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Kundenrezension

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Sebastian-Syndrom, 8. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Fakire (Gebundene Ausgabe)
Ich kann es mir nur so vorstellen: Antonin Varenne muss mit seinen Freunden während einer durchzechten Nacht gewettet haben. Danach hat er sich an die Arbeit gemacht, um den Beweis anzutreten, dass man einem Leser jeden Schwachsinn glaubhaft machen kann, wenn man ihn nur gut genug verpackt. Und so erzählt uns Varenne frei nach dem Motto, das Gegenteil eines Stereotyps müsse auf jeden Fall glaubhaft sein, Alans Geschichte. Ein Amerikaner in Paris. Homosexuell. Fakir. Drogensüchtig. Traumatisiert durch den Irakkrieg. Nur dort tätowiert, wo man es auch sehen kann - im Gesicht, an Armen und Händen. Liiert mit einem Diplomaten der amerikanischen Botschaft. Irgendwie verwickelt in Machenschaften des CIA. Befreundet mit einem anderen Amerikaner, John Nichols, ein Kind der 68-er Generation, Psychologe und Experte für das Sebastian-Syndrom. Der heilige Sebastian wurde von den Pfeilen nur an Stellen getroffen, an denen keine lebensbedrohlichen Verwundungen entstehen konnten. Das sagt Nichols. Wikipedia informiert mich darüber, dass es sich beim Sebastian-Syndrom um einen Thrombozytenmangel handelt. Die Betroffenen leiden verstärkt unter Nasen- und Zahnfleischbluten. Passt ja irgendwie. Denn Alan, der homosexuelle, drogensüchtige, aus dem Irak zurückgekehrte Fakir ist auch noch Bluter. Irgendwie eine schlechte Berufswahl. Und weil Alan durch seine Schlitzereien und Nadelstiche nicht gestorben ist, passiert es schließlich doch spektakulär auf der Bühne. Ein Selbstmord? Ein Mord?
Diese Frage will Kommissar Guérin beantworten, Sohn einer Prostituierten, verbannt in die Abteilung für Selbstmorde. In seinen eigenen vier Wänden beschimpft ihn ein depressiver, zerrupfter Papagei mit den Obszönitäten seiner Mutter. Im Büro starrt er auf den so genannten Amethyst, einen sich stetig ausbreitenden Blutfleck unter der Decke. Denn auf dem Dachboden wird die blutdurchtränkte Kleidung der Selbstmörder gelagert. In den eigenen Reihen geht es nicht weniger unspektakulär zu. Kowalskie trieb es gern mit Leichen. Und irgendwie muss da ein Zusammenhang zwischen den Selbstmorden in Paris, Alans missglückter Fakirnummer und den Foltermethoden in Abu Ghuraib geben. Darf natürlich nicht auffallen. Deshalb mischt die CIA Alan ein Blutgerinnungsmittel in die Drogen. Macht ja Sinn, wenn man einen Bluter zum Bluten bringen will. Vielleicht lief es auch anders. Am Ende wusste ich es nicht so genau. Da blieben nämlich mehr Fragen, als Antworten zurück. Denn Varenne spielt virtuos mit den Erwartungen seiner Leser und erfüllt viele davon nicht.

Trotzdem war ich fasziniert. Von der Wortgewalt kurzer, stakkatoartig abgefeuerter Halbsätze, manchmal so treffsicher, dass sie mit wenigen Worten die Handlung in einem Tempo vorantreiben, wofür andere Autoren mehrere Seiten gebraucht hätten. Das erfordert konzentriertes Lesen. Manchmal stolpert man über seltsame Vergleiche ("Der Himmel war schwer wie eine umgekippte Kloschüssel." "Lambert, eine Stehlampe ohne Glühbirne, blieb wie angewurzelt zurück.") oder liest sperrige Sätze zweimal ("Unter seinem bronzenen Helm belastete ein auf sein Gewehr gestützter Soldat von 1940 mit metallenem Blick die Zukunft der Fassaden mit einer müden Hypothek."
Stilistisch bietet der Roman viele Leckerbissen. Die Charaktere sind originell und trotz ihrer oftmals schrägen Lebensumstände überaus glaubwürdig geraten. Die Handlung hingegen hat mich ein wenig an Thomas Harris Killerschweine in Hannibal erinnert. Das Absurde wird nicht allein dadurch glaubwürdig, dass es weit hergeholt ist. Und so frage ich mich noch immer, wie das jetzt mit dem Blutgerinnungsmittel funktioniert haben soll und was da nun im Irak wirklich passiert ist. War der masochistische Alan auch noch ein sadistischer Folterer? War er nur Zeuge von Grausamkeiten? Vielleicht hat das ja jemand verstanden und kann mir die Antwort geben.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 22.02.2011 09:05:39 GMT+01:00
Janie meint:
Danke für die ausgesprochen gute und treffende Rezension zu diesem Buch.
Ich arbeite an meiner noch und mir fehlen leider ein wenig die Worte...

Auf die letzte Frage gebe ich jetzt einfach mal meine Interpretation als Antwort, die ich jedoch meine recht eindeutig herausgelesen zu haben.
Für mich war Alan Folterer / Verhörspezialist und bestraft sich durch die Folter an seinem eigenen Körper selbst für seine Taten. Bzw. versetzt sich selbst in die Position des Gefolterten.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.02.2011 10:38:27 GMT+01:00
D. Wolter meint:
Vielen Dank für das Lob. Unter Rezensenten ist das ja nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit. Deshalb freue ich mich darüber umso mehr. Und meine Frage ist nun auch geklärt - jedenfalls ein wenig. Im Roman hätte ich mir die Beleuchtung von Alans dunkler Vergangenheit etwas ausführlicher gewünscht.
Gruß aus Berlin!
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Rezensentin / Rezensent

D. Wolter
(REAL NAME)   

Ort: Berlin

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