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Zeitgemäßer Werther,
20. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Die neuen Leiden des jungen W (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
»Die neuen Leiden des jungen W« des ostdeutschen Autors Ulrich Plenzdorf erschien im Jahr 1972 und erzählt die Geschichte von einem jungen Mann, der aus der Gesellschaft aussteigt, um sein eigenes Leben zu leben.
Der Werther in Ulrich Plenzdorfs Roman heißt Edgar Wibeau, ein 17-jähriger Vorzeigelehrling, desssen Leben vorbestimmt schien, der aber nach einem Streit mit seinem Ausbilder aus einer Kleinstadt ins sozialistische Ost-Berlin flieht. Der Typ wohnt dort in einer Gartenlaube, wo er Goethes »Die Leiden des jungen Werther« entdeckt, er lebt in den Tag hinein und stirbt dann an einem Stromschlag.
Der Roman, eine zeitgemäße Adaption des Goethe-Stoffes, ist ein Buch über das Scheitern eines Individualisten und versucht den Jugendlichen, das Lebensgefühl einer Generation wiederzugeben. Edgar ist ein sozialistischer Werther und verkörpert Wünsche und Sehnsüchte der DDR-Jugend und hat mit Goethes »Werther« weit mehr gemein als dei Enttäuschung über eine unglückliche Liebe.
Mag Goethes Werther auch literarisch hochwertiger und literaturgeschichtlich bedeutender sein, so ist Plenzdorfs Wibeau gegenwärtig doch weitaus lebensnäher, nachvollziehbarer und in seiner jugendlichen Sprache und Gestaltung Ausdruck des Lebensgefühls einer ganzen Generation: der Jugend von heute. Der Roman behandelt grundsätzliche Probleme des menschlichen Lebens wurde im Westen ein Riesenerfolg und ist im Osten längst Kult.
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