53 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Höllentrip eines Egomanen, 17. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: 127 Hours - Im Canyon: Fünf Tage und Nächte bis zur schwierigsten Entscheidung meines Lebens (Taschenbuch)
Um mich auf einen der diesjährigen Oscarfavoriten passend einzustimmen, habe ich mir die Buchvorlage zu "127 Hours" durchgelesen. Das mache ich ja gerne mal, damit ich anschließend (zumindest meistens) über die nicht adäquate Verfilmung meckern kann. In diesem Fall jedoch dürfte das schwierig werden, da schon die literarische Vorlage nicht gerade zu Begeisterungsstürmen einlädt und ich somit nur hoffen kann, dass der Film besser abschneidet. Wobei ich auch das nicht so richtig glauben mag, denn dann müsste an Story und Hauptperson soviel geändert werden, dass es mit dem Buch sowieso rein gar nichts mehr zu tun hätte. Wie auch immer, I"m Canyon", die Autobiographie eines Sportfanatikers, der seine rechte Hand verliert, ist kein sonderlich gutes Buch und der Autor kein sonderlich sympathischer Mensch. Da können 375 Seiten schon mal ganz schön lang werden, gefühlt bestimmt länger als 127 Stunden. Aron Ralston, anno 2003 27 Jahre alt, ist begeisterter Bergsteiger, Wanderer, Rad- und Skifahrer und betreibt ähnliche halsbrecherische Sportarten, die ihn regelmäßig bis an seine Grenzen führen. Der Extremsportler hatte es sich unter anderem zum Ziel gesetzt, alle 59 4.000er Berge Colorados zu besteigen (im Winter 2004 hatte er dieses Ziel übrigens erreicht). Ralston ist gelernter Maschinenbauingenieur und bereits seit seiner Jugend nahezu fanatischer Bergsteiger und Wanderer. Nach ein paar Jahren als Ingenieur gibt er diesen Beruf zugunsten seines Freiheits- und Bewegungsdranges auf und wird Bergführer. Fortan leitet und führt er Gruppen durch die Berge und macht auch noch in seiner Freizeit weitere Bergbesteigungen und ähnlichen Extremsport. Er reist viel, ist überhaupt ständig in Bewegung und ebenso auf der Suche nach immer neuen Herausforderungen und Erfahrungen. So kommt es, dass er sich im April 2003 nach Utah begibt, um dort im Blue John Canyon herumzukraxeln. Was als Tagesausflug geplant war, mutiert zu den sechs schlimmsten Tagen seines Lebens. Durch einen losgetretenen Felsbrocken klemmt Ralston sich die Hand zwischen Stein und Felswand so unglücklich ein, dass er im Canyon gefangen ist. Mit nur knapp einem Liter Wasser, kaum etwas zu essen und dürftiger Ausrüstung beginnt sein Martyrium. Nach fünf Tagen ist Ralston dem Tode nah und sieht nur noch einen Ausweg, den Canyon lebend wieder zu verlassen... er muss sich von seiner Hand trennen. Dass ihm dies gelungen ist, zeigt das Cover des Buches. Aber wie es dazu kam, verbirgt sich hinter über 300 nur bedingt lesenswerten Seiten. Was diesem Buch relativ schnell das Genick bricht, ist zum einen Ralstons enervierender Erzählstil, der sich eben nicht nur auf die sechs Tage im Canyon beschränkt, sondern den Leser zu zahllosen Stationen seines vorherigen Lebens führt. Da Ralston vorwiegend von seinen endlosen sportlichen Aktivitäten berichtet, unzählige Berge besteigt und durch irgendwelche Schluchten hüpft, dürfte dies selbst für alpinaffine Leser nur schwer zu ertragen sein, weil es sich einfach ständig wiederholt. Zum anderen schreibt Ralston teilweise in einem derart selbstbezogenen und angeberischen Stil, dass einem schon nach der