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Kundenrezension

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Dream, Paco, but Dream with Your Eyes Open!", 11. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Mercenario - Der Gefürchtete (DVD)
(Leichte Spoiler)

Für einen Western sind diese Worte, die der eine der beiden Protagonisten dem anderen zum Abschied mit auf den Weg gibt, geradezu kongenial, denn geträumt wird dort immer - vom Mythos der Frontier, jenem ungeographischen Grenzland, wo aus der Kraft wagemutiger Individuen (meist Männer) im Kampf mit dem Land und seinen Gefahren der Grundstein für eine neue, gerechte Zivilisation geschaffen wird. Und wenn der Western gut ist, dann träumt er mit offenen Augen, indem er die Schattenseiten dieses Mythos zeigt: Wie das Land den Indianern weggenommen wurde, wie die einfachen Siedler von Banken, Eisenbahngesellschaften und großen Ranchern übervorteilt wurden, wie hinter dem Heldentum des einsamen Reiters die Unfähigkeit, sich Regeln unterzuordnen, oder die Angst, sich menschlich zu binden, steckt.

Sergio Corbuccis "Il mercenario" (1968) ist sicher einer der Filme, die zu den Juwelen des Subgenres Italo-Western gehören, und neben "Il grande silenzio" aus demselben Jahr Corbuccis beeindruckendster Genrebeitrag. Vor dem Hintergrund der Mexikanischen Revolution wird die Geschichte des Bauern Paco Roman (Tony Musante) erzählt, eines schlicht gestrickten, zunächst nur von seiner Gier getriebenen Mannes, der mit Hilfe des zynischen Polen Kowalski (Franco Nero), eines Söldners, der seine Dienste dem Meistbietenden anträgt, unter dem Deckmantel der Revolution eine Banditenbande anführt. Erst der Einfluß der idealistischen Columba (Giovanna Ralli - einfach bildschön) bringt Paco dazu, sich wirklich auf die Seite der Revolution zu stellen. So kommt es zwischen den beiden Männern, die recht eigentlich nie auf derselben Seite standen, zu einem Zerwürfnis, doch gibt es da auch noch den skrupellosen Gangster Ricciolo (Jack Palance), den sich beide zum Feind gemacht haben und der nun auf Rache sinnt.

Um vieles leichtherziger und witziger als "Il grande silenzio", ist doch auch in "Il mercenario" der zynische, desillusionierte Grundton unübersehbar. Zwar spart Corbucci hier nicht an Kapitalismuskritik - etwa in der Szene, in der sich aus dem Schlund eines gebratenen Schweins während eines Gelages ein Pistolenlauf direkt auf den Kopf des menschenverachtenden Minenbesitzers richtet, oder in der Person Ricciolos, eines gewissenlosen Verbrechers, der gleichwohl immer perfekt gekleidet ist, von Paco allerdings im wahrsten Sinne des Wortes entblößt und gedemütigt wird -, doch zeichnet Corbucci, mit Ausnahme Columbas, hier keine idealistischen Revolutionäre, sondern für den Moment lebende Rauhbeine. Unvergeßlich bleibt in diesem Zusammenhang die Szene, in der Kowalski seinem "General" Paco anhand des nackten Körpers einer Hure, mit der sich Paco eben noch vergnügt hat, soziale Ungleichheit erklärt, indem er die Reichen als den Kopf, das Proletariat als den A**** identifiziert. Selbst Karl Marx hatte hier eine leidlich komplexere Sicht auf die Dinge. Dem Zuschauer wird spätestens hier klar: Paco hat keine Ahnung von Politik, und es geht ihm eigentlich auch nur darum, sich seine eigenen Taschen zu füllen und zu tun, wonach ihm gerade der Sinn steht. Bezeichnend ist auch, daß es stets Kowalski, der nihilistische Söldner, ist, der Pacos Kopf wieder und wieder aus der Schlinge zieht - freilich um den Preis von 200 Dollar pro Tag. Zusätzlich läßt er keine Gelegenheit aus, seine Macht über die "Revolutionäre" zu demonstrieren, beispielsweise indem er sie zwingt, inmitten einen glühenden Wüste ihre letzten Trinkwasservorräte zu opfern, damit er ein kühles Bad nehmen kann. Will uns Corbucci hier sagen, daß man mit Idealismus allein keine Politik, auch keine Revolution machen kann, und daß letztlich jede Utopie und jede Gesellschaftsform von einigen Menschen dazu instrumentalisiert wird, sich ihren eigenen Vorteil zu sichern?

