Kundenrezension

10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unschlagbar !!, 9. April 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Mutter (Audio CD)
Die erste Frage, welche dieses Album aufwirft lautet natürlich: Ist Rammstein noch steigerungsfähig? Antwort: Ja, und zwar enorm. Klar kann man trotzdem keinen Stilbruch erwarten, wäre ja auch im Ermessen der Band selbst nicht ganz angebracht. Permanente Rammstein-Kritiker bestreiten zwar nach wie vor mit Händen und Füßen diese Aussage, aber diese „Outsider" wollen wir mal rein objektik außen vor lassen. Somit erschließt sich dem gewissenhaften Rammstein-Hörer der Eindruck, die Band hätte sich um Dekaden gesteigert, musikalisch wie auch textlich. Darüber hinaus ist dieses Album ganz klar nicht mehr auf Provokation, sondern auf musikalische Fähigkeiten und Entwicklungen ausgelegt. Denn mit was will man schon noch provozieren? Dieser Ansicht sind auch Rammstein und rollen nicht schon bereits abgenudelte „Tabu-Themen" wieder von hinten auf. Lieber schwelgen sie in subtiler Zweideutigkeit und Verwirrung (Spieluhr, Nebel) oder bringen es hart und kompromisslos (meist sexueller Natur) einfach auf den Punkt (Rein Raus, Zwitter). Die Fraktion „Rammstein ist rechts" wird künstlerisch perfekt und sehr intelligent am Ende doch wieder im Regen stehen gelassen (Links 234). Hier zeigt sich ebenfalls der hintersinnige Humoranteil in den sehr umfangreich ausgefallenen Texten. Doch das Hauptaugenmerk der Band liegt klar im Aufbau einer Gänsehaut-Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Den größten Anteil hierbei hat wieder einmal „Synthie-Monster" Flake Lorenz, dem scheinbar nie die Ideen ausgehen. Mit unglaublichen Keyboard-Salven und Samples kreiert er eine ganze Bandbreite, die von bedrohlichen Albtraum-Melodien bis hin zu elektro-dance-fähigen Elementen voll ausgereizt wird. Doch das Zepter haben ähnlich wie auf „Herzeleid" eindeutig wieder die alles zermürbenden Gitarren der Herren Kruspe/Landers in der Hand. So brettern die Riffs aus den Boxen wie Rotorblätter und schreddern im nächsten Moment alles in Grund und Boden (Sonne, Feuer Frei!, Links 234). Sehr gut gelungen erweist sich auch der Titeltrack, welcher kompliziert mit sich aus zwei Tonarten überschneidenden Akkorden (e-moll und H-dur) gestaltet ist und somit wieder die hochqualifizierten musikalischen Kenntnisse der Band aufzeigt. Bereits beim Opener „Mein Herz brennt" steht einem staunend der Mund offen, wenn hinter den einzelnen Strophen eine dreckig gestimmte Washburn-Blues-Gitarre wummert. Die aber wahrscheinlich innovativste Neuerung im Rammstein-Sound stellt der Einsatz von orchestralen Einflüssen dar. Diese sind so gekonnt und passend in Szene gesetzt wie nie zuvor beim Versuch, die beiden Elemente Metal und Klassik zu kombinieren (Mein Herz brennt, Mutter, Nebel). Neben diesen bombastischen, ja fast majestätischen Effekten verliert natürlich das Drumming von Christoph Doom Schneider in keinster Weise an Wirkung. Im Gegenteil, die Base knallen ordentlich und auch zahlreiche, schier unglaubliche Breaks finden sich in seinem Repertoire wieder. Erstmals wird auch auf eine sehr variable Tempovorgabe großer Wert gelegt, sodass vereinzelte Stücke (Adios, Zwitter) geradezu punkig daherkommen. Teilweise macht sich ein Monstergroove á la Pantera oder Machine Head breit, der mit der elektronischen Untermalung sehr gut harmoniert (Ich will). Dem famosen Unterton gibt Oliver Riedel mit seinem Bass den allerletzten Feinschliff. Aber dem Ganzen setzt schließlich der alles überragende Gesang von Till Lindemann die hochverdiente Krone auf. Noch nie zuvor klang er so fies und traurig zugleich und noch nie war er rauer und sensibler als auf MUTTER. Klar ist Lindemann glücklicherweise kein Tenor, aber in diesem Genre darf er sich gerne ein Genie nennen. Er besitzt nun mal die Gabe, den unvergleichlichen Textrahmen Rammstein's Bilder zu verleihen. Um einzelne Textzeilen zu „verstehen" ist es eben oft genug nötig, seine Hirnwinden anzustrengen. Dieser Fähigkeit vermag nun mal nicht jeder, sollte aber dann lieber schweigen bevor er die Lyrik dieser Texte als schlecht oder unausgereift tetuliert („Der Neider hat es schlecht gewusst"). In diesem Sinne bleibt eigentlich nur noch eins zu sagen: Wenn es auch nicht jedermanns Meinung ist, aber Rammstein haben sich mit diesem Longplayer ganz klar selbst übertroffen und es bleibt die Frage wie das nochmal zu toppen sein soll? Vertraut man dem enormen Potenzial der Band könnte auch dies möglich sein. Im Endeffekt ist es subjektiv betrachtet „nur" ein neues Album von Rammstein, de facto ist es nicht nur für Deutschland ein Stück Musikgeschichte für die Ewigkeit.
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