seiner Söhne noch mal zu dramatisieren. Es ist jedoch dem Leser überlassen, wie er in dieser Frage urteilt.

Veröffentlicht am 22.11.2013 16:24:12 GMT+01:00
Nightrider meint:
Hallo lieber Thomas Brasch,
habe gerade mit großer Freude Ihre ausführliche und fundierte Rezension gelesen und sogleich ein weiteres "Like" zu Ihren vielen "Likes" hinzugefügt. Meine heute verfasste eigene Rezension zum Buch wird wohl weiter hinten landen und dann nicht viele "Likes" bekommen, aber darum geht es mir auch gar nicht. Ich verfasse einfach gern nach dem Lesen eines guten Romans eine kurze Rezension, um das Gelesene noch einmal aktiv zu verarbeiten, und dann lese ich ein paar andere Rezensionen und freue mich, wenn ich noch neue Aspekte am Gelesenen entdecke, die mir vielleicht vorher gar nicht aufgefallen waren. In diesem Sinne vielen Dank für Ihre sehr schönen, spannenden, informativen Ausführungen!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.12.2013 19:00:18 GMT+01:00
Dauerleser meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Veröffentlicht am 31.05.2014 00:32:41 GMT+02:00
Danke für Ihren tollen Kommentar.Es gibt wenig von solcher Kompetenz und Fairness
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Thomas Brasch
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