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Guter Überblick, 28. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Gladiatoren - Das Spiel um Leben und Tod. (Gebundene Ausgabe)
Bei Meijers Büchlein, welches in einer Übersetzung aus dem Niederländischen vorliegt, handelt es sich offenkundig um eine jener Veröffentlichungen, die im Zuge des Gladiatorenbooms der letzten Jahre erschienen sind. Ausgelöst wurde dieser Boom durch Ridley Scotts Film Gladiator (2000), der zu Recht mit vier Oscars (u. a. für den besten Film) prämiert wurde und das Interesse einer breiten Öffentlichkeit auf die Helden der Arena lenkte. Gleichzeitig erwachte aber in vielen Menschen, die diesen Film im Kino gesehen hatten, der Wunsch, das Geschehen im Kolosseum nicht nur durch die Brille Hollywoods zu betrachten, sondern auch die historische Wahrheit hinter den Kulissen des Leinwandepos zu erforschen. Dass das Interesse seither nicht geringer wurde, belegt auch die Tatsache, dass nunmehr seit zwei Saisonen im Archäologischen Park Carnuntum höchst erfolgreich Gladiatorenspiele mit wissenschaftlichem Anspruch gezeigt werden. Großartiges leistete auf diesem Gebiet der deutsche Experimentalarchäologe Marcus Junkelmann mit seinem längst zum Standardwerk avancierten Buch Das Spiel mit dem Tod - So kämpften Roms Gladiatoren (Mainz: Philipp von Zabern 2000), das man in diesem Zusammenhang nicht hoch genug schätzen kann. Eine preiswerte Alternative zur Publikation Junkelmanns stellt Fik Meijers Büchlein in jedem Fall dar. Der Althistoriker ergründet zunächst den Ursprung und die Entwicklung der Gladiatorenspiele, indem er den Bogen von den Bestattungsriten der frühen römischen Republik über den zum Freiheitskämpfer hochstilisierten Spartacus bis hin zur Eröffnung des flavischen Amphitheaters spannt. Meijer beleuchtet die gesellschaftliche Stellung und den sozialen Hintergrund der Schwertkämpfer ebenso wie deren Ausbildung, die verschiedenen Gladiatorengattungen, das Phänomen der weiblichen Gladiatoren und sogar deren Liebesleben. Alle Texte, die Meijer als Quellen heranzieht, nimmt er leider nur in Übersetzung auf, so dass dem interessierten Philologen der Griff zum Original nicht erspart bleibt - was bei Juvenal, Sueton oder Livius kein Problem darstellt, aber spätestens beim Corpus Inscriptionum Latinarum eine Pilgerfahrt zur nächstgelegenen Großstadtbibliothek unumgänglich macht. Einen guten Überblick über die wichtigsten Amphitheater geben das Kapitel „Die Nachbauten des Kolosseums" sowie ein spezielles Verzeichnis im Anhang. Von der Faszination, die trotz dem eigentlichen Zweck ihrer Erbauung von diesen architektonischen Meisterleistungen ausgeht, konnte sich der Rezensent unlängst zu Ostern in El Djem (dem antiken Tysdrus) in Tunesien überzeugen. Wenn allerdings im Anhang von Petronel/Carnuntum [sic] die Rede ist, so ist dies für die meisten Leser wohl nur ein Druckfehler, für den Rezensenten, der sich der einstigen Donaumetropole seit langem sehr verbunden fühlt, jedoch eine schwer zu verzeihende Ungenauigkeit. Den „Gladiatoren im Film" ist ein eigener Abschnitt des Büchleins gewidmet, insbesondere dem 1959 gedrehten Spartacus und dem schon erwähnten Gladiator. Wer sich aber eine tiefgehende Analyse der beiden Streifen erwartet, wird hier enttäuscht - und sollte abermals zu Junkelmann greifen: Hollywoods Traum von Rom (Mainz: Philipp von Zabern 2004) behandelt die Liebe der US-amerikanischen Filmindustrie zu Monumentalepen in einer Weise, die jede weitere Beschäftigung mit dem selben Thema bestenfalls oberflächlich erscheinen lässt. Man muss aber Meijer zugute halten, dass es nicht sein Hauptanliegen war, sich diesem sehr speziellen Aspekt allzu ausführlich widmen zu wollen. So wird auch der nicht zu unterschätzende Einfluss von Jean-Léon Gérômes Gemälde Pollice verso, das auch den Umschlag des Büchleins schmückt, nur en passant erwähnt. Auf die historisch und archäologisch unkorrekten Elementen geht der Autor nicht ein; vielmehr gipfelt seine kurze Bildbeschreibung in der Feststellung: „Es ist in der Tat ein herrliches Gemälde." Es ist in der Tat ein herrliches Buch - wenn man als Unkundiger Erstinformation sucht. Der wirklich Interessierte greife zu Junkelmann!
