Kundenrezension

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Auch verheiratete Menschen müssen essen.", 30. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Liebe verfallen (DVD)
Wenn ich an die Filmlandschaft der 80er zurückdenke, fallen mir vor allem die vielen wenig geschmackssicheren hochglanzverpackten "Erotik"-Thriller wie 9 1/2 Wochen" oder die "verhängnisvolle Affäre" ein. Wie schön, dass das digitale Gedächtnis einen der schönsten Liebesfilme dieser Zeit nicht vergessen hat. Ulu Grosbard inszenierte 1984 mit den beiden schon damals zweifach oscargekrönten Darstellern Robert de Niro und Meryl Streep eine Beinahe- Ehebruchsgeschichte, die auch heute noch zu Herzen geht.
Zur Handlung: Im vorweihnachtlichen New York rempeln sich der Bauingenieur Frank Raftis (de Niro) und die Grafikerin Molly Gilmore (Streep) im Gedränge an. Aus Versehen vertauschen sie dabei zwei Tüten, was bei den Ehegatten der beiden am Weihnachtstag für hochgezogene Augenbrauen sorgt. Einige Wochen später begegnen sich die beiden zufällig wieder. Ganz so zufällig nicht, denn beide fahren öfters mit der gleichen Bahn aus einem Vorort nach New York. Unabhängig voneinander erkennen die beiden irgendetwas Außergewöhnliches am anderen. Bezeichnenderweise thematisieren die beiden diese doch noch unverfängliche Sympathie nicht gegenüber ihren Ehepartnern, sondern gegenüber ihren besten Freunden. Franks Freund Ed Lasky (Harvey Keitel) steht gerade selbst vor dem Ende seiner Ehe, da seine Frau (fast zu seiner eigenen Erleichterung) von seinem Verhältnis mit einer anderen Frau erfahren hat. Mollys Freundin Isabelle (Dianne Wiest) ist auch keine große Hilfe, sie lebt in einer eher offenen Beziehung zu ihrem Mann und fährt regelmäßig mit einem anderen Lover in den Urlaub. Aus den zunächst zufälligen Begegnungen werden Verabredungen. Es dauert eine Weile bis sie sich ihre Liebe eingestehen, aber damit beginnt eine Zeit der Unentschlossenheit. Hin und her gerissen zwischen dem Pflichtgefühl gegenüber der Familie und der hemmungslosen Euphorie, einen Seelenverwandten getroffen zu haben, zerbrechen die Ehen der beiden, ohne dass sich daraus die Erfüllung ihrer neuen Liebe ergäbe. Äußere Umstände trennen die beiden voneinander, aber es gibt ein Wiedersehen. Haben die beiden jetzt eine Chance?

Was mit weniger talentierten Darstellern leicht zu einer unerträglichen Schmonzette hätte verkommen können, machen diese beiden Ausnahmeschauspieler zu einem unvergesslichen Filmerlebnis. Tatsächlich lässt Regisseur Grosbard (der mit de Niro schon "Fesseln der Macht" realisiert hatte) den beiden über 50 Minuten Zeit (also die erste Filmhälfte), um sich übereinander klar zu werden. Mehrmals laufen die beiden vor dem ersten Zusammenstoß aneinander vorbei und in ihrem Lebensrhythmus fallen schon Parallelen auf. Die fast beiläufige Skizzierung der Lebensverhältnisse zeigt uns zwei Ehen, die zwar nicht unglücklich sind, die aber diesen Hauch von zu viel Routine zeigen, über die ein empfindlicherer Mensch schier verzweifeln könnte. Ganz schockiert erzählt Frank (nach dem ersten Kuss von Molly!) seiner Frau von den Scheidungsabsichten seines Freundes, worauf sie achselzuckend sagt. "Niemand ist mehr verliebt, Frank. Was gibt es sonst noch Neues?" Auch äußere Veränderungen zeichnen sich ab. Frank kleidet sich jetzt etwas anders ("Ich habe irgendwie gespürt, dass Sie anrufen."), Molly steht eine gefühlte Ewigkeit vor dem Kleiderschrank und nicht nur sie, auch der Zuschauer ist amüsiert bis irritiert über manche Modesünde der 80er. Und dabei geht es doch "eigentlich" darum, welche Kleidung man sich am einfachsten vom Leibe reißen könnte. Aber so einfach macht es uns der Film nicht.
Die vielleicht unbewusste Hoffnung, die Ehepartner könnten sich zu Monstern entwickeln, die man ohne Gewissensbisse betrügen könnte, erfüllen sich natürlich nicht. Zermürbung, Traurigkeit, Verlegenheit begleiten das Gefühl unbändiger Lust. Nicht die Beziehungen haben sich geändert, sondern die eigene Befindlichkeit. Um wie vieles dünnhäutiger wird jemand, der erkennt, dass er das richtige Leben nicht im falschen führen kann. Einer der erschreckendsten Momente ist, als Mollys Gatte (David Clennon) -nicht ungewöhnlich, wenn man zusammen lebt- plötzlich hinter ihr steht, während sie in Gedanken bei Frank ist.