Schilderung einiger weniger seiner ach so außergewöhnlichen Abenteuer die Galle hochkommt. Der Kerl ist so von sich selbst überzeugt, dass man an vielen Stellen des Buches nur noch genervt mit den Augen rollen kann. Er versäumt es nicht, uns mitzuteilen, dass er als Bester seiner Klasse die Schule oder Uni oder so abgeschlossen hat, dass er ein Lawinenunglück überlebt und mit einem Bären gekämpft hat, wie toll seine Freunde ihn finden, wie unglaublich gut er bergsteigen kann, wie toll und einzigartig und besonnen und so weiter seine Familie ist, was er alles an coolen Fähigkeiten drauf hat, dass seine Schwester als Herausragendste ihres Jahrgangs ihr Studium abgeschlossen hat und so weiter und so fort. Darüber hinaus beschlich mich irgendwann das Gefühl, dass Alleskönner Ralston dieses Buch nie im Leben allein geschrieben haben kann, da er oft sehr seltsame Worte und hochgestochene Formulierungen verwendet, die auf einen versierten Ghostwriter oder zumindest literarischen Berater schließen lassen. Oder er hat einfach vergessen zu erwähnen, dass er selbstredend auch noch ein außergewöhnlicher Schriftsteller ist und das Bücherschreiben in einem Wochenendkurs in irgendeinem Basislager zwischen zwei Bergbesteigungen gelernt hat. Hätte Ralston sich auf seinen Unfall und die damit einhergehende unfreiwillige Gefangenschaft im Canyon beschränkt, wäre "Im Canyon" gar kein schlechtes Buch geworden. Denn die Passagen, in denen er vom Unfall, den Schmerzen, der Ausweglosigkeit und den Versuchen, sich selbst zu retten und zu befreien erzählt, sind durchweg spannend und machen betroffen. Auch verzichtet er hier auf sein egomanisches Geschwafel und die ständige Selbstbeweihräucherung. Umso bedauerlicher ist seine Entscheidung, das Buch durch seine vergangenen Heldentaten" zu strecken und so regelmäßig die Spannungskurve zum Absturz zu bringen. Auch verliert er hier teilweise den Respekt des Lesers, wenn er von so dämlichen wie unbedachten Begebenheiten erzählt, wo er sich aus purer Leichtsinnigkeit in lebensbedrohliche Situationen begeben hat. Auch die Tatsache, dass er (natürlich nur dieses eine Mal) niemandem erzählt hat, wo genau er wandern will, keinem eine Nachricht hinterlassen hat, wann er zurück sein wollte, er alleine wandert und auch kein Handy o. ä. dabei hat, lassen nicht unbedingt auf sein (natürlich auch von ihm selbst erwähntes) Verantwortungsbewusstsein schließen. Natürlich gönnt man ihm nicht, nun in diese scheinbar ausweglose Situation geraten zu sein, aber wirklich verwunderlich ist es nicht. Das Buch ist in die sechs Tage und Nächte nach dem Unfall gegliedert, und in jedem dieser Kapitel erfahren wir darüber hinaus etwas über Ralstons Werdegang und seine sportlichen Aktivitäten. Im Mittelteil des Buches befindet sich eine mehrseitige Fotostrecke, die Ralston vor und nach seinem Unfall zeigt, auch Bilder vom Unfallort sind dabei, da Ralston eine Kamera dabei hatte. Ergänzt wird das Ganze durch diverse Bergsteigerkarten und aufgezeichnete Streckenabschnitte. Wie gesagt, wirklich gelungen sind nur die Passagen über sein Martyrium, da diese geprägt sind von Sachlichkeit, Pragmatismus und ungeheurer Willenskraft. Ralston schildert jeden noch so aussichtslosen Versuch, sich aus seiner misslichen Lage zu befreien. Er hat mit Müdigkeit, Hunger, Durst, Schmerzen, Wut, Hoffnungslosigkeit und blindem Aktionismus zu kämpfen, mit