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Kundenrezension

118 von 134 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Oscar für Leonardo ist überfällig - großartiger und anspruchsvoller Film, 8. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: J. Edgar (DVD)
Clint Eastwood ist mit diesem Film aus meiner Sicht ein Meisterwerk gelungen. Er erzählt von 1919 bis Anfang der 70er Jahre die Geschichte des einst mächtigsten Mannes der USA, der mehr als vier Jahrzehnte der Chef des FBI war. Die Erzählweise Eastwoods über J.Edgar Hoover ist nie verurteilend, läßt Spielraum für eigene Interpretionen und zeigt vielleicht eher die Gründe auf, warum in der amerikanischen Gesellschaft Urteile auf die ein oder andere Weise gefällt werden.

Er zeigt den Protagonisten als vielschichtigen Charakter, rücksichtslos und rassistisch, fortschrittlich und weitblickend, dem Wahn verfallen, alles (wohl nicht nur vor dem Kommunismus) beschützen zu müssen und gleichzeitig innerlich zerbrechlich, fast panikerfüllt vor der eigenen Idendität. In einer Zeit, in der man das Wort Homosexualität nicht mal aussprechen durfte, sich zum männlichen Geschlecht hingezogen fühlend, mit einer dominanten Mutter(großartig gespielt von Judi Dench), die dem Sohn klar macht, was sie von ihm erwartet und dass sie Homosexualität verachtet, scheint er keine Chance zu haben, einen Ausweg aus dem inneren Chaos zu finden.
Um so mehr ordnet er die äußeren Strukturen akribisch.

Natürlich kommen neben dem Aufbau der Behörde, des FBI durch J. Edgar Hoover all die bekannten politischen Irrungen und Wirrungen dieser Zeit im Film vor, wie etwa die Entführung des Charles Lindbergh Sohnes, die diversen Affairen der Präsidenten oder deren Gattinen, die er alle ausspionieren ließ und sein Wissen nutzte. Ebenso sind der bis heute geheimnisumwitterte Mord an Kennedy sowie J. Edgars Vorgehensweise gegen Martin Luther King Thema. Erst in Richard Nixon und noch während des Vietnam Krieges findet er in dem 8. Präsidenten, den er erlebt, seinen Meister. Inzwischen alt und krank, hat er diesem nichts mehr entgegezusetzen.

Besonders berührend und großer Teil des Films ist, trotz der schwierigen Umstände und den Urteilen der eigenen Mutter wie der Gesellschaft zu dieser Zeit, die lebenslang dauernde Liebesgeschichte zwischen J. Edgar und seinem Berater Clyde Tolsen. Sie läßt zwar einige Schlüsse offen und Raum für Fantasie (da der letztliche Beweis ja immer fehlte), aber sie wird von Clint Eastwood doch deutlich und in wunderbaren Bildern inszeniert. Obwohl J. Edgar Angst vor seinen Gefühlen und denen seines Freundes hat, kommen diese in einer Hotelszene zwischen ihm und Clyde(wunderbar gespielt von Armie Hammer) schließlich zum Ausbruch und werden über den gesamten Film in vielen weiteren kleinen und doch so bewegenden Szenen, in denen die beiden sich bis ins hohe Alter umeinander sorgen, beschrieben.

Der Abschluss des Films ist dann nocheinmal überraschend, sehr gelungen und berührend. Ausgerechnet von Clyde wird J.Edgar in einer entscheidenden Nacht sein Leben gespiegelt. Auch hier geht es um all die großen politischen Ereignisse wie J Edgar sie sieht (und man begreift mal wieder, dass man doch selbst so oft einen Film nur durch die Augen des Protagonisten sieht...um dann den Aha-Effekt zu bekommen), vor allem aber um die Liebe zueinander und sich gegenseitig endgültig nichts mehr vorzumachen.

