Kundenrezension

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Like a tiger who loves Brahms, 11. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Fangirl (English Edition) (Kindle Edition)
Inhalt:
Seit Jahren ist Cath vernarrt in die Bücher um den Zauberer Simon Snow, verkleidet sich für Buch- und Filmpremieren, sammelt Fanartikel und schreibt Fanfiction. Als Magicath ist sie in der Fancommunity um Simon bekannt und beliebt. Das gemeinsame Schwärmen und Schreiben für Simon half ihr und ihrer Zwillingsschwester Wren über den Verlust der Mutter hinweg.

Doch Wren scheint dem Dasein als Fangirl entwachsen zu sein. Als die beiden ihre Collegezeit beginnen, muss Cath sich ohne ihre Schwester zurechtfinden, denn diese will weder ihre Zimmerpartnerin sein, noch verbringt sie viel Zeit mit Cath. Doch komplett auf sich allein gestellt ist Cath nicht, hat sie doch ihre Mitbewohner Reagan, die sich ihrer auf ganz eigene Art annimmt und Levi, Reagans Freund, der sich mit seiner offenen und freundlichen Art darum bemüht dass Cath Anschluss findet. Und auch auf das Schreiben verzichtet Cath nicht. Zwischen Fiction-Writing-Kurs und gemeinsamen Schreibtreffen mit Nick arbeitet sie auf das Finale ihrer großen Fanfiction hin, an der sie seit zwei Jahren schreibt und die sie zu Ende bringen will, bevor der finale Band der Simon-Snow-Buchreihe erscheint.

Immer wieder jedoch stellt sich Cath dieselbe Frage: Kann ich das schaffen? Ohne Wren an ihrer Seite, die sich nicht einmal mehr um ihren Vater zu sorgen scheint, der schon immer fragil und empfindlich war, und allein kaum in der Lage ist zurecht zu kommen? Ist es wirklich schon Zeit erwachsen zu werden und endlich ihre eigenen Geschichten zu schreiben, ganz ohne Simon Snow an ihrer Seite? Und: Ist Cath tatsächlich schon bereit sich zu verlieben?

Meine Meinung:
“Fangirl” ist der aktuelle Roman von Rainbow Rowell, die bereits mit “Attachments” und “Eleanor & Park” von sich reden machte, und, wenn sie denn nicht schreibt, damit beschäftigt ist herauszufinden wie Sherlock Holmes seinen Tod vortäuschte. Oder über komplett unwichtige Dinge diskutiert.

Auf den ersten Blick scheint es sich bei “Fangirl” um ein vielversprechendes Buch zu handeln, denn wer kann sich nicht auch nur ein kleines bisschen mit dem Fangirl-Sein identifizieren? Dazu kommt dann noch Caths Begeisterung für das Schreiben und Lesen. Perfekt. Oder etwa nicht?

Ich habe mir, vor allem aufgrund vieler positiver Stimmen, viel von “Fangirl” erwartet. Eine Coming-Of-Age-Story über die Liebe, das Schreiben und darüber, sich selbst und sein eigenes Potential zu entdecken. Und im Großen und Ganzen handelt es sich hier auch um eine süße Geschichte über eben jene Themen. Aber das war es dann leider auch schon.

Cath ist ein Simon-Snow-Fan der ersten Stunde, die sich als Autorin einer mehrteiligen Fanfiction einen Namen gemacht hat. Gekonnt verpasst Rainbow Rowell ihrer Hauptakteurin alle Attribute, die man irgendwie mit einem Fangirl in Verbindung bringen würde. So trägt Cath Brille und Fanshirts, ist unsicher, überängstlich, und plant lieber alles im Voraus, sodass auch nur ja nichts schief gehen kann. Sie studiert Englisch, schreibt für ihr Leben gerne und ist in Sachen Liebe ein unbeschriebenes Blatt. Sie wirkt wie ein verschrecktes Reh, und so ist es nicht weiter verwunderlich, das sich ihre Zimmerpartnerin Reagan ihrer annimmt.

