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Nur fliegen ist schöner.,
8. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Trapez. (Broschiert)
Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, woher ich dieses Buch habe, aber ich weiß immerhin noch, dass es mir jemand als "einen Klassiker der schwulen Literatur" empfohlen hat. 'kay... ich war ein bisschen verwirrt, da ich die Autorin bisher eigentlich immer nur mit Fantasyliteratur wie "Die Nebel von Avalon" in Verbindung gebracht habe, aber ich bin ja offen für alles. Also verstaubte das Buch bestimmt 2 Jahre in meinem SuB-Regal und ich hab mich erst vor 3 Wochen drangetraut. Jetzt bin ich fertig. Ich brauche selten länger als 3 oder 4 Tage für 700 Seiten, aber dieses Buch ist ermüdend, vor allem emotional. Die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten Mario und Tommy wird zum Teil so gefühlvoll und detailliert beschrieben, dass ich das Buch weglegen musste, um mich nicht völlig in dieser Zirkuswelt zu verlieren. Dasselbe gilt auch für die Szenen am Trapez. Obwohl ich normalerweise kein Fan von Zirkussen bin, hab ich mir bei YouTube ein paar Trapezvideos angeschaut um die Beschreibungen im Roman umsetzen zu können. Ich konnte mich als Leser komplett in die Welt der Santelli-Familie einfühlen und genau das macht den Roman sehr... in Ermangelung eines besseren Wortes würde ich sagen: schwer, oder vielleicht eher: emotional schwer beladen.
Nichtsdestotrotz war ich auf den letzten 100 Seiten schon fast genervt, denn das Buch scheint nicht nur einfach kein Ende zu nehmen, es hat auch keine nennenswerten Höhepunkte. Was bei einem 200-seitigen Roman von Nick Hornby klappen mag, macht mich bei einem 700-Seiten-Buch einfach nur nervös und hibbelig. Viele interessante Geschehnisse werden sehr knapp - und erstaunlicherweise ohne jede emotionale Bestandsaufnahme - abgehandelt, dafür werden andere alltägliche Dinge wieder und wieder beschrieben.
Insgesamt verwirrend und seltsam fand ich auch die Tatsache, dass der Roman nicht aus Sicht einer des beiden Hauptfiguren geschrieben ist, sondern aus einer mehr oder weniger allwissenden Erzählerperspektive. Hauptaugenmerk liegt zwar durchgehend auf Tommy und seinen Gefühlen und Gedanken, aber durch die fehlende Inneneinsicht müssen die meisten Dinge ausgesprochen werden - und ich bin einfach kein Fan von gefühlsduseligen Dialogen.
Aber dennoch mochte ich diesen Roman und würde ihn fast uneingeschränkt empfehlen, wenn er nicht so gut wie vergriffen wäre. Aber sollte er euch auf dem Flohmarkt (oder hier bei Amazon Marketplace) für wenig Geld über den Weg laufen, würde ich euch empfehlen zuzugreifen.
Mein Fazit:
Trapez ist ein wundertrauriger, gefühlsbetonter Roman, der gut zu einer Tasse Tee und einem verregneten Sonntagnachmittag passt.
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