Leider ist der Film in den deutschen Kinos bis dato gefloppt. Unverständlich und doch wieder verständlich, da es kein Film für jedermann ist. Keine seichte Twilight Unterhaltung (nichts gegen Twilight ;-)), sondern anspruchsvolles Kino, vielleicht eher nicht für die ganz junge Generation. Ich kann nur empfehlen, sich diesen Film, solange er noch im Kino läuft oder auf DVD anzusehen. Er ist etwas über zwei Stunden lang, aber nie langweilig. Die Farben, Eastwood typisch gedämpft, die Erzählweise wunderbar respektvoll.
Ganz besonders hervorzuheben ist aber die Leistung nicht nur Clint Eastwoods, sondern die aller Schauspieler: Armie Hammer als J.Edgars großer Liebe, Berater und Freund, Judi Dench als Mutter, ebenso wie Naomi Watts als seine ewig, bis zu seinem Tode treue Sekretärin und Bewahrerin aller Geheimnisse. Allen voran aber ein Leonardo di Caprio, der sich wie schon in so vielen Filmen zuvor mit einer Intensität in die Rolle hineinversetzt, dass es einen schaudert. Dieser Mann hat seit Titanic eine schauspielerische Entwicklung durchgemacht, die ihresgleichen sucht. Schon für Aviator, Blood Diamond, Departed, Shutter Island und Inception wäre ein Oscar mehr als verdient gewesen. Als J.Edgar zeigt er erneut, dass das schwierige und facettenreiche im Menschen darzustellen, seine Leidenschaft ist. Allein die Szene, als J.Edgars Mutter im Film stirbt und er sein Outing nur für sich vor dem Spiegel erlebt, das gleichzeitig die Liebe zur Mutter und die Furcht vor ihr, wie seine eigene Identität zeigt, die ihn schließlich zusammenbrechen läßt, ist so authentisch und keineswegs übertrieben gespielt, dass einem deutlich wird, wie überfällig der Oscar längst ist.

Unbedingt ansehen!

An Clint Eastwood und Leonardo: Danke für dieses Meisterwerk und diese wunderbare Kino-Unterhaltung!
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Von 1 Kunden verfolgt

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1-9 von 9 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 16.02.2012 11:56:48 GMT+01:00
Sopranos meint:
Großes Kompliment für Ihre Rezension! Dass DiCaprio für den Oscar nicht einmal nominiert wurde halte ich für eine geradezu peinliche Fehlentscheidung. Dass statt ihm Brad Pitt und George Clooney (die ich beide schätze) nominiert wurden ist geradezu lächerlich. Ich hätte gern Pitt oder Clooney in der schwierigen Rolle von Hoover gesehen, das wäre wohl für beide einige Nummern zu groß gewesen.
Judi Dench und Naomi Watts waren wie DiCaprio hervorragend, Armie Hammer ist mir dagegen überhaupt nicht aufgefallen. Für mich ist er ein beliebig austauschbares Milchgesicht (Jahrgang 86), da habe ich von Eastwood höhere Ansprüche erwartet. Der Maskenbildner hat 'Clyde Tolson' vom jungen Mann geradewegs in eine Mumie verwandelt, das hätte ich ihm als Regisseur nicht durchgehen lassen. Die Altersmaske des 'J. Edgar Hoover' -der in Wirklichkeit 5 Jahre älter als Tolson war- ist weitaus besser ausgefallen. VG Sopranos

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.02.2012 20:17:24 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 28.02.2012 23:28:17 GMT+01:00
Hallo Sopranos,
vielen Dank für das Kompliment! ;-)
Armie Hammer fand ich in in der Rolle wirklich gut, insb. in der Hotelszene sehr authentisch. Recht gebe ich Ihnen aber bzgl. des Maskenbildners, bei Leonardo ging das noch, aber bei Armie Hammer war die Altersmaske wirklich nicht gelungen. Im Laufe des Films hat mich das aber immer weniger gestört, denn der Film an sich war große Klasse. VG

Veröffentlicht am 26.02.2012 03:14:29 GMT+01:00
eMKa meint:
ware worte! auf den wohl verdienten oscar warte ich auch schon vergebens...
schon allein für die bisher beste schauspielerische leistung seinerseits (aviator) hätte der academy award zu ihm wandern müssen!

meiner meinung einer der besten und schwierigsten darstellungen der filmgeschichte!

dass george clooney für den oscar nominiert wurde, war abzusehen! seine darstellungen verdient beachtung und er ist meiner meinung nach der hohe favorit auf das goldene männlein ;)
jedoch finde ich, dass z.b. brad pitt bei den diesjährigen academy-verleihungen nichts zu suchen hat! wie schon bereits erwähnt wurde, ist es eine gerade zu peinliche entscheidung, dass dicaprio nicht unter den nominierten ist!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.02.2012 14:20:55 GMT+01:00
Sopranos meint:
Clooneys Leistung in The Descendants hat mich nicht gerade umgehauen, gegen DiCaprio stinkt er generell geradezu ab.