Ganz gleich, was uns der Regisseur da sagen will, "Il mercenario" ist ein ansehnliches Westernkunstwerk geworden. Dazu trägt nicht zuletzt der subversive Soundtrack von Ennio Morricone bei, der neben einer schmissigen Revolutionshymne auch manche ironischen Töne zu bieten hat. Auch die witzigen Dialoge und die stereotypen Figuren - der Zynismus Kowalskis kommt beispielsweise dadurch zum Ausdruck, daß er eben mal an den Stiefeln eines Gehängten sein Zündholz anreißt - tun ihr Übriges. Des weiteren ironisiert Corbucci auch die eine oder andere Westernsituation, etwa indem er den schließlich zum Helden gewordenen Paco hinter der Maske eines Clowns vor der Staatsmacht Zuflucht suchen läßt oder indem er das Duell zwischen diesem Protagonisten und Ricciolo in eine Stierkampfarena verlegt und somit uns als Westernzuschauer des Voyeurismus zu zeihen scheint. Die Arena könnte allerdings auch eine sachte Hommage an Budd Boetticher bedeuten, den Westernregisseur, dessen Faszination durch den Stierkampf auch immer wieder Ausdruck in der Gestaltung seiner Showdowns - etwa in "Seven Men from Now" (1956) - gefunden hat. Wenn dann aus der weißen Blume, die sich der Schurke ans Revers geheftet hat, Blut fließt, scheint sich Corbucci zum einen vollends über den Tod idealistischer Unschuld zu mokieren, zum anderen dekonstruiert er jegliche Form von visueller Symbolik - die Blume zierte ja den Schurken -, von der der Film als Kunstform lebt.

Fragen über Fragen. Diese Fragen muß man sich allerdings nicht stellen, denn "Il mercenario" ist ein Film, den man auch einfach genießen kann und der bestimmt an keiner Stelle langweilig wird.

Koch Media hat diesen Film in einer überaus würdigen Edition herausgebracht. So ist der Disk ein 12seitiges Booklet beigefügt, in dem u.a. beschrieben ist, wie es Corbucci gelang, sich den Respekt Jack Palances zu verschaffen (eine sehr lustige Episode), und sie enthält auch ein 45minütiges Extra, in dem sich Nero, Musante, Corbuccis Frau und andere an den Dreh erinnern. So müssen DVDs vermarktet werden!
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1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 14.10.2010 18:56:05 GMT+02:00
Ray meint:
Hallo Tristram, danke für den Tipp. Den hab ich mir jetzt bestellt. LG Ray

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.10.2010 11:43:57 GMT+02:00
Lieber Ray,

ich denke mal, Du wirst von dem Film nicht enttäuscht sein. Ich habe vorgestern mal wieder einen modernen Western aus unserer Dekade gesehen, "September Dawn", und bin mir noch nicht ganz schlüssig, wie ich den beurteilen soll. Das scheint mir eine sehr plumpe Parabel auf die Islamisten zu sein. Kennst Du den vielleicht?

LG, Tristram

Veröffentlicht am 27.02.2011 21:20:21 GMT+01:00
Hallo Tristram, ich lese gerade alle deine Rezessionen, muss sagen, vom Feinsten, genau mein Geschmack. Was ich nicht ganz verstehe, warum hat "Mercenario" im Western-Lexikon von Joe Hembus keinen einzigen Stern erhalten? Oder ist dies ein Druckfehler (ich habe die Erstausgabe, nicht die Erweiterte).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.02.2011 21:55:01 GMT+01:00
Hallo Christian,

freut mich, daß Dir meine Rezensionen gefallen. Es macht mir auch Spaß, sie zu schreiben. Was Joe Hembus betrifft, so hatte ich ja geschrieben, daß ich leider keine eigene Ausgabe besitze. Aber zufällig habe ich die aus unserer Unibibliothek entliehen, bei der es sich um die vierte Auflage aus dem Jahre 1997 handelt - Hembus' Sohn hat diese Ausgabe fortgeführt, d.h. um neuere Filme ergänzt. In dieser Ausgabe hat der Film einen Stern - der positiven Besprechung nach hätte ich aber auch mehr Sterne erwartet.

Beste Grüße, T.S.

Veröffentlicht am 11.09.2014 17:40:46 GMT+02:00
Ich habe den Film 1969, als er in Deutschland rauskam, gleich gesehen. "Träume - aber mit offenen Augen" ist mein Wahlspruch geworden... und dieser Film einer meiner Lieblingswestern geblieben. Vielen Dank für diese sorgfältige und wohlwollende Analyse, sehr fundiert, wie angesichts Ihrer anderen Rezensionen auch nicht anders zu erwarten!

Viele Grüße, Ihr Lothar Müller-Güldemeister

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.09.2014 17:41:59 GMT+02:00
Lieber Herr Müller-Güldemeister,

vielen Dank für Ihre lobenden Worte. Ich schaue auch immer wieder gern in Ihre bissigen Rezensionen, die sich nicht scheuen, den Unsinn, den man heute oft als Literatur bezeichnet, auch Unsinn zu nennen!

Viele Grüße
Tristram Shandy
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