Kälte, Verzweiflung und der Konfrontation mit dem offensichtlich Unausweichlichen, der Amputation der eigenen Hand mit einem stumpfen Messer. Auch die irgendwann endlich beginnende Suchaktion nach Ralston ist spannend, wobei hier schon wieder die endlosen Lobhudeleien auf Ralstons tolle Familie und unnachahmliche Freunde beginnen. Und, sobald Ralston sich befreit hat, ist er, natürlich trotz extremer Dehydrierung und halbtot, schon wieder in der Lage, zur Hilfe eilenden Wanderern Anweisungen zu erteilen und noch im Krankenhaus ein informatives Pläuschchen mit dem Sheriff zu halten, bevor er in den schmerzstillenden Morphiumnebel gleitet. Auch verliert er nach seiner Rettung kein einziges Wort darüber, ob er sich in psychologische Behandlung begeben musste (was ich mir bei einem derart "einschneidenden" Erlebnis kaum anders vorstellen kann). Stattdessen erhellt er uns damit, dass die Nachricht seiner Rettung um die ganze Welt" gegangen ist (natürlich), er tausende aufmunternde Briefe bekommen hat und er den Verlust seiner rechten Hand sogar irgendwie cool findet, weil es halt eine echte Grenzerfahrung für ihn war (und darauf scheint er ja zu stehen) und er das Leben jetzt mit anderen Augen sieht. Und natürlich hat er (zusammen mit drei Sponsoren) die Prothese für seinen Arm selbst entworfen, so dass er seit 2004 wieder fröhlich durch die Gegend kraxelt und hoffentlich nicht noch ein Buch schreibt über die Heldentaten, die er nun als Einarmiger noch vollführen wird. Ich komme zu dem Schluss, dass man "Im Canyon" nicht wirklich gelesen haben muss. Zwar sind die Beschreibungen dieser sechs Tage mit eingeklemmtem Arm in einer verlassenen Schlucht ziemlich krass und auch spannend, aber Ralstons egozentrischer Charakter und seine langatmigen und langweiligen Erzählungen über alles außerhalb der Schlucht verderben einem größtenteils das Lesevergnügen. Somit ist zu befürchten, dass der Film "127 Hours" auch kein Meisterwerk werden wird, aber ich guck ihn mir trotzdem mal an, so der Vollständigkeit halber. Bis dahin vergebe ich leider nur knappe drei von fünf Spitzhacken, die unkontrolliert auf des Lesers Nervenkostüm einhacken.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
127 Hours - Im Canyon: Fünf Tage und Nächte bis zur schwierigsten Entscheidung meines Lebens 3548374085
Aron Ralston
Ullstein Taschenbuch
127 Hours - Im Canyon: Fünf Tage und Nächte bis zur schwierigsten Entscheidung meines Lebens
Alle Produkte
Höllentrip eines Egomanen
Um mich auf einen der diesjährigen Oscarfavoriten passend einzustimmen, habe ich mir die Buchvorlage zu "127 Hours" durchgelesen. Das mache ich ja gerne mal, damit ich anschließend (zumindest meistens) über die nicht adäquate Verfilmung meckern kann. In diesem Fall jedoch dürfte das schwierig werden, da schon die literarische Vorlage nicht gerade zu Begeisterungsstürmen einlädt und ich somit nur hoffen kann, dass der Film besser abschneidet. Wobei ich auch das nicht so richtig glauben mag, denn dann müsste an Story und Hauptperson soviel geändert werden, dass es mit dem Buch sowieso rein gar nichts mehr zu tun hätte. Wie auch immer, I"m Canyon", die Autobiographie eines Sportfanatikers, der seine rechte Hand verliert, ist kein sonderlich gutes Buch und der Autor kein sonderlich sympathischer Mensch. Da können 375 Seiten schon mal ganz schön lang werden, gefühlt bestimmt länger als 127 Stunden.