Ganz klar dass die Darstellung vom Sonderling Howard Hughes besonderes Spitzengefühl und Können erforderte, ob es Leos beste Leistung war sei dahingestellt. Er spielt durchgehend auf höchstem Niveau, ich kann nicht sagen in welcher Rolle er mir am besten gefallen hat.
In Gilbert Grape hat er als 19jähriger 'Anfänger' Johnny Depp an die Wand gespielt und in Catch Me If You Can hat er Tom Hanks blass aussehen lassen. Grandios auch in Departed - Unter Feinden (Einzel-DVD) wo Jack Nicholson, Matt Damon und vor allem Mark Wahlberg nicht mithalten konnten. - Wie gesagt Leos 1. Oscar ist seit Jahren überfällig!

Was die Oscar-Verleihung 2012 betrifft wird höchstwahrscheinlich The Artist abräumen! Jean Dujardin hat im Vorfeld alles gewonnen was es zu gewinnen gibt, er ist der TOP-Favorit für den Goldjungen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.02.2012 18:46:50 GMT+01:00
KSC meint:
Bei der tollen Rezension über den tollen Film bleibt nur eins zu sagen:
Ja!
und nochmals*Trommelwirbel*JA!:-)

Vielen Dank;es macht Spaß,derartig gute und filigran erfasste Gedanken zu lesen*Verbeug*

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.02.2012 20:20:47 GMT+01:00
eMKa meint:
@ sopranos

muss dir klar zustimmen. (fast) alle darstellungen von dicaprio sind einzigartig. daher sehe ich ihn auch schon seit einigen jahren als der momentan beste schauspieler! und seiner darbietung in departed gehört ebenfalls eine hohe beachtung. grandios gespielt! jedoch ist ihm meiner meinung nach in aviator seine bisherige bestleistung gelungen, wobei aviator nicht mein lieblingsfilm unter den von dicaprio gespielten ist. aviator ist dennoch einer meiner favoriten!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.06.2012 12:22:30 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.06.2012 12:24:48 GMT+02:00
AndiS meint:
Also wie man Hammer hier Austauschbarkeit unterstellen kann... Er hätte die Nomminierung eher verdient gehabt als DiCaprio... Wahnsinnig gute Leistung!

Im Großen und Ganzen eher enttäuscht gewesen, habe den FIlm eher als eine Art Dokumentation wahrgenommen obwohl ich das Thema super interessant finde!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.01.2013 02:03:15 GMT+01:00
Toru Okada meint:
Bitte nicht auf seine ganz frühen Filme "This Boys Life" und "Jim Carroll" vergessen. Schon hier sah man, was für ein grandioser Schauspieler Leo ist.

Auch "The Beach" sollte man gesehen haben.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.02.2013 03:54:14 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.02.2013 03:59:26 GMT+01:00
BabsiG. meint:
genau das wollte ich auch schon anfügen, wenn du es nicht schon getan hättest! speziell in Jim Caroll spielt er den Junkie sowas von glaubwürdig und echt, als ob er bei einem in die Lehre gegangen wäre! This Boys Life, an der Seite von De Niro ist auch sehr intensiv gespielt, also ich verfolge Di Caprios schauspielerische Darstellungen schon sehr lange und bin auch sehr beeindruckt, wenn gleich ich die älteren Filme oft besser finde, liegt aber oft auch an der Story, catch me if you can fand ich aber z.b. seehr gut, da wäre auch ein Oscar fällig gewesen!
J. Edgar habe ich noch nicht gesehen, werde ihn mir aber kaufen!

P.s P.s Romeo und Julia... das war doch wohl auch eine Meisterleistung! Shakespeare in neuem Gewand und so leicht mindestens einer Generation nahe gebracht und Leo war noch süß und unschuldig und verdammt gut!
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