Frank, ein Familienvater um die 40, steht plötzlich im Bahnhofscafé, in der Hoffnung, "zufällig" Molly begegnen zu können. Die Verlegenheit der beiden, sich richtig zu verabreden (ja bitte, mit welchem Zug fährt der jeweils andere?), zeigt diese Vorsichtigkeit, nicht zu viel zu forcieren, aber sich um Himmels Willen nicht wieder aus den Augen zu verlieren. Um wie vieles schöner ist dann das Zusammentreffen, wenn man sich so umsichtig herangetastet hat, ohne mit der Tür ins Haus zu fallen.
Und, das zeigt der Film auch, egal ob Kinder im Spiel sind (Frank hat zwei, Mollys Kind ist gestorben) und wie lange oder gut man seinen Ehegatten zu kennen glaubt, die große Leidenschaft kümmert sich nicht um solche Begleitumstände. Dass Molly nicht wieder schwanger wird, ist natürlich bezeichnend für diese in sich nicht ganz stimmige Beziehung zu ihrem Mann. Etwas erinnert die Konstellation an Leans Meisterwerk "Brief Encounter" (Begegnung), auch ein Umzug Franks aus beruflichen Gründen und ein "verpatztes" Schäferstündchen sind entscheidende dramaturgisches Momente. Aber inzwischen befinden wir uns in den 80ern, so dass hier die Geschichte auch anders ausgehen könnte.
Und, auch das zeigt der Film, es liegt auch oft etwas Gutes im vermeintlich Traurigen. Um wie vieles trauriger erscheint uns Isabelle plötzlich in ihren "ungeordneten" Verhältnissen als Molly, die nach der Trennung von ihrem Mann wieder -nicht nur halbherzig- ihre Berufstätigkeit aufnimmt.

Der deutsche Filmtitel ist leicht irritierend, denn "verfallen" beschreibt ja eher einen (negativ gefärbten) Endzustand, während "Falling in Love" den Prozess des Sich Verliebens umschreibt. Ein sehr erwachsener Liebesfilm, nicht wegen eventueller jugendgefährdender Szenen (es gibt keine einzige Sexszene), sondern weil hier Konflikte beschrieben werden, die der Zuschauer vielleicht erst dann ganz durchleiden kann, wenn er schon über etwas Lebenserfahrung verfügt und in einer langjährigen Beziehung gelebt hat. Besonders möchte ich noch die Filmmusik von Dave Grusin hervorheben, die der nahe liegenden Versuchung widersteht, irgendwie melodramatisch zu werden. Das mitunter beschwingte Klavierspiel erinnert eher an das Herzflattern verliebter Menschen.
Zur Austattung: Außer diversen Synchronfassungen und Untertiteln (u.a. in Englisch, Deutsch und Türkisch) keinerlei Extras. Egal, der Film kann für sich stehen.

Fazit: Ein fantastischer Schauspielerfilm, nicht nur für unheilbare Romantiker und Seelenverwandte.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 31.10.2011 19:28:08 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 31.10.2011 20:07:12 GMT+01:00
Berlinoise meint:
Ah, schön, habe diesen Film vor Jaahren mal gesehen und nie ganz vergessen, ich musste damals auch stark an Leans Brief Encounter denken, müsste ich eigentlich mal auffrischen, danke für die Erinnerung!
Ich glaube, die (Kino)-Werbung benutzte damals den Satz "Sometimes, magic is the only thing that is real..."
LG, T

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.11.2011 10:50:01 GMT+01:00
christine meint:
Ich fand ihn diesmal sogar noch einen Tick besser als bei der ersten Sichtung, hängt wohl mit der eigenen Lebenserfahrung zusammen. LG, C

Veröffentlicht am 06.06.2013 14:58:08 GMT+02:00
Martin Püsch meint:
Eine wunderbare Rezi. Ich glaube, wer diesen Film einmal richtig angesehen hat, wird ihn nicht mehr vergessen können, so erwachsen, wahrhaftig und unprätentiös ist er. Streep und de Niro spielen fantastisch, ohne sich gegenseitig die Luft zum Atmen zu nehmen. Kann man bei zwei solchen Ausnahme-Mimen aber auch erwarten. Liebe Grüße Martin Püsch
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