Aron Ralston, anno 2003 27 Jahre alt, ist begeisterter Bergsteiger, Wanderer, Rad- und Skifahrer und betreibt ähnliche halsbrecherische Sportarten, die ihn regelmäßig bis an seine Grenzen führen. Der Extremsportler hatte es sich unter anderem zum Ziel gesetzt, alle 59 4.000er Berge Colorados zu besteigen (im Winter 2004 hatte er dieses Ziel übrigens erreicht). Ralston ist gelernter Maschinenbauingenieur und bereits seit seiner Jugend nahezu fanatischer Bergsteiger und Wanderer. Nach ein paar Jahren als Ingenieur gibt er diesen Beruf zugunsten seines Freiheits- und Bewegungsdranges auf und wird Bergführer. Fortan leitet und führt er Gruppen durch die Berge und macht auch noch in seiner Freizeit weitere Bergbesteigungen und ähnlichen Extremsport. Er reist viel, ist überhaupt ständig in Bewegung und ebenso auf der Suche nach immer neuen Herausforderungen und Erfahrungen. So kommt es, dass er sich im April 2003 nach Utah begibt, um dort im Blue John Canyon herumzukraxeln. Was als Tagesausflug geplant war, mutiert zu den sechs schlimmsten Tagen seines Lebens. Durch einen losgetretenen Felsbrocken klemmt Ralston sich die Hand zwischen Stein und Felswand so unglücklich ein, dass er im Canyon gefangen ist. Mit nur knapp einem Liter Wasser, kaum etwas zu essen und dürftiger Ausrüstung beginnt sein Martyrium. Nach fünf Tagen ist Ralston dem Tode nah und sieht nur noch einen Ausweg, den Canyon lebend wieder zu verlassen... er muss sich von seiner Hand trennen. Dass ihm dies gelungen ist, zeigt das Cover des Buches. Aber wie es dazu kam, verbirgt sich hinter über 300 nur bedingt lesenswerten Seiten.
Was diesem Buch relativ schnell das Genick bricht, ist zum einen Ralstons enervierender Erzählstil, der sich eben nicht nur auf die sechs Tage im Canyon beschränkt, sondern den Leser zu zahllosen Stationen seines vorherigen Lebens führt. Da Ralston vorwiegend von seinen endlosen sportlichen Aktivitäten berichtet, unzählige Berge besteigt und durch irgendwelche Schluchten hüpft, dürfte dies selbst für alpinaffine Leser nur schwer zu ertragen sein, weil es sich einfach ständig wiederholt. Zum anderen schreibt Ralston teilweise in einem derart selbstbezogenen und angeberischen Stil, dass einem schon nach der Schilderung einiger weniger seiner ach so außergewöhnlichen Abenteuer die Galle hochkommt. Der Kerl ist so von sich selbst überzeugt, dass man an vielen Stellen des Buches nur noch genervt mit den Augen rollen kann. Er versäumt es nicht, uns mitzuteilen, dass er als Bester seiner Klasse die Schule oder Uni oder so abgeschlossen hat, dass er ein Lawinenunglück überlebt und mit einem Bären gekämpft hat, wie toll seine Freunde ihn finden, wie unglaublich gut er bergsteigen kann, wie toll und einzigartig und besonnen und so weiter seine Familie ist, was er alles an coolen Fähigkeiten drauf hat, dass seine Schwester als Herausragendste ihres Jahrgangs ihr Studium abgeschlossen hat und so weiter und so fort. Darüber hinaus beschlich mich irgendwann das Gefühl, dass Alleskönner Ralston dieses Buch nie im Leben allein geschrieben haben kann, da er oft sehr seltsame Worte und hochgestochene Formulierungen verwendet, die auf einen versierten Ghostwriter oder zumindest literarischen Berater schließen lassen. Oder er hat einfach vergessen zu erwähnen, dass er selbstredend auch noch ein außergewöhnlicher Schriftsteller ist und das Bücherschreiben in einem Wochenendkurs in irgendeinem Basislager zwischen zwei Bergbesteigungen gelernt hat.
Hätte Ralston sich auf seinen Unfall und die damit einhergehende unfreiwillige Gefangenschaft im Canyon beschränkt, wäre "Im Canyon" gar kein schlechtes Buch geworden. Denn die Passagen, in denen er vom Unfall, den Schmerzen, der Ausweglosigkeit und den Versuchen, sich selbst zu retten und zu befreien erzählt, sind durchweg spannend und machen betroffen. Auch verzichtet er hier auf sein egomanisches Geschwafel und die ständige Selbstbeweihräucherung. Umso bedauerlicher ist seine Entscheidung, das Buch durch seine vergangenen Heldentaten" zu strecken und so regelmäßig die Spannungskurve zum Absturz zu bringen. Auch verliert er hier teilweise den Respekt des Lesers, wenn er von so dämlichen wie unbedachten Begebenheiten erzählt, wo er sich aus purer Leichtsinnigkeit in lebensbedrohliche Situationen begeben hat. Auch die Tatsache, dass er (natürlich nur dieses eine Mal) niemandem erzählt hat, wo genau er wandern will, keinem eine Nachricht hinterlassen hat, wann er zurück sein wollte, er alleine wandert und auch kein Handy o. ä. dabei hat, lassen nicht unbedingt auf sein (natürlich auch von ihm selbst erwähntes) Verantwortungsbewusstsein schließen. Natürlich gönnt man ihm nicht, nun in diese scheinbar ausweglose Situation geraten zu sein, aber wirklich verwunderlich ist es nicht.
