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Kundenrezension

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Aufeinandertreffen zweier großer Stimmen, 13. Juni 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Kiske/Somerville (Limited Digi Edition) (Audio CD)
Die italienische Plattenfirma "Frontiers Records" ist seit mittlerweile mehr als 10 Jahren dafür bekannt, hochwertige Acts aus dem Melodic Rock/AOR Sektor unter Vertrag zu nehmen. Nicht selten handelt es sich dabei auch um namhafte Allstar Projekte wie z.B. W.E.T. oder Place Vendome, die oft eigens von Labelchef Serafino Perugino zusammen gestellt werden. 2010 hat er die Idee, ein Projekt von und mit Primal Fear/Sinner Bassist Matt Sinner ins Leben zu rufen. Der umtriebige Schwabe macht sich sofort ans Werk und komponiert eifrig Songs, für die Gesangsparts gelingt Serafino Perugino ein besonderer Coup: Neben der als Avantasia-Backgroundsängerin bekannten Amerikanerin Amanda Somerville holt der Italiener die Sangeslegende Michael Kiske ins Boot. Der Hamburger macht sich in den 1980er Jahren einen Namen als Frontmann der deutschen Melodic Metal Helden Helloween und singt unter anderem die beiden Klassiker Alben "Keeper of the Seven Keys Part 1+2" ein ehe es nach seinem Ausstieg Mitte der 90er und einer gefloppten Solokarriere ruhig wird um Kiske. Eine Zeit lang singt er sogar überhaupt nicht mehr und widmet sich verstärkt dem Verfassen teils anthroposophischer Schriften. Zudem wettert Kiske verstärkt gegen die Metal-Szene und deren Habitus und wird zu einem der großen Feindbilder.

Mit den Jahren verfliegt Kiskes Zorn aber etwas, er revidiert manche Ansicht und lässt sich immer wieder als Gastsänger auf diversen Metal-CDs hören. Ganz besondere öffentliche Beachtung findet seine Zusammenarbeit mit Edguy-Frontmann Tobias Sammet für dessen erfolgreiches Avantasia-Projekt. Auf allen fünf bisher veröffentlichten Werken der Allstar-Truppe fungiert Kiske als wichtiger Teil der Geschichte und wird von Sammet als wichtigstes "Band"-Mitglied bezeichnet. Aus der Arbeit mit Sammet kennt Kiske auch die Sängerin Amanda Somerville, der er aber bis zur gemeinsamen Zusammenarbeit mit Matt Sinner noch nicht persönlich begegnet ist.

Insgesamt 12 Kompositionen finden sich auf der Limited Edition des schlicht "Kiske/Somerville" betitelten Albums wieder. Wer hier ein klassisches Power Metal Album erwartet ist fehl am Platze: Die Songs bewegen sich im Rahmen melodischen AOR/Hard Rocks mit ganz leichten Metal-Einflüssen hier und da. Michael Kiske wird wohl nie wieder ein reines Metal-Album besingen. Doch auch in sanfteren Gefilden macht er seit Jahren eine blendende Figur, ganz besonders auf den beiden Alben mit der Band Place Vendome. An deren herausragende Qualität reicht "Kiske/Somerville" nicht heran, dennoch handelt es sich hier um hochwertiges Rock-Entertainment das man gehört haben sollte. Begleitet werden die beiden Hauptsänger Kiske und Somerville von der Rhythmus-Fraktion bestehend aus den Gitarristen Magnus Karlsson und Sander Gommans, Matt Sinner am Bass, Jimmy Kresic an den Keyboards, sowie den beiden Drummern Martin Schmidt und Ramy Ali. Allesamt angesehene Profis in der Melodic-Szene.