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Gladiatoren - Das Spiel um Leben und Tod. 3760823033
Fik Meijer
Artemis & Winkler
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Guter Überblick
Bei Meijers Büchlein, welches in einer Übersetzung aus dem Niederländischen vorliegt, handelt es sich offenkundig um eine jener Veröffentlichungen, die im Zuge des Gladiatorenbooms der letzten Jahre erschienen sind. Ausgelöst wurde dieser Boom durch Ridley Scotts Film Gladiator (2000), der zu Recht mit vier Oscars (u. a. für den besten Film) prämiert wurde und das Interesse einer breiten Öffentlichkeit auf die Helden der Arena lenkte. Gleichzeitig erwachte aber in vielen Menschen, die diesen Film im Kino gesehen hatten, der Wunsch, das Geschehen im Kolosseum nicht nur durch die Brille Hollywoods zu betrachten, sondern auch die historische Wahrheit hinter den Kulissen des Leinwandepos zu erforschen. Dass das Interesse seither nicht geringer wurde, belegt auch die Tatsache, dass nunmehr seit zwei Saisonen im Archäologischen Park Carnuntum höchst erfolgreich Gladiatorenspiele mit wissenschaftlichem Anspruch gezeigt werden. Großartiges leistete auf diesem Gebiet der deutsche Experimentalarchäologe Marcus Junkelmann mit seinem längst zum Standardwerk avancierten Buch Das Spiel mit dem Tod - So kämpften Roms Gladiatoren (Mainz: Philipp von Zabern 2000), das man in diesem Zusammenhang nicht hoch genug schätzen kann. Eine preiswerte Alternative zur Publikation Junkelmanns stellt Fik Meijers Büchlein in jedem Fall dar. Der Althistoriker ergründet zunächst den Ursprung und die Entwicklung der Gladiatorenspiele, indem er den Bogen von den Bestattungsriten der frühen römischen Republik über den zum Freiheitskämpfer hochstilisierten Spartacus bis hin zur Eröffnung des flavischen Amphitheaters spannt. Meijer beleuchtet die gesellschaftliche Stellung und den sozialen Hintergrund der Schwertkämpfer ebenso wie deren Ausbildung, die verschiedenen Gladiatorengattungen, das Phänomen der weiblichen Gladiatoren und sogar deren Liebesleben. Alle Texte, die Meijer als Quellen heranzieht, nimmt er leider nur in Übersetzung auf, so dass dem interessierten Philologen der Griff zum Original nicht erspart bleibt - was bei Juvenal, Sueton oder Livius kein Problem darstellt, aber spätestens beim Corpus Inscriptionum Latinarum eine Pilgerfahrt zur nächstgelegenen Großstadtbibliothek unumgänglich macht. Einen guten Überblick über die wichtigsten Amphitheater geben das Kapitel „Die Nachbauten des Kolosseums" sowie ein spezielles Verzeichnis im Anhang. Von der Faszination, die trotz dem eigentlichen Zweck ihrer Erbauung von diesen architektonischen Meisterleistungen ausgeht, konnte sich der Rezensent unlängst zu Ostern in El Djem (dem antiken Tysdrus) in Tunesien überzeugen. Wenn allerdings im Anhang von Petronel/Carnuntum [sic] die Rede ist, so ist dies für die meisten Leser wohl nur ein Druckfehler, für den Rezensenten, der sich der einstigen Donaumetropole seit langem sehr verbunden fühlt, jedoch eine schwer zu verzeihende Ungenauigkeit. Den „Gladiatoren im Film" ist ein eigener Abschnitt des Büchleins gewidmet, insbesondere dem 1959 gedrehten Spartacus und dem schon erwähnten Gladiator. Wer sich aber eine tiefgehende Analyse der beiden Streifen erwartet, wird hier enttäuscht - und sollte abermals zu Junkelmann greifen: Hollywoods Traum von Rom (Mainz: Philipp von Zabern 2004) behandelt die Liebe der US-amerikanischen Filmindustrie zu Monumentalepen in einer Weise, die jede weitere Beschäftigung mit dem selben Thema bestenfalls oberflächlich erscheinen lässt. Man muss aber Meijer zugute halten, dass es nicht sein Hauptanliegen war, sich diesem sehr speziellen Aspekt allzu ausführlich widmen zu wollen. So wird auch der nicht zu unterschätzende Einfluss von Jean-Léon Gérômes Gemälde Pollice verso, das auch den Umschlag des Büchleins schmückt, nur en passant erwähnt. Auf die historisch und archäologisch unkorrekten Elementen geht der Autor nicht ein; vielmehr gipfelt seine kurze Bildbeschreibung in der Feststellung: „Es ist in der Tat ein herrliches Gemälde." Es ist in der Tat ein herrliches Buch - wenn man als Unkundiger Erstinformation sucht. Der wirklich Interessierte greife zu Junkelmann!
Mag Michael Strobl
28. April 2005
- Insgesamt:
5

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Details
Ort: Bruckneudorf
Top-Rezensenten Rang: 60.763
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