Kundenrezension

22 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kurze Platte mit einigen Höhen und mindestens ebenso vielen Tiefen, 13. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Narrow (Audio CD)
Soap & Skin's "Newcomer-Bonus" ist weg und allein dadurch bekommt das zweite Album bereits einen faden Beigeschmack.

Lebt man jetzt in der Vorstellung, dass hier eine junge Frau ganz individuell und im "Stillen" ihre Persönlichkeit ausdrückt, so meint man kaum das Recht zu haben, überhaupt irgendeine Art der Kritik üben zu dürfen. Hat man jedoch eingesehen, dass hier ein Produkt vermarktet und zu Geld gemacht wird (was ich generell bei dieser extremen Art der offensichtlichen Selbstdarstellung kritisch sehe), sind auch negative Kritiken gegen das Produkt (nicht den Künstler dahinter) meiner Meinung nach problemlos möglich. Und so höre ich auf "Narrow" eine Menge Dinge, die meinen persönlichen Geschmack nicht treffen.

Zwar hat man Bewährtes mit Wiedererkennungswert beibehalten, man ist aber auch den einen oder anderen neuen Weg gegangen. Die Produktion selbst hat nochmal eins draufgesetzt und bei dem einen oder anderen Song wurde sich v.a. sample-seitig schon (zu ?) ordentlich ausgetobt. Das finde ich umso negativer, da die meisten Samples einfach zu wenig neues bieten und so oder so ähnlich schon von zig Künstlern zuvor eingesetzt worden sind.

Im Gegensatz zu so teilweise überladen wirkenden Songs (z.B. Deathmental) liegen Soap & Skin's Stärken für mich persönlich nach wie vor im dezenten Arrangement zwischen Klavier, Stimme und dem minimalen Einsatz weiterer "Instrumente" (z.B. Wonder). Wird hier die alte Soap & Skin Formel beibehalten, so findet man den einen oder anderen Song auf der Platte, der nach wie vor mindestens als "gut" durchgeht.

Aber auch bei diesen dezenteren Stücken gibt es Tiefpunkte. Ich hatte nicht selten das Gefühl, da sitzt irgendwer an seinem Klavier, klimpert spontan irgendwas aus dem FF und überlegt sich gleichzeitig den Text dazu (z.B. Lost). Das Ganze wirkt dann extrem wenig raffiniert, wenig motiviert und geht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus.

Bewusst eingesetzte Disharmonien waren für mich auf dieser Platte stellenweise auch nur recht schwer zu ertragen. Allen voran am Ende des Openers "Vater", der auch schon auf Grund des deutschen Textes und der dadurch bedingten, andersartigen Artikulation recht grenzwertig ertönt. Auch hier gilt: Als individueller, persönlicher Ausdruck ist so ein Song nicht zu kritisieren. Als zum Verkauf stehendes Produkt schon.

Nach unter 30 Minuten ist der ganze Spuk dann auch schon wieder vorbei. Grundsätzlich sagt die Dauer einer Platte nichts über die Qualität derselbigen aus (30 Minuten gute Musik sind mir allemal lieber als 60 Minuten schreckliche Musik). Wenn man allerdings bedenkt, dass allein 5 Minuten davon durch ein Cover belegt sind (Voyage, Voyage - das darüber hinaus noch mit die raffiniertesten Harmonien besitzt) und einige Songs in meinen Ohren nahe am Totalausfall vorbeischrammen, dann bleibt am Ende nicht mehr so wahnsinnig viel Bemerkenswertes übrig.

Somit schlägt das zweite Soap & Skin Album das erste definitiv im Bereich der Kurzlebigkeit. Denn während sich das erste Album die eine oder andere Woche in meinem CD-Spieler drehte bevor es aussortiert wurde, hatte ich von "Narrow" In seiner Gesamtheit bereits nach dem vierten Durchhören genug.

Einzelne, wenige Songs bleiben hingegen durchaus länger im Ohr (für mich reduziert sich das auf "Narrow", "Wonder" und "Big Hand Nails Down") . Prinzipiell also das perfekte Album zum individuellen Download der Songs, die einem gefallen.

Soap and Skin's künstlerischer Anspruch ist nach wie vor hoch zu bewerten. Und die Vorstellung, dass da eine Anja Plaschg irgendwo sitzt und an ihren Songs arbeitet, finde ich mehr als gut. Das, was jedoch schlussendlich auf "Narrow" präsentiert wird, kann mich in seiner Gesamtheit nicht überzeugen - auch wenn das Potenzial an manchen Stellen nach wie vor extrem großartig durchblitzt.

Von mir gibt es deshalb 2,5 Sterne - für eine arg kurze Platte mit einigen Höhen und mindestens ebenso vielen Tiefen. Allein schon auf Grund der Gegenströmung zum sonstigen Einheitsbrei wird auf 3 Sterne aufgerundet...
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Kommentare


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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 14.02.2012 01:11:39 GMT+01:00
B.Sem meint:
Wer Punkte abzieht für ein zu kurzes Album, welches Soap&Skin nach gar kein Album sein soll, bekommt Punktabzug.
Nennen wir die Summe der Titel z.B. Liederzyklus. Ich finde die auf die massentaugliche 11-13 Titel Umfang ausgerichteten Alben seltener gelungen als die der Situation, dem Schaffensprozess des Künstslers entsprechenden Umfänge. Zu der Rezension bleiben mehr Fragen als die Rezension Information oder Meinung ausgeben sollte. Wer sollte der Soundtüftler sein, wenn nicht Fr. Plaschg selbst? Die Stärken der musikalischen Darbietung in ruhigen Stücken zu sehen, bedeutet die Entwicklung nicht verfolgt zu haben oder die Musik nicht empfunden zu haben, was ja,wertungsfrei, nicht zu kritisieren wäre. Vielleicht die Stücke ein andermal noch einmal hören oder nicht mehr hören.
Musik ist zweifelsfrei individuell interpretationsfähig, die Rezension scheint jedoch getragen von Erwartungen an ein schönes, tonal ausgewogenes Album ohne überbordende Emotionen zu sein. (Der Kommentar zu Vater steht dafür beispielhaft).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.02.2012 11:23:27 GMT+01:00
Trainhardt meint:
Generell bewerte ich Musik (und Produkte allgemein) unabhängig irgendwelcher Erwartungen. Ich halte es mindestens für kritisch die Erwartungshaltungen als Grundlage für eine Bewertung herzunehmen. Im Umkehrschluss würde das bedeuten: Hätte ich ein unschönes, tonal unausgewogenes und voller überbordender Emotionen steckendes Album erwartet, dann wäre ich damit zufrieden gewesen ?

Und was versteht man dann allgemeingültig unter "unschön", "unausgewogen" und "emotionsgeladen" ? Gibt es da objektive Definitionen oder darf der eigene Geschmack und die eigene Vorstellung dieser Begrifflichkeiten auch noch eine Rolle spielen ?

Ich tue mich generell schwer damit, wenn einem Produkt ein definitiver, allgemeingültiger Wert zugewiesen wird und jedem, der diesen Wert nicht anerkennen will die Fähigkeit abgesprochen wird das Produkt und dessen Hintergründe zu verstehen.

Denn dann gibt es am Ende keine Möglichkeit der Kritik mehr, sondern nur noch die Unterscheidung zwischen denjenigen, die intelligent und offen genug sind um einen Wert zu erkennen und denjenigen, die zu doof, zu engstirnig und zu wenig informiert sind.

Fehlt dann eigentlich nur noch, dass jeder, der nicht auf die neue Soap & Skin Schokolade steht, verkorkste Geschmacksnerven haben muss, die nicht merken, wenn sie auf was wirklich Gutes stoßen ...

Veröffentlicht am 15.02.2012 00:11:37 GMT+01:00
mr.Dave meint:
Dieser Rezension kann (und möchte) ich mich gerne anschließen - alles Wesentliche ist gesagt. Insgesamt (wie auch einer der ersten Auftritte) enttäuschend.
Das Debutalbum ist (auch wenn es - zumindest bei mir - irgendwie "durch ist") um Längen besser. Hier gehts nicht so recht zusammen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.02.2012 18:08:38 GMT+01:00
Zugegeben, ich habe das Album erst zweimal durchgehört, dennoch kann ich schon jetzt sagen, dass ich bei den Liedern 2-8 keine Steigerung, aber auch keinen Abfall im Vergleich zum Vorgänger feststellen kann. Die Lieder sind teils schlicht und schön, teils sperrig und mysteriös, aber doch alles in allem ausdrucksstark und eindringlich. Beim Lied "Vater" sieht die Sache anders aus. Der Text ist geradeheraus, bewusst seltsam anmutend, aber auch herrlich authentisch, das Lied selbst hypnotisch. Als ich vor Kauf des Albums nur die paar Sekunden Snippet gehört habe, war ich schon fasziniert gewesen. Nachdem ich aber schließlich das Ende des Songs gehört hatte, war ich schlichtweg überwältigt. Ein derart intimes, gefühlvolles Lied ist wirklich selten.
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