Der Opener "Nothing left to say" kommt erstaunlich belanglos und blutleer daher, auch Kiskes warme Wunderstimme kann den Song nicht retten. Besonders der nervige Refrain bleibt nachhaltig im Gedächtnis. Wieso ein derart schwaches Stück gleich zu Beginn steht, wird wohl für immer Matt Sinners Geheimnis bleiben. Deutlich besser klingt die vorab als Single veröffentlichte Nummer "Silence". Die Stimmen ergänzen sich perfekt, der Song schimmert edel, wenn auch etwas kitschig. Wer über diesen kleinen Makel hinweg sehen kann findet hier einen emotionalen, pathetischen Titel im wuchtigen Midtempo der durchaus ans Herz geht. Das zugehörige Musikvideo gibt es auf der Bonus-DVD der Limited Edition zu sehen. Gleiches gilt für "If I had a wish", das am ehesten in die Metal-Richtung eingeordnet werden kann. Trotzdem: Von härteren Helloween-oder Edguy Verhältnissen ist man hier weit entfernt. Nichts desto trotz eine gefällige und einprägsame Melodie, wie fast alles auf dem Album. Das Aushängeschild der CD. Hochprofessionell.

Die von Amanda Somerville mit ihrem Ehemann Sander Gommans geschriebene Nummer "Arise" kommt angenehm druckvoll und hart daher und ist die beste der drei auf dem Album befindlichen Songs aus der Feder der beiden. Doch die Highlights der Platte kommen noch. Dazu gehört zweifellos die dramatische Power-Ballade "End of the Road". Ein bombastischer Song, der beide Stimmen zur perfekten Symbiose verschmelzen lässt. Insgesamt der eindrucksvollste Song der CD. Fast eine kleine Rockoper.
Straighter rockt "Don't walk away", mein persönlicher Liebling des Albums. Eine Nummer die klingt als wäre sie aus einer der Place Vendome Sessions übrig geblieben. Positiv, sonnig, melodisch: perfekter AOR, der nie zu flach oder zu kommerziell klingt. Klasse!

Michael Kiskes Lieblingstitel der CD ist "A thousand Suns". Wieso, das erschließt sich mir nicht so ganz. Eine nette Nummer, mehr aber nicht. Ist mir etwas zu seicht.
"Rain" wiederum bewegt sich in den selben Bahnen wie "Don't walk away": ein zupackender Melodic-Rocker mit Killer-Refrain. Mein zweites Highlight. Ähnliches gilt für die wunderschöne verträumte Ballade "One Night burning". Hier überzeugt ganz besonders der große Refrain. Gänsehaut!
"Devil in her heart" zieht das Tempo wieder an, rockt amtlich, der dramatische Refrain bleibt im Ohr.
"Second Chance" gehört zu den auffälligsten Songs, besonders Kiske singt hier wirklich stark. Berührend. Hätte sich auch als Single gut gemacht.
Der Bonustrack "Set a fire" wartet zwar mit einem gewaltigen Riff auf, kann aber insgesamt nicht wirklich überzeugen. Etwas zu durchschnittlich.

"Kiske/Somerville" ist eine hochprofessionelle Angelegenheit. Die Songs sind gut bis hochklassig, die Band beherrscht ihren Job, die beiden Stimmen leisten überzeugende Arbeit, die Produktion ist kraftvoll und edel. Trotz einiger überragender Momente will letztlich aber der entscheidende Funke nie so wirklich überspringen. Man merkt dass es sich hier um ein reines Studioprojekt handelt und nicht um eine gewachsene Band. Dennoch muss gesagt werden, dass dieses Album in der obersten Liga der Frontiers Veröffentlichungen spielt. Perfekte Unterhaltung mit zwei herausragenden Stimmen. Eine CD, die man als Fan melodischer Rockmusik haben sollte. Der erhoffte kommerzielle Erfolg hat sich dennoch nicht eingestellt, trotz durchaus massentauglicher Arrangements. Leider ein weiteres Zeichen dafür, dass die hier präsentierte Musik ein unbeachtetes Nischendasein fristet, obwohl die Qualität stimmt. Umso wichtiger ist es, gute Musik aus diesem Bereich zu unterstützen. Das kann man mit dem Kauf dieser CD bedenkenlos tun.
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