Kundenrezension

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine Ausnahme, 16. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Anas Schakfeh: Das österreichische Gesicht des Islams (Gebundene Ausgabe)
Meine Regel ist es, ausschließlich "positive" Rezensionen zu verfassen und von "negativen" meine Finger ganz zu lassen. Doch was wäre eine Regel ohne Ausnahme.
Die Begründung gerade bei diesem Buch, quasi eine Ausnahme zu machen, liegt im Wissen des Schreibers um die tatsächlichen Verhältnisse und die daraus entstehende Verantwortung gegenüber historischer Geschichtsschreibung.

Gelungen ist dem jungen Politwissenschaftler Farid Hafez jedenfalls ein sehr schmeichelhaftes, offenbar von allen maßgebenden Seiten gewünschtes, "politisch korrektes" biographisches Bild jenes Mannes zu zeichnen, welcher nicht nur das Gesicht, sondern de facto auch die "Stimme des Islams" im österreichischen Fernsehen gab.
Und außer Frage steht, dass Schakfeh unter anderem wirklich intelligent, gebildet, sehr höflich, zurückhaltend und außergewöhnlich eloquent ist, ein phänomenales Gedächtnis besitzt und ein, vor allem vorzügliches diplomatisches, politisches Gespür für zweckdienliche nationale und internationale Bündnisse aufweist.
Und - eines kann man Anas Schakfeh bestimmt nicht vorwerfen. Nämlich, dass er Religion und Politik nicht hätte zu trennen gewusst, nicht wahr?

Doch wo Licht ist, ist in dieser Welt auch Schatten - eine Tatsache, die nach hermetischer Grundregel auch in der Welt des Buches nicht minder gelten müsste.

Im letzten Kapitel, "Vermächtnis", schreibt Hafez: "Schakfeh fand 1997 eine marode Glaubensgemeinschaft vor".

Da stellt sich allerdings die Frage, die gleicherweise auch an den damaligen Vorsitzenden der Islamischen Religionsgemeinde Linz, für O.Ö & Sbg. zu richten wäre: "Warum hatten die beiden, damals einzigen Gemeindevorsitzenden, gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Schura Rates, Gott hab ihn selig, den "maroden Zustand" der IGGiÖ nicht zu verhindern vermocht?"
War doch Anas Schakfeh eine weit längere Zeit, als er Präsident der IGGiÖ war, Mitglied des Obersten Rates, Mitglied des Schurarates und tatsächlich wider die Verfassung, Vorsitzender der Islamischen Religionsgemeinde Wien? Und - ja, gleiches gilt wohl wiederum auch für den Vorsitzenden der Religionsgemeinde Linz, für Oberösterreich und Salzburg, der später, als Schakfeh Vorsitzender des Obersten Rates und damit Präsident der IGGiÖ wurde, zum Stellvertreter des Vorsitzenden des Obersten Rates gewählt und als "IGGiÖ Mediensprecher" nominiert wurde!

War die wesentliche Ursache dafür wirklich, wie dies im Buch vermittelt wird, die übermächtige, alles bestimmende Figur des Ahmad Abdelrahimsai, Gott hab ihn selig?

Farid Hafez, in Oberösterreich in einer Familie groß geworden, welche durchaus engeren Kontakt zur Führung der Islamischen Religionsgemeinde Linz pflegte, schreibt auf Seite 83 seines Buches, "die Religionsgemeinde Linz führte aufgrund zu geringer Wahlbeteiligung im Jahre 2001 eine zweite Wahl durch."
Diese Behauptung ist schlichtwegs falsch, wie dies auch öffentlich dokumentiert und in der damals, von der Islamischen Religionsgemeinde Linz herausgegebenen Informationsschrift "Lisan al Umma" in den Belegexemplaren nachzulesen ist. (Abdelrahimsai machte diese Informationsschrift, allerdings tatsächlich in seiner autokratischen, aristokratischen Art, sogar zum "offiziellen Amtsblatt der IGGiÖ" ... warum wohl, darf man sich heute fragen ...)
Vielmehr ist richtig, dass der Vorsitzende der Religionsgemeinde Linz, der damals übrigens einstimmig wieder gewählt worden war, von sich aus - Verfahrensfehler im Wahlvorgang waren Begründung dafür - die Wahl für ungültig erklärte.
Anas Schakfeh fuhr darauf hin extra nach Linz und suchte in eindringlichem, dennoch sehr freundschaftlich, brüderlichem Gespräch (die damals Anwesenden schätzen einander auf persönlicher Ebene), den Vorsitzenden und einen seinen Mitstreiter in der Moschee der Religionsgemeinde zur Rücknahme dieses Entscheids zu bewegen. Aus Gründen, die hier nicht zu erörtern sind, allerdings vergeblich. Daher war der Oberste Rat gezwungen, die Wahl neu auszuschreiben.