Das Buch ist in die sechs Tage und Nächte nach dem Unfall gegliedert, und in jedem dieser Kapitel erfahren wir darüber hinaus etwas über Ralstons Werdegang und seine sportlichen Aktivitäten. Im Mittelteil des Buches befindet sich eine mehrseitige Fotostrecke, die Ralston vor und nach seinem Unfall zeigt, auch Bilder vom Unfallort sind dabei, da Ralston eine Kamera dabei hatte. Ergänzt wird das Ganze durch diverse Bergsteigerkarten und aufgezeichnete Streckenabschnitte.
Wie gesagt, wirklich gelungen sind nur die Passagen über sein Martyrium, da diese geprägt sind von Sachlichkeit, Pragmatismus und ungeheurer Willenskraft. Ralston schildert jeden noch so aussichtslosen Versuch, sich aus seiner misslichen Lage zu befreien. Er hat mit Müdigkeit, Hunger, Durst, Schmerzen, Wut, Hoffnungslosigkeit und blindem Aktionismus zu kämpfen, mit Kälte, Verzweiflung und der Konfrontation mit dem offensichtlich Unausweichlichen, der Amputation der eigenen Hand mit einem stumpfen Messer. Auch die irgendwann endlich beginnende Suchaktion nach Ralston ist spannend, wobei hier schon wieder die endlosen Lobhudeleien auf Ralstons tolle Familie und unnachahmliche Freunde beginnen. Und, sobald Ralston sich befreit hat, ist er, natürlich trotz extremer Dehydrierung und halbtot, schon wieder in der Lage, zur Hilfe eilenden Wanderern Anweisungen zu erteilen und noch im Krankenhaus ein informatives Pläuschchen mit dem Sheriff zu halten, bevor er in den schmerzstillenden Morphiumnebel gleitet. Auch verliert er nach seiner Rettung kein einziges Wort darüber, ob er sich in psychologische Behandlung begeben musste (was ich mir bei einem derart "einschneidenden" Erlebnis kaum anders vorstellen kann). Stattdessen erhellt er uns damit, dass die Nachricht seiner Rettung um die ganze Welt" gegangen ist (natürlich), er tausende aufmunternde Briefe bekommen hat und er den Verlust seiner rechten Hand sogar irgendwie cool findet, weil es halt eine echte Grenzerfahrung für ihn war (und darauf scheint er ja zu stehen) und er das Leben jetzt mit anderen Augen sieht. Und natürlich hat er (zusammen mit drei Sponsoren) die Prothese für seinen Arm selbst entworfen, so dass er seit 2004 wieder fröhlich durch die Gegend kraxelt und hoffentlich nicht noch ein Buch schreibt über die Heldentaten, die er nun als Einarmiger noch vollführen wird.
Ich komme zu dem Schluss, dass man "Im Canyon" nicht wirklich gelesen haben muss. Zwar sind die Beschreibungen dieser sechs Tage mit eingeklemmtem Arm in einer verlassenen Schlucht ziemlich krass und auch spannend, aber Ralstons egozentrischer Charakter und seine langatmigen und langweiligen Erzählungen über alles außerhalb der Schlucht verderben einem größtenteils das Lesevergnügen. Somit ist zu befürchten, dass der Film "127 Hours" auch kein Meisterwerk werden wird, aber ich guck ihn mir trotzdem mal an, so der Vollständigkeit halber. Bis dahin vergebe ich leider nur knappe drei von fünf Spitzhacken, die unkontrolliert auf des Lesers Nervenkostüm einhacken.
MissVega
17. Februar 2011
- Insgesamt:
5

|
Details
Ort: Hamburg
Top-Rezensenten Rang: 1.166
|