Alles in allem pflegt Cath eher Bekanntschaften als dicke Freundschaften. Da sind zum einen Reagan, die mit ihrer schroffen Art ein bisschen Abwechslung in das Ganze bringt, sowie Cath’s Schreibpartner Nick, mit dem sie sich regelmäßig trifft. Und dann, ja dann ist da Levi. Er kümmert sich ganz selbstverständlich um Cath und ist so ganz anderes als unser scheues Reh. Offen sucht er immer wieder nach neuen Bekanntschaften, liebt Gesellschaft und sorgt sich wirklich herzallerliebst um Cath. Doch auch Levi verbirgt zunächst etwas vor Cath, die erst im Laufe der Geschichte hinter das “dunkle Geheimnis” kommt.

Eine wichtige Rolle nimmt auch Wren ein, Caths Zwillingsschwester, die die beginnende Collegezeit nutzt um sich nahezu komplett von Cath abzukapseln. Im Gegensatz zu ihrem verträumten Zwilling hat Wren Karrierepläne, schließt schnell Freundschaften und stürzt sich von einer Party zur nächsten. Doch auch sie hat ihre Probleme, die im Laufe der Geschichte zum Vorschein kommen, aber nicht unbedingt sonderlich überraschen.

Passend zum Coming-Of-Age-Setting darf natürlich auch eine Lovestory nicht fehlen. Und wenn man einmal davon absieht, dass auch dieser Punkt mehr als vorhersehbar ist und mit den üblichen Stolpersteinen, auch bekannt als Missverständnisse und Verwechslungen, gespickt, dann gibt es doch ein paar süße Szenen, die mich zumindest zum Lächeln gebracht haben, und an die ich mich jetzt immer noch gerne erinnere.

Natürlich stammen Cath und Wren aus einer eher weniger perfekten Familie. Ihre Mutter hat sie vor Jahren verlassen und interessiert sich nicht für ihre Töchter, und ihr Vater wirkt wie eine extremere Variante von Cath. Er ist llein kaum fähig zurecht zu kommen, ernährt sich mit Hilfe von Imbissbuden da er Supermärkte nicht mag und arbeitet in der Werbung. Ein kreativer Kopf, aber im Auge der Gesellschaft nicht ganz normal.

Rainbow Rowell’s Charaktere wirken auf den ersten Blick interessant und liebevoll gestaltet, entpuppen sich aber bei näherem Hinsehen als Stereotypen und sind oft einen Tick zu überzogen.

Ebenso die eigentliche Handlung. Es ist zu viel. Zu viele Wiederholungen, zu viele Zufälle, zu viele unnötige Nebenhandlungen die nichts zum Verlauf beitragen. Eben einfach zu viel von allem. Hundert Seiten weniger hätten “Fangirl” nur gut getan, denn ab einem bestimmten Punkt verlor sich der kleine Funken Dynamik leider im Sande.

Ein Pluspunkt waren die überall zu findenden Ausschnitte aus den an Harry Potter angelehnten fiktiven Romanen um Simon Snow, sowie aus Cath’s Fanfictions, in denen sie sich die Charaktere aus ihren Lieblingsbüchern ausleiht und sie neue Abenteuer erleben lässt. Diese Geschichten ließen sich, zumindest zum Teil, sehr angenehm lesen, waren aber oftmals ein wenig zu lang.

“Fangirl” ist ein nettes Buch, welches sich Themen annimmt, die in der richtigen Mischung durchaus Erfolg versprechen. Nur leider ist dies hier etwas nach hinten losgegangen. Die Charaktere sind zu überzogen, die Handlung stattdessen bewegt sich kaum von der Stelle. Ein seichtes Buch für zwischendurch, das viel verspricht, aber den Erwartungen nicht standhalten kann.
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