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Die Macht der Ohnmacht,
17. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: The International (DVD)
Das Berlin des neuen Jahrtausends - die Übergabe wichtiger Informationen über die dubiosen Machenschaften im Bereich des Waffenhandels einer Bank an die Ermittler von Interpol endet in einem Fiasko. Louis Salingers (Clive Owen) Partner bricht vor seinen Augen sterbend zusammen, während den Informanten nach kurzer Zeit das gleiche Schicksal ereilt. Salinger intensiviert nun die Ermittlungen, wird aber von zahlreichen Instanzen behindert und muss schließlich zu verzweifelten und unorthodoxen Mitteln greifen, um der waffenschiebenden Bankgruppe IBBC das Handwerk legen zu können.
Tom Tykwers Politthriller mit Clive Owen und Naomi Watts in den Hauptrollen baut über gute 100 Minuten ein enormes Spannungsgeflecht auf, das dem Zuschauer recht eindrucksvoll die Mechanismen der politischen und wirtschaftlichen Welt in einem Horrorszenario präsentiert. Gleich, ob ähnliche Abläufe, wie die im Film dargestellten, auch in der Realität machbar wären, sie erscheinen hier plausibel und damit erschreckender, als mancher Horrorstreifen. Dies ist zum einen der Verdienst von Tykwer, der mit seinem besonnenen Stil für das Genre prädestiniert zu sein scheint und zum anderen die Leistung der zahlreichhen top besetzten Nebendarsteller, unter anderem Armin Müller-Stahl als ideologisch versteifter Ex-Stasiagent.
Neben allen positiven Faktoren muss jedoch auch zugegeben werden, das der Streifen vermutlich überwiegend Fans des Genres anspricht. Zwar wird auch Actionfans mit der unglaublich gut choreografierten Schießerei im New Yorker Guggenheim-Museum (hatte da etwa Mitproduzent John Woo die Hände im Spiel?) ein Leckerbissen geboten, aber einen Großteil seines Reizes bezieht "The International" aus den fesselnden Dialogen um Macht und Moral - und das meine ich gänzlich ohne ironischen Unterton. Was mich z.B. bei "Heaven" noch wirklich störte (endlose Laberei, zu wenig greifbare Spannung) ist hier die ganz große Stärke.
Insgesamt vergebe ich an "The International" vier Sterne, wobei sich der Abzug daraus ergibt, dass die Story am Ende doch etwas "unfertig" wirkt und einige Dinge dem Publikum vielleicht in etwas mehr als einer Abfolge von Zeitungsartikeln hätten näher gebracht werden können. Trotzdem handelt es sich um einen guten Film, der Lust auf mehr Politthriller der Marke "Tykwer" macht.
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