Auf Seite 176 versteigt sich unser politwissenschaftlicher Shootingstar, wie Farid Hafez im Umschlag genannt wird, sogar zur wahrhaft irrigen Behauptung, dass Ahmed Rusznak, der sich in Wirklichkeit stets beharrlich geweigert hatte, mit der Religionsgemeinde Linz konstruktiv zu kooperieren, mit seiner 1995 gegründeten "Plattform Islam", "bald die Medienarbeit der Islamischen Religionsgemeinde Linz" übernahm. Wahr, zu wissen und zu glauben ist vielmehr, dass bis 2001 die Medienarbeit der Islamischen Religionsgemeinde Linz ausschließlich vom damaligen Vorsitzenden und seinen wenigen Helfern und Helferinnen geleistet wurde. Erst nach 2001, mit einem neuen, der Wiener Zentrale genehmen Vorstand, hatten tatsächlich einige Mitglieder der "Plattform Islam" diese Arbeit übernommen - allerdings wurde Rusznak dabei bewusst nicht involviert!

Nun muss der Autor sich aber aufs Neue die wissenschaftlich korrekte, aber offensichtlich und wahrscheinlich political inkorrekte Frage gefallen lassen, ob er als Oberösterreicher, persönlich gut bekannt mit dem damaligen Linzer Religionsgemeindevorsitzenden, über diese "Ficts" von Anas Schakfeh informiert wurde (man möchte fast annehmen, dass Anas Schakfeh das Manuskript vor der Veröffentlichung nicht gegengelesen hat) und Farid Hafez wirklich nicht wusste, was in "seiner" Religionsgemeinde tatsächlich ablief oder ob er einfach politwissenschaftlich völlig ungenügend recherchiert hat?
Mit dem damaligen Vorsitzenden oder anderen langjährigen Gemeindeausschussmitgliedern suchte Hafez offenbar ja nie das Gespräch im Zuge seiner Recherche zum Buch. Allerdings wusste auch die damalige, in seinem Buch erwähnte Führung der Muslimischen Jugend Österreichs (MJÖ) ganz genau über die tatsächlichen Abläufe Bescheid. War doch ein führendes Mitglied in den Ausschuss des einstimmig wiedergewählten Vorsitzenden durch diese - aus der Sicht der Wiener Zentrale - jedenfalls gültige erste Wahl aufgenommen worden. Bei der zweiten Wahl, war diese Person und auch einige andere aus der vorgängigen Riege allerdings nicht mehr dabei.

Dieses soll nun der Buchkritik, die wirklich nicht gerne geschrieben wurde, genug sein.
Doch Tatsachen bleiben Tatsachen und haben solche zu bleiben.
Erst recht auf einem Gebiet, auf welchem die einen behaupten, religiöse Werte hätten politisches Gehabe zu bestimmen und die anderen fordern, Religion dürfe mit Politik nichts zu tun haben und habe von ihr getrennt zu sein.
Gespannt darf der Autor dieser Zeilen sein, der glücklicherweise weder eine sozial-religiöse, noch politische Position anstrebt, wie wohl die Reaktionen auf diese eher inhaltliche Rezension ausfallen werden. Ob man sich auch weiterhin mit der von allen politisch korrekten Seiten gepflogenen, speziell österreichischen Strategie, "nicht mal ignorieren", begnügen wird?

Wer also ausgesuchte, mitunter auf faktisch irritierende Weise geschilderte Ausschnitte aus der Geschichte der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich und ausschließlich positive Berichte über das, durchaus und bestimmt verdienstvolle Wirken des ehemaligen Präsidenten der IGGiÖ zu lesen wünscht, der kaufe dieses Buch - auch, um es mit ev. künftig zu diesem Thema erscheinenden inhaltlich und sprachlich zu vergleichen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

Schreiben Sie als erste Person zu dieser Rezension einen Kommentar.

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 


Details

Artikel

3.0 von 5 Sternen (2 Kundenrezensionen)
5 Sterne:    (0)
4 Sterne:
 (1)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:
 (1)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
EUR 24,90
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Rezensentin / Rezensent


Ort: Aargau

Top-Rezensenten Rang: 45.680