Kundenrezension

14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großer Junge spielt im Tonstudio, 22. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Ram (Special Edition) (Audio CD)
Der Rolling Stone - die Fachzeitschrift für musikalische Angelegenheiten, die, wenn Sie verzweifelt nicht im Stande sind selbst zu befinden was Sie von einem Album halten sollen, Ihnen mit letztinstanzlichem Imperativ erklärt, wie Sie es zu bewerten haben und ob es Ihnen gefallen darf - und auch Ex-Kollege John Lennon waren damals vor gut vierzig Jahren von "Ram" alles andere als angetan. Lennon milderte sein Urteil nach mehrmaligem Hören zwar etwas ab, aber die Kritik im Rolling Stone war nicht weniger als eine öffentliche Hinrichtung.

Nun schreibe ich weder für den Rolling Stone, noch kann ich auch nur im Ansatz mit den fachlichen Referenzen eines John Lennon mithalten, aber mir gefällt's! Und seit einigen Tagen gefällt es mir sogar noch besser, denn wie auch schon bei den anderen bisher drei restaurierten Alben von Paul McCartney, ist der Klang des Remasters einfach nur zum ergriffen dahin sinken. Hier wurde wieder einmal eine Brillanz und Klarheit geschaffen, die einen bis in den letzten Winkel des Studios hineinhören lässt, jeder einzelne Ton wurde vorsichtig entstaubt und erstrahlt in neuer, natürlicher Schönheit.

Zweiter Grund, warum "Ram" in der Neuauflage gewinnt ist (so man sich für die Special-Edition als Doppel-CD oder Doppel-Vinyl entscheidet) die zweite CD oder LP mit acht sinnvollen Bonustracks. Neben der 1971er Single "Another day" und drei Single-B-Seiten, die allesamt während der Ram-Sessions enstanden, aber damals nicht mit auf das Album kamen, wurden auf die zusätzliche Scheibe noch vier bisher gänzlich unveröffentlichte Outtakes gepackt. Alle vier gelungen und überaus hörenswert, wenn auch zum Teil im Demo-Status unfertig zurückgelassen.

Zum Album selbst muß man eigentlich nicht mehr viel sagen. "Ram" ist nicht grundlos ein absoluter McCartney-Klassiker geworden und verkaufte sich, trotz verheerender Kritiken, sensationell. Was die meisten Kritiker bemängeln, die mit McCartneys zweitem Album pertout nicht warm werden wollen, ist eigentlich seine größte Stärke.
McCartney reizte damals alles aus, was der Effekt-Baukasten hergab (und das war in den ganz frischen 70er Jahren durchaus sympathisch, weil es nicht einfach künstliche Computer-Loops waren) und spazierte stilistisch quer durch alle Genres.
Von amtlichem Blues (3 Legs), über erfrischend leichte Folksongs (Heart of the Country), pompösen dicken Rock (Monkberry moon delight) oder cool groovendem Rock'n'Roll (Eat at home) - wo Paul so klingt, als wolle er den King parodieren, oder nein, das stimmt nicht ganz, eigentlich klingt er eher, als parodiere er Ted Herold wie der versucht Elvis Presley zu kopieren - das Album ist eine wilde Mischung, bis hin zu einem Philharmonischen Orchester, was für die Aufnahmen ins Studio gekarrt wurde. Mit reichlichen Effekten spielerisch ausgarniert ergibt sich eine vollkommen eigene Klangwelt, die man entweder mag oder eben nicht.

Ich will Ihnen nicht vorschreiben, dass Ihnen das Album zu gefallen hat (wie erwähnt, ich schreibe ja nicht für den Rolling Stone), empfehle aber dringend mal intensiv reinzuhören und sich von der Begeisterung anstecken zulassen, die der damals 29jährige Paul bei der Produktion offenbar hatte, während er wie ein großer Junge mit allem spielte, was er in der Trickkiste fand . Ach ja, und weil er sein Mädchen so liebte, durfte sie mitspielen, denn offiziell ist "Ram" das einzige Album was unter Paul & Linda McCartney firmiert. Wie hoch der kreative Anteil von Linda damals tatsächlich war, darüber werden Fans und Experten wohl auch in noch mal vierzig Jahren streiten. Es ist doch auch eigentlich egal, denn sympathisch war es allemal.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 22.05.2012 22:17:09 GMT+02:00
AMM meint:
Gut geschrieben, der Rolling Stone und andere "Experten" haben "RAM" sicher unrecht getan, oder einfach den Fehler gemacht, das Album mit McCartney Meisterwerken zu Beatles-Zeiten zu vergleichen! Muss selbst zugeben, dass ich "RAM" bislang eher gering geschätzt habe, aber in dieser neuen und frischen Version gefällt es mir ungemein gut. Viele Grüße, SF

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.05.2012 00:10:40 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 23.05.2012 00:27:53 GMT+02:00
Vielen Dank!
Ich glaube unmittelbar nach der Beatles-Ära wollte McCartney wirklich einfach erst einmal raus aus allen Korsetten. Was er jetzt schrieb, mußte nicht mehr Beatles kompatibel sein und er probierte zwanglos drauflos. So klingt es für mich, muß nicht stimmen. Sein erstes Solo-Werk im Vorjahr war ja noch um einiges mehr frei von jeglicher Geradlinigkeit eines üblichen Pop-Albums.

Letztlich liebe ich das an McCartney Alben bis heute. Mal liefert er Sachen, wo niemand seine Grandiosität als Songwriter anzweifeln kann - er kann einfach Songs für die Ewigkeit schreiben - und dann mach er etwas, wo man selbst als Fan beim ersten Hören denkt: Was ist da im Studio passiert? Das meint er doch jetzt nicht ernst?
Doch